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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 14:13

 

Hollow Skai: Die Toten Hosen

01.11.2007

Burgtheaterpunks

Ob "Unter falscher Flagge" oder bei der "Damenwahl" – Die Toten Hosen fanden immer irgendwo einen Knackpunkt zum Andocken. Ihre Lieder gingen um die Welt und verbreiteten überall "Ein kleines bisschen Horrorschau".

 

Man schrieb das Jahr 1988, als die Düsseldorfer Punkband ihr fünftes Studioalbum herausbrachte. Damit ernteten Die Toten Hosen eine Platinauszeichnung – für fünfhunderttausend verkaufte Exemplare. Ein richtig bürgerlicher, nach reinen Marketinggesichtspunkten verteilter Preis also, der dem Rabaukenimage um den Sänger Campino aber keinen Schaden zufügte. Die Hitsingle "Pushed Again" katapultierte die Band in die deutschen Charts: im Januar 1998 erreichte sie Platz 4 und blieb für achtzehn Wochen notiert. Was auch damit zu tun hatte, das plötzlich auch die Punkverweigerer und –schmäher in der Hosen-Musik eine bestimmte Geilheit entdeckte.

Hollow Skai steckte von Anfang an mit Die Toten Hosen und deren Vorläufergang ZK unter einer Decke. Nach dem alles angefangen hatte in Düsseldorf, steigerte die Band sich Schritt für Schritt in die Oberliga des deutschen Liedgutes. Ob "Eisgekühlter Bommerlunder" oder "Hier kommt Alex" (für das Theaterstück "Clockwork Orange" geschrieben – Die Toten Hosen nutzten ihr Potential für weit verzweigte Aktivitäten.

Irgendwann war die No Future-Haltung ausgelebt, die wirbelsäulenfreundliche aufrechte Haltung blieb jedoch. Zwar war die Entwicklung von der Düsseldorfer Punkzentrale im Ratinger Hof bis zum Sofa von "'Wetten, daß..." ein Quantensprung. Im Vermarktungsgewerbe hielten Die Toten Hosen sich jedoch zurück und ihre Preise für Merchandising-Artikel niedrig. Auch im Hochkulturbetrieb standen die Düsseldorfer ihren Mann. Im Wiener Burgtheater gaben sie ein Unplugged-Konzert, Campino schlüpfte in der "Dreigroschenoper"-Inszenierung von Klaus Maria Brandauer in die Rolle des Mackie Messer.

Ausführlich kommentiert Hollow Skai im Anschluss an den biografischen Text die Schallplattenveröffentlichungen und wagt einen längeren Kommentar zum Stellenwert der Band, in dem er insbesondere einen Blick auf die Haltung innerhalb des Musikbusiness wagt: "Obwohl sie jahrelang bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag standen, gingen sie stets als Independent-Band durch, die nach und nach immer mehr Bereiche autonom verwaltete..."

Wie Die Toten Hosen es trotzdem schafften, zu einer festen Institution im deutschen Kulturbetrieb zu werden, schildert der Autor anschaulich und kenntnisreich.

Klaus Hübner


Hollow Skai: Die Toten Hosen.
Hannibal. Höfen 2007.
184 Seiten.
ISBN: 978-3-85445-281-2.
12,50 Euro.

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