Die Monographie: Raumtemperatur
Seien wir ehrlich, es gibt ihn. Den Trend zur Vermarktung. Seit ein paar Jahren haben sich etliche Seltsamverlage darauf spezialisiert, die letzte Bachelor-, Master-, Diplom- oder Magisterarbeit, und sei diese auch noch so mittelmäßig, als book on demand zu „publizieren“, sprich irgendwo auf ihren eigenen Servern herumliegen zu lassen, bis ein armer Amazon-Kunde ausrutscht und sich auf „Kaufen“ verklickt. Der Autor dieser Zeilen weiß, wovon er spricht. Ganz anders sieht es bei Raumtemperatur von Christian Huberts (auch zu finden als Autor beim Online-Kulturmagazin subpool.de) aus, den ich glücklicherweise via Mathias Mertens kennenlernte (ja, tatsächlich über facebook!). Auch hier handelt es sich um eine überarbeitete Diplomarbeit. Aber was für eine!
Und um es vorweg zu nehmen – es handelt sich um nicht weniger als einen klassischen Pflichtkauf. Huberts’ Kernkonzept, nämlich die Begriffe „heiß“ und „kalt“, wie wir sie aus der Sprache und Forschung Marshall McLuhans’ kennen, auf digitale Spiele zu übertragen, deren „Raumtemperatur“ also zu messen, ist ebenso einfach wie genial: „Computerspiele sind kalt, weil sie einen Spieler brauchen, der sie vollzieht. Computerspiele sind heiß, weil sie den Vollzug des Spiels reglementieren und kontrollieren. […] Computerspiele sind heiß oder kalt, je nachdem, welche anderen Medien sie in welcher Intensität benutzen, um ihre Konflikte und Prozesse zu inszenieren.“ Hinzukommt die erfrischende Sprache des Autors. Er bewegt sich zwar hin und wieder in einer, nennen wir es, eher „oralen Tradition“, aber was die Hölle? Huberts liest sich packend, liest sich clever, ohne dozierend zu erscheinen. So möchte man öfter über digitale Spiele lesen (und mancher schreiben können), nicht mehr, nicht weniger.

