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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 14:32

Robert Lebeck zum 80.

30.04.2009

Bob, der Lichtbildner

Einer der bedeutendsten Fotoreporter Deutschlands erzählt die Stationen seines Lebens, gibt Einblick in sein umfangreiches Schaffen und seine unermüdliche Jagd nach Bildern. Von INGEBORG JAISER

 

Viele seiner Fotografien sind zu Ikonen geworden: eine kecke Romy Schneider mit Zigarette im Mundwinkel und schief aufgesetzter Männerkappe; Joseph Beuys, nachdenklich eine Axt umarmend; Jaqueline Kennedy und Lee Radziwill, schwarz verschleiert am Sarg von Robert Kennedy; eine perfekt geschminkte Maria Callas beim Besuch eines Automobilwerks; Willy Brandt auf dem Rücken eines Esels am Strand von Fuerteventura – oder Helmut Kohl in strahlender Pose vor dem Capitol. Seine legendären Fotostrecken haben maßgeblich das visuelle Bild des Wochenmagazins Stern geprägt. Mit seinen Reportagen aus der ganzen Welt schrieb er Zeitgeschichte wie kaum ein anderer deutscher Fotograf. Bis zum heutigen Tage wurde sein umfangreiches Werk durch zahlreiche Ausstellungen, Preise und Publikationen gewürdigt.

Unverschämtes Glück

Dabei hatte der 1929 in Berlin geborene Robert Lebeck nie eine fotografische Aus-bildung genossen, blieb Zeit seines Lebens Autodidakt, der stets optimistisch auf glückliche Umstände (nicht umsonst nannte er eine seiner Ausstellungen Unverschämtes Glück) und seine untrügliche Intuition baute. Als frühes Scheidungskind dem an Multiple Sklerose erkrankten Vater zugesprochen, genoss er in der Kindheit große Freiheiten. Sein nicht zu bremsender Wandertrieb („Mit drei Jahren wurde ich einmal zu einem Laden im Vorderhaus geschickt, um dort einen Scheuerlappen zu kaufen. Stunden später las mich jemand am Brandenburger Tor auf und brachte mich zu meiner besorgten Großmutter zurück. Ich war einfach losmarschiert.“) und seine unermessliche Neugier auf die Welt ließen den Berufswunsch Naturforscher in ihm keimen.

So studierte er nach einem frühen Einsatz als Flakhelfer und nachfolgender Gefangenschaft zunächst Völkerkunde in Zürich und New York. Doch als ihm seine damalige Frau Ruth zum 23. Geburtstag eine Retina 1A-Kamera schenkte, war es um ihn geschehen („Es war Liebe auf den ersten Blick … Sie war anspruchslos und zuverlässig, ich war hungrig auf alles Neue … Für mich war sie wie der erste Köder für einen Fischer, der bislang nur eine Schnur durchs Wasser gezogen hat.“)

Als unerschütterlicher Optimist pries der smarte Lebeck seine ersten stümperhaften Resultate, die die nächstgelegene Drogerie auch noch in „chamois-matt, mit Büttenrand“ entwickelt hatte, der Redaktion der Rhein-Neckar-Zeitung an. Die ließ ihn zwar abblitzen, doch der Autodidakt experimentierte munter weiter. Erwischte beim Baden-Badener Rosenfest zufällig den Bundeskanzler Konrad Adenauer, mogelte sich durch persönliche Beziehungen in eine schlagende Verbindung in Heidelberg und brachte seine erste Reportage schließlich bei der Zeitschrift Revue unter, die ihn noch im gleichen Jahr zum Leiter des Frankfurter Büros bestellte.

Lebecks Aufstieg war kometenhaft: er fotografierte für die Bravo den jungen Elvis Presley in Deutschland, brillierte mit der Kongo-Reportage „Des Königs Schwert in schwarzer Hand“, gewann das Vertrauen von Henri Nannen und stieg zum Star-Fotografen der Illustrierten Stern auf. Zu dieser Zeit erwarb er sich auch den treffenden Spitznamen Smiling Bob, der ihn zeitlebens auszeichnete.

„Fotografieren heißt, Regeln zu verletzen“

Anlässlich seines 80. Geburtstags wird nun Lebecks Autobiografie, die zuerst 1999 unter dem Titel Rückblenden: Erinnerungen eines Fotojournalisten erschienen ist, in überarbeiteter und erweiterter Neuausgabe herausgegeben. Hier verrät der erfolgreiche Fotograf allerhand Tricks und Berufsgeheimnisse: „Fotografieren heißt, Regeln zu verletzen“, lautet sein Credo. Dabei hat er nie seine Motive inszeniert, war jedoch stets offen, neugierig und aufmerksam. Dass er grundsätzlich ohne Blitz fotografierte, zuweilen unauffällig aus der Hüfte heraus, verlieh ihm eine Aura von Zurückhaltung und Diskretion. Diese Haltung verdankt er vor allem einer frühen Begegnung mit dem Fotografen Herbert Tobias, der ihm riet, mit hochempfindlichen Filmen zu arbeiten und das Entwicklerbad auf einer Elektroplatte zu erhitzen.

Lebeck schwor auf die Handlichkeit seiner kleinen Leica, deren 21mm-Superweitwinkelobjektiv eine umfangreichere Szenerie einzufangen vermochte, als mancher Augenzeuge für möglich hielt. Dabei prägte Lebeck die einfache und bescheidene Aussage: „Ich fixiere, was ist.“ Zahlreiche dieser Momentaufnahmen illustrieren Lebecks neu aufgelegte Autobiografie und geben so einen umfassenden Eindruck seines beachtlichen Lebenswerks.

 

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