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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 15:46

Gault Millau 2011

09.12.2010

Noch einiges zu entdecken

Der Gault Millau Deutschland für 2011 empfiehlt wie im Vorjahr 1060 Restaurants und 360 Hotels, fünf weniger als 2010. Koch des Jahres ist Mario Lohninger aus Frankfurt, der in gleich drei Restaurants kocht, die seinen Namen tragen. Der Oberkellner des Jahres heißt Ansgar Fischer und arbeitet – wo wohl? – in der Baiersbronner Schwarzwaldstube. Der Aufsteiger des Jahres Claus Alboth haust im lange Zeit gastronomisch unterernährten Osten der Republik, in Erfurt. Und die Entdeckung des Jahres Sebastian Zier sorgt auf Sylt für die Schönen und Reichen. Die einzige Frau unter den Jahressiegern ist für Süßes zuständig: Nadja Hartl im Wolfsburger Aqua. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Cigar Lounges werden angesichts des sich ausbreitenden Rauchverbots immer notwendiger, aber es existieren nicht allzu viele. So schaffte es das Graf Zeppelin in Stuttgart zur Auszeichnung. Es gibt gemütlichere Örtlichkeiten.

 

Klaus Erforts Gästehaus in Saarbrücken hat sich schon länger der Zuneigung des Gault Millau erfreut. Nun ist es in die Spitzengruppe der vier Restaurants mit 19,5 Punkten aufgerückt. Aufgestiegen sind auch, unter anderem, das Lerbach in Bergisch Gladbach und das modische Margaux in Berlin. Abgewertet wurden hingegen das Schiffchen in Düsseldorf und das Français in Frankfurt. Zu den Newcomern zählen das Avui, das zweite Restaurant im Fellbacher Hirschen, und auch die bereits erwähnten Wirkungsstätten von Lohninger und Zier.

 

Auf dem Einband steht »neu getestet und kommentiert«. Bei Auerbachs Keller wurde der Text von 2010 wortwörtlich übernommen, lediglich die Gerichte aus der Speisekarte wurden ausgewechselt. Das gilt auch für die Weinstube Viertelesschlotzer in Stuttgart. Beide Lokale bleiben unbewertet. Schließt das den Verzicht auf neue Kommentare ein? Ein Witz am Rande: Der Guide wirbt für sich selbst auf Seite 871, mit falscher Abbildung und falscher Seitenzahlangabe.

 

Ist ein Schnäppchen, das es nicht gibt, noch ein Schnäppchen?

Auf 914 Seiten ist mittlerweile der WeinGuide für Deutschland angeschwollen, und das spiegelt den unaufhaltsamen Aufstieg der deutschen – und keinswegs nur der weißen – Weine in den vergangenen Jahren. Immer mehr Winzer setzen auf Qualität statt auf Masse. Der Winzer des Jahres kommt aus Rüdesheim, wo offenbar nicht nur für die wenig kritischen Touristen produziert wird, und heißt Johannes Leitz. Für die beste Kollektion des Jahres wurde die Familie Aldinger aus Fellbach bei Stuttgart ausgezeichnet. Die meisten gut benoteten Weine kommen von der Mosel, aber auch anderswo, selbst in Sachsen, kann man fündig werden.

 

Der Gault Millau denkt auch an Weinliebhaber mit schmaler Geldbörse. Da gibt es eine Liste mit Weißweinen, die 89-91 von 100 möglichen Punkten erhalten haben und weniger als 8 Euro kosten. Den bestbeurteilten Wein, eine Scheurebe Spätlese von Bernhard Koch in der Pfalz, kriegt man gar schon für 5,50 Euro. Wer ihn allerdings kaufen will, wird enttäuscht, wenn er die Homepage des Winzers anklickt. Ist ein Schnäppchen, das es nicht gibt, noch ein Schnäppchen? Bei den Rotweinen hat sich der Guide in seiner Schnäppchen-Empfehlung verdruckt. Die kosten zwar, wie angegeben, weniger als 10 Euro, haben aber größtenteils nur 88, nicht 89 Punkte, wie unten, aber auch nicht 86, wie oben behauptet, bekommen. Der WeinGuide enthält noch eine ganze Reihe weiterer Listen und informativer Beiträge, die ihn zu mehr als einem Nachschlagewerk machen.

 

Allzu sehr von protziger Aufmachung beeindruckt

Österreichischer Koch des Jahres ist Andreas Döllerer in Golling, der stets ein wenig darunter zu leiden hat, dass alle Welt von den Obauers im nahen Werfen spricht. Ob es den Wiener Bürgermeister Häupl über den Verlust der absoluten Mehrheit seiner Partei hinwegtröstet, dass er zum Feinschmecker des Jahres 2009 gekürt wurde? Genau genommen sind man ihm den Feinschmecker auch eher an als den Politiker. Gleich um 2,5 Punkte aufgewertet wurde nach einem Wechsel in der Küche das Weinhaus Nigl im niederösterreichischen Senftenberg. Das Wiener Korso bei der Oper, einst die Wirkungsstätte von Reinhard Gerer, wurde auf 12,5 Punkte abgestuft. Die Villa Schratt in Bad Ischl hat es unter dem neuen Koch Klaus Kobald wieder in den Guide geschafft, wenngleich die Beschreibung nicht nach jenen 14 Punkten klingt, mit denen sie aufscheint.

 

Das Restaurant im Gmundener Freisitz Roith wurde um einen Punkt auf 16 Punkte aufgewertet. Da der Gault Millau sich gemeinhin allzu sehr von protziger Aufmachung beeindrucken lässt und mit einer gewissen Arroganz exzellente Küche in einfachen und preiswerten Lokalen ignoriert, sei ein Ausreißer lobend erwähnt: das Marktachterl auf dem Wiener Karmelitermarkt, eine Art Marktstandl mit schlichten Tischen vor der Tür, wurde neu aufgenommen und bekam mit 14 Punkten eine Haube. Zu Recht. Aber es gäbe noch Einiges in dieser Art zu entdecken. Im Weinführer, der beim österreichischen Gault Millau wie in den Vorjahren als eigener Band beigegeben wird, bleibt es dabei: Die besten Weißweine kommen aus der Wachau, die besten Rot- und Süßweine aus dem Burgenland. Auch der Wein des Jahres stammt aus der Wachau, von Rudi Pichler in Wösendorf.

 

Nichts Neues

Schweizer Koch des Jahres ist Peter Knogl vom Cheval Blanc im Hotel Les Trois Rois, dessen drei Könige während der einzigartigen Basler Fasnacht als Waggis von der Fassade grüßen. Auch zwei Aussteiger rühmt der neue Guide, darunter Horst Petermann, dessen Kunststuben in Küsnacht seit vielen Jahren zu den zuverlässigsten Adressen in der Schweiz zählten. Petermann verabschiedet sich in den Ruhestand, aber der Guide wettet darauf, dass er noch gelegentlich in der Küche auftauchen wird. Den Sommelier des Jahres trifft man im Genfer Hotel Beau-Rivage, das seine traurige Berühmtheit den Leichen einer österreichischen Kaiserin und eines deutschen Ministerpräsidenten verdankt.

 

In der Schweizer Spitzengruppe: nichts Neues. Aufgewertet wurde das Paradies in Ftan, in dessen Küche vor einem Jahr eine Wachablöse stattgefunden hat. Es hat jetzt wieder 18 Punkte. In die knappe Liste der Hotels, die im Anhang aufgeführt  sind, wurden ein paar neue Häuser aufgenommen, aber der Gast mit der schmaleren Brieftasche wird hier nach wie vor im Stich gelassen.


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