Durch den wilden Osten
Trotz allen Unkenrufen läuft Scherzer los, mit 1000 Euro im Brustbeutel, soliden Sprachkenntnissen und einigem Gottvertrauen. Um es vorweg zu nehmen: ja, er wird nach fünf Wochen im rumänischen Kiszombor ankommen, unausgeraubt, relativ gesund und tief gebräunt, mit der inzwischen mehrfach geflickten, altersschwachen Kraxe auf dem Rücken. Doch schon nach der ersten improvisierten Übernachtung auf einer Klappcouch mistet Scherzer resolut aus: Windjacke und Sonnencreme, Rasierzeug und Gastgeschenke lässt er gezielt zurück. Er will mit dem Nötigsten auskommen und sich jeden Abend ein neues Nachtlager suchen.
So startet er – mit reichlich Improvisationstalent und einem gerüttelt Maß an Neugier gesegnet - seine abenteuerliche Osteuropatour. Dabei steht nicht das Herunterreißen von Kilometern, nicht die sportliche Ambition im Mittelpunkt, sondern die menschliche Begegnung. Bereits in der Vergangenheit hat Scherzer durch ungewöhnliche Reportagen beeindruckt, zuletzt als Der Grenz-Gänger (2005) mit einer Wanderung auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Thüringen und Bayern. Seine aktuelle Tour durch den „wilden Osten“, die übrigens von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert wurde, fasziniert durch lebendige Einblicke in europäische Landstriche und Bevölkerungsgruppen, wie sie uns exotischer kaum vorkommen könnten.