Was war das nur für eine Zeit, die vor etwa dreißig Jahren begann: der freie Markt, freies Unternehmertum, das Märchen von den Segnungen des Freihandels, die Forderung nach Deregulierung der Märkte und Flexibilität der Löhne – all das wurde seither fester Bestandteil politischer Diskussion. Zunächst angetrieben durch die Krisenerfahrungen der siebziger Jahre, später durch das Zusammenbrechen der sozialistischen Planwirtschaften, erschien der Kapitalismus lange Zeit alternativlos, der Neoliberalismus der einzig gangbare Weg zu mehr Wachstum, weniger Arbeitslosigkeit und Stabilisierung der Weltwirtschaft.
Dass diese selbst nach der weltweiten Finanzkrise und ihren katastrophalen Folgen, immer noch herrschende Doktrin und ihr hohes Ansehen keineswegs ökonomisch gerechtfertigt ist, legt der renommierte Ökonom Galbraith in seinem neuesten Buch sehr überzeugend dar. Kurz gesagt: Das neoliberale Credo, das sich in den Köpfen vieler (auch linksliberaler) Politiker festgesetzt hat, ist wirtschaftlicher Unsinn. Galbraith illustriert anhand der US-amerikanischen Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte, wie selbst konservative Marktideologen ihre ursprünglichen Vorsätze schnell aufgeben mussten, weil sie den Praxistest einfach nicht bestanden.