Miami oder Maskat?
Im geballten Mikrokosmos eines Flughafens kulminieren die Dramen und Konflikte des modernen Lebens wie an kaum einem anderen Ort. Hier kreuzen sich die verworrenen Linien multikultureller Beziehungen, hier geben sich in Urlaub reisende Familien der gefährlichen Illusion hin, „das Glück im Anderswo zu erhoffen: zwei Zimmer mit Blick auf einen Hafen, ein von Palmen umstandener Bungalow, das abendliche Büffet inklusive.“ Die auf Anzeigetafeln ausgewiesenen Destinationen suggerieren nur allzu gern diffuse Szenarien voll exotischer Nostalgie und Sehnsucht: Tel Aviv und Tripolis, Abu Dhabi und Algier, Miami und Maskat.
Alain de Botton gelingt mit dem Essay Airport ein erstaunlich frischer, ungewohnter und doch zugleich elaborierter Blick auf das Phänomen „Flughafen“. Poetisch beschreibt er die Magie der Abflugshallen, dekliniert die Mechanismen des modernen Arbeitslebens, beleuchtet die Konsumkultur der Duty-Free-Shops. Zahlreiche fantastische Fotografien von Richard Baker verleihen diesem schmalen Band besonderes Format und pushen ihn auf über 120 Seiten hoch. Ein besondere Erwähnung gilt den Umschlaggestaltern: Selten vermag ein stimmiges Cover eine derartige Sogwirkung zu vermitteln ...