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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 15:58

Markus Reiter / Tim Schleider: Kultur für Banausen

04.02.2011

Kulturratgeber ohne Gähnfaktor

Man steht vor einem Bild in der neuen Kunstausstellung und fragt sich: Was zum Teufel soll daran so toll sein? Oder: Man sitzt in einem Sinfoniekonzert und hört nichts als Gedudel. Oder: Man liest einen Klassiker und denkt: Der war doch auf Crack. Wem diese Situationen bekannt vorkommen, der sollte es mal mit Kultur für Banausen versuchen – ein Kulturratgeber ohne Gähnfaktor. Von CHRISTIANE MIETH

 

Markus Reiter und Tim Schleider, beides Stuttgarter Journalisten, haben sich der großen Masse angenommen, die mit Kultur nichts anfangen kann, und versuchen in Kultur für Banausen, das große Fragezeichen von deren Stirn zu wischen. Ob Architektur und Musik oder Philosophie und Religion – nichts bleibt dem Banausen erspart. Nach diesem kleinen Basiskurs können Sie definitiv mitreden, wenn es das nächste Mal heißt: Was denken Sie eigentlich darüber?

 

Kultur für Banausen schafft es, nicht nur eine Kulturgebrauchsanweisung zu sein, sondern gleichzeitig interessante Nebenbei-Infos zu geben – so erfährt man, was »Jazz« eigentlich übersetzt bedeutet, warum bei Wagner nie, bei Mozart schon zwischendurch geklatscht wird oder, dass Hitchcock ein großer Angsthase war. Ganz behutsam setzt man einen Schritt nach dem anderen in das große Kulturlabyrinth, ohne überfordert zu sein von schwerer Kost. Der spritzige Ton des Autorenduos vertreibt alle Scheu und trifft dabei mehr als einmal genau auf den Punkt.

 

Wer mehr weiß, der sieht auch mehr

Reiter und Schleider schreiben ihre Kapitel immer nach dem gleichen Schema: Auf einen allgemeinen Teil folgt kurz und bündig die Geschichte des Genres und schließlich die Top Ten der Kategorie. So kann man jederzeit spicken, wenn man mal mit seinem neu erworbenen Wissen prahlen will, aber doch noch nicht ganz sicher ist. Oft versucht das Buch, Tipps für einen Besuch im Museum etc. zu geben – manchmal sind es brauchbare Hinweise, manchmal eher nicht.

 

Macht aber nichts, denn es ist insgesamt ein rundum stimmiger Ratgeber. Wäre doch schade, wenn das Spannende an Kultur für die großen Masse verschlossen bleibt – noch etwas, das beim Lesen als Quintessenz herauskommt: Kunst ist überall um uns herum, doch wer sie nicht versteht, kann sie nicht sehen. Ein Jammer!

 

Kultur für Banausen – ein charmanter Rettungsring für Kulturbanausen in Not.

 

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