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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 15:59

Christian Ertl: Macht`s den Krach leiser!

11.02.2011

Nie mehr Angst vor Städtereisen

Unaufhaltsam nähert sich der Frühling und damit steigt auch die Reiselust. Warum die Saison nicht mit einem kulturellen Stadttrip beginnen? Ein wenig Kultur hat doch noch nie geschadet. Und schon geht der Ärger los. Museum vs. Stadion, Kaffeehaus vs. Kneipe, Windowshopping vs. local Recordstore. Das stellt selbst eine gefestigte Beziehung auf die harte Probe. Vielleicht hilft beim Konfliktmanagement Christian Ertl mit seinem etwas anderen Stadtführer Macht's den Krach leiser! Popkultur in München von 1945 bis heute. DAVID EISERT hat sich damit mal auf den Weg gemacht.

 

Ertl, Jahrgang 1960, gebürtiger Oberpfälzer, Münchenkenner, Szenebeobachter sowie Musik-, Käse- und Bierliebhaber schlägt in seinem ersten Buch eine Brücke zwischen der Entwicklung der Nachkriegspopkultur  und der urbanen Ausbildung der bayerischen Landeshauptstadt. Das Büchlein ist dem Stil bekannter Reiseführer nachempfunden und beschreibt Spaziergänge durch einzelne Stadtteile zu deren musikalischen Sehenswürdigkeiten.

 

Es geht vorbei an längst geschlossenen Tanzlokalen, Bürogebäuden gewichenen besetzten Häusern und bis zur Leblosigkeit durchgestylten Lounges, wo früher Bierdunst dampfende Kneipen waren. Aber auch zu den Plätze des Hier und Jetzt, denn nichts ist vergangener wie das Gestern. Dazu gibt er Tipps, Anekdoten und Wissenswertes. 

 

Es lebe der Unterschied!

Was in der Beschreibung vielleicht etwas dröge klingt ist ein sehr unterhaltsamer und gut recherchierter Abriss Münchner Musikgeschichte, mit dem Schwerpunkt auf U-Musik. Ertl ist ein wirklicher Kenner der Materie, seine Plattensammlung muss beeindruckend sein. Keine Berührungsängste mit den unterschiedlichen Spielarten. Mit unglaublicher Akribie hebt er längst verloren geglaubte Perlen, Schmankerl und Schätze.

 

Angefangen von den Jazzclubs der Besatzer in den Nachkriegsjahren über die studentenbewegte Zeit in Schwabing, die üppige Discopracht der 80er im Glockenbach und die neuzeitliche Verkümmerung der Szene. Tatsächlich, in München gab es auch mal musikalische Epizentren mit dazugehörigen Clubs, die weit über die Stadtgrenzen bekannt waren. Klar, mit der Bedeutung eines Starclub in Hamburg konnte man nie mithalten und auch hat man keine Musikschulform nach München benannt. Aber es gab Zeiten, in denen sich Künstler ohne allzu große Sorgen in der Stadt tummeln konnten - was dem kreativen Output der Szene gut getan hat. Leider wird heute jeder Schuppen, in dem mal ’ne Gitarre oder eine Staffelei geparkt war im Gentrifizierungswahn luxussaniert und für Fantasiesummen an halbglatzige Osnabrücker Ollis verscherbelt. Die faseln dann was von wegen In-Viertel, drohen aber jedem Kneipenbesucher mit Platzverbot, der auf dem Heimweg lauter redet als Hunde, die tot über Ostwestfalens Zäunen hängen.  

 

Ois Texas - Hausmoasda

Musikaffin sollte man schon sein, eine Liebe zum Vinyl haben und gerne Bier trinken, dann hat man mit dem Buch richtig Spaß, ob Münchner oder nur zu Besuch. Und das mit dem »Bayern-Fan-Sein« lassen wir dem Autor mal als liebenswürdigen Spleen grad’ so durchgehen. 

 

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