Zumindest soweit es um die unterhaltsamen Aphorismen aus den Parerga und Paralipomena (1851) geht. Schopenhauer gilt wegen seiner Nähe zur negativen Theologie der Mystik, zur asketischen Praxis fernöstlicher Spiritualität und zur pessimistischen Weltsicht der Skepsis als „modern“.
Rüdiger Safranski ist ein Philosoph, der sich der Popularisierung seiner Disziplin in Bild und Wort verschrieben hat. Zunächst hat er sich als Biograph einen Namen gemacht (u.a. veröffentlichte er Lebensskizzen zu Heidegger und Nietzsche), dann folgte der mediale Durchbruch an der Seite des vielleicht derzeit populärsten deutschen Denkers, Peter Sloterdijk, als Gastgeber des „Philosophischen Quartett“ im Zweiten Deutschen Fernsehen.
Die Paarung ist vielversprechend: Den einen, Schopenhauer, zitiert der zynische Zeitgenosse gerne auf Glückwunschkarten („Heiraten heißt: Rechte halbieren, Pflichten verdoppeln.“), dem anderen, Safranski, hört man gerne zu. Wenn nun dieser Safranski über jenen Schopenhauer schreibt, steht geistreiche Unterhaltung ins Haus. Unter Strich stimmt das auch. Doch ist Safranskis neue Schopenhauer-Biographie, die pünktlich zum 150. Todestag des Philosophen in den Regalen des Buchhandels erhältlich ist, beileibe keine leichte Kost. Safranski meint es ernst mit Schopenhauer, vielleicht ernster als je ein Schopenhauer-Kenner zuvor.
Akribisch zeigt Safranski sämtliche Lebensstationen Schopenhauers, den er vertraulich „Arthur“ nennt, und bringt sie, selten war es sinnvoller, mit dessen Werk in Verbindung. Anekdoten über Schopenhauers Scheitern in Berlin, die Enttäuschungen im Akademikerdasein, die zerrüttete Kaufmannsfamilie mit ihren Konfliktlinien sowie der zeitgeschichtliche Hintergrund bieten Safranski die Kulisse für die Interpretation der philosophischen Idee, die Welt sei „Wille und Vorstellung“. Leben und Lehre verschmelzen bei Schopenhauer zu einem profunden Weisheitsamalgam, dem, so die bisherige Einschätzung, keine Systematik zugrunde liegt.