Der Erkenntnisgewinn, den vermeintliche Welterklärer Lesern zu bescheren vermögen, ist nun wahrlich oftmals von geradezu verschwindender Bedeutung. Fairerweise sollte man allerdings unterscheiden zwischen selbsternannten Welterklärern oder solchen, die durch verlegerisches Kalkül dazu gekürt werden. Roger de Wecks „Nach der Krise“ hebt sich meilenweit von der Masse unzähliger, oft überflüssiger Publikationen rund um die Finanzkrise ab. Schon der Untertitel „Gibt es einen anderen Kapitalismus?“, immerhin als Frage formuliert, nährt die Hoffnung, hier möge sich einer mit essentiellen Fragen beschäftigen ohne Schmalspur-Weisheiten zu servieren oder in Gemeinplätze à la „Die Menschheit muss lernen …“ zu verfallen. Die Hoffnung wird bestätigt, man kann dem schmalen Band des hochdekorierten kritischen weltoffenen Geistes Roger de Weck guten Gewissens das Prädikat „Lesenswert“ attestieren.
Alle Welt schreibt und schreit über die Finanzkrise, aber erstaunlich selten stellt sich wirklich jemand ernsthaft der Systemfrage. De Weck tut es, auf eine wohltuend entschiedene und gleichzeitig besonnene Weise, die sozusagen im Vorbeigehen die zynische Ignoranz und das dilettantische Wachstumsbeschleunigungsgeschwätz der amtierenden Regierung als das entblößt, was es ist: bar jeder Seriosität, Konzeption, und erst recht - Vision.
Auch wenn sich der gemeine Bürger in den finanzpolitischen Debatten dieser Zeit zunehmend schon scheinbar zuhause fühlt und es versteht, mit Begriffen wie Deregulierung und Derivaten, Hedgefonds und Bad Banks zu jonglieren, so gewährt der vorliegende Band doch manche, bisher unbekannte und verblüffende Einblicke, welche die Perversionen heutiger Wirtschaftsabläufe überdeutlich auf den Punkt bringen.