Als Bandleader Benny Goodman mit den schwarzen Musikern Teddy Wilson und Lionel Hampton 1935 (zusammen mit dem weißen Drummer Gene Krupa) regelmäßig in Quartettbesetzung aufzutreten begann, war das erste (namhafte) gemischtrassige Jazzteam in den USA Tatsache – Beginn einer gesellschaftlichen Reform, Vorschein der erst nach mehr als dreißig Jahren erfolgreichen Bürgerrechtsbewegung. Nach ihren Konzerten gingen die vier Künstler, zwei und zwei, in verschiedene Hotels, die Weißen ins eine, die Schwarzen ins andere. Aber: »Wir schwammen eben mit dem Strom, so wie er floss, wir hatten ja schon eine Tür geöffnet, einen gewaltigen Spalt breit, da brauchten wir nicht auch noch ein Riesentamtam zu machen.« (Seite 335)
Eine andere kleine Geschichte: »Im Jahr 1875 veröffentlichte Bed?ich Smetana die Orchesterpartitur seiner sinfonischen Dichtung Aus Böhmens Hain und Flur. Das Deckblatt war auf eine Weise zweisprachig, die auffälliger nicht hätte sein können – tschechisch auf der linken, deutsch auf der rechten Seite, die einzigen unübersetzten Wörter waren die Namen des Komponisten und des Verlegers. Den größten Teil des Blattes nahm eine ländliche Idylle ein: die Berge, Täler und Wälder aus dem Titel dieser Komposition. In der Bildmitte sitzt ein Mann auf einem Felsen und zeichnet die Schönheiten der Natur vor seinen Augen: eine Szenerie, die sich beide Sprachgruppen teilen durften. Doch nicht alles ist gut in diesem Garten Eden, denn auf den felsigen Bergkuppen rechts und links des Tales stehen sich finster zwei Burgen gegenüber. Die Umstände, die zur Wahl dieses Bildes geführt haben, kennen wir nicht, doch es hätte gewiss keine bessere Darstellung der zweigespaltenen böhmischen Kultur und Politik finden lassen.« (Seite 316)
Zwei von unzählig vielen anekdotischen Details, mit denen Tim Blannings materialreicher Band Triumph der Musik aufwartet. Der nichtssagend daherprotzende Titel – man könnte allenfalls an eine barocke Allegorie denken – legt den Verdacht einer übersetzerischen Verlegenheitslösung nah; aber nein, er ist ganz brav und wörtlich aus dem Original The Triumph of Music übernommen, das 2008 bei den Penguin Books erschien. Man darf die deutsche Ausgabe im Rahmen der Elke-Heidenreich-Edition lebhaft begrüßen, denn es handelt sich um eine Art von Musikbuch, wie es außerhalb Angelsachsens und insbesondere in Deutschland kaum einmal (hier am ehesten noch von Peter Schleuning) je geschrieben wurde.