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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 14:09

 

Jutta Rosenkranz: Mascha Kaléko

25.04.2007

 
Spitzweg in Brandenburg

“Es ist eine aus Sentimentalität und Schnodderigkeit großstädtisch gemischte, mokante, selbstironisierende Art der Dichtung, launisch und spielerisch, direkt von Heinrich Heine abstammend ...”(Hermann Hesse)

 

Mascha Kaléko wurde 1907 in Polen geboren. 1930 wurde sie mit ihren Gedichten über den Alltag der kleinen Leute bekannt. Sie verkehrt in Berliner Künstlercafés: “plaudernd zeichnet die junge Künstlerin treffend Berliner Typen (...) so ein bißchen Spitzweg in Brandenburg”. Sie schrieb u.a. ca. 500 Gedichte und Epigramme und war eine der wenigen emigrierten Autorinnen, die nach dem zweiten Weltkrieg wieder an ihren Erfolg vor der Emigration anknüpfen konnte.

Jutta Rosenkranz stand wenig biografisches Material zur Verfügung. Vielfach sah sich die Autorin gezwungen, sich auf autobiografischen Details der Gedichte zu beschränken und sie mit historischen, zeitgenössischem Hintergrund zuverbinden. Die wohltuende Zurückhaltung führt zu einer Legierung, die gelingt, stimmig ist, nicht die selbstzufriedene Gewißheit mancher Biografen hat.

MK, wie sie sich selbst nennt, schreibt Zeit ihres Lebens hauptsächlich Lyrik, ihre Welt ist “nicht die des großen Romans, es sind mehr die kurzen, pointierten Alltagsminiaturen”. So schreibt sie bspw. auch Chansons, u.a. für Claire Waldorff, und kabarettistische Beiträge. Die Leute lieben ihre “besondere Mischung aus leisen Tönen zwischen Witz, Ironie und Melancholie”. Beschrieben wird sie als “eine Tochter Morgensterns und eine Schwester von Ringelnatz”. Hermann Hesse vergleicht sie mit Heine.

Ihre “ersten leuchtenden Jahre” hat sie Ende der 20er bis zum Anfang der 30er Jahre. Die Machtergreifung der Nazis setzt ihrem Erfolg ein Ende, der Druck auf kritische Künstler, linke Intellektuelle, aber vor allem Juden wird schnell bemerkbar. Sie schafft es mit ihrem Mann Chemjo Vinaver und ihrem Sohn nach New York zu fliehen. Begreiflicherweise verändert sich in der Emigration ihr Stil. Materiell ungesichert, mit Ängsten um die Familie, sich ohne Sprachkenntnisse in der Fremde orientieren zu müssen, lassen wenig Sicherheit zum Schreiben. Die Gedichte der Emigration werden schärfer, auf persönlicher und gesellschaftskritischer Ebene.

Es dauert bis 1956, als sie das erste Mal wieder nach Deutschland zurückkommt. Kritisch-ironisch setzt sie sich mit der Verdrängsleistung der Deutschen auseinander, die sehr schnell wieder zur Normalität zurückkehren, ist jedoch von der Wärme und Aufmerksamkeit, die ihr entgegengebracht wird, angetan. Die mädchenhafte Dichterin mit den spöttischen Tönen erlebt ein wohlverdientes Comeback.

Die Rezeption von Mascha Kalékos Lebenswerk ist um so wichtiger, als sie nicht nur die heiteren oder satirisch gefärbten Alltagsmomente und Emotionen spiegelt, sondern zugleich auch Zeugnis der bitteren Erfahrungen einer jüdischen Emigrantin vor den historisch und gesellschaftlichen Umbrüchen in Deutschland darstellt. Lyrik, die mit ihren persönlichen Bezügen Geschichte schrieb. Jutta Rosenkranz ist eine behutsame Biografie der “ringelnatzigen”Autorin “mit Berliner Zungenschlag”gelungen, die zum Wiederentdecken, Wiederlesen, zum Nichtvergessen anregt.

Maggie Thieme


Jutta Rosenkranz: Mascha Kaléko
dtv premium, 2007
200 Seiten, 14,50 EUR
ISBN: 978-3-423-24591-3

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