Es lebe der Unterschied!
Was in der Beschreibung vielleicht etwas dröge klingt ist ein sehr unterhaltsamer und gut recherchierter Abriss Münchner Musikgeschichte, mit dem Schwerpunkt auf U-Musik. Ertl ist ein wirklicher Kenner der Materie, seine Plattensammlung muss beeindruckend sein. Keine Berührungsängste mit den unterschiedlichen Spielarten. Mit unglaublicher Akribie hebt er längst verloren geglaubte Perlen, Schmankerl und Schätze.
Angefangen von den Jazzclubs der Besatzer in den Nachkriegsjahren über die studentenbewegte Zeit in Schwabing, die üppige Discopracht der 80er im Glockenbach und die neuzeitliche Verkümmerung der Szene. Tatsächlich, in München gab es auch mal musikalische Epizentren mit dazugehörigen Clubs, die weit über die Stadtgrenzen bekannt waren. Klar, mit der Bedeutung eines Starclub in Hamburg konnte man nie mithalten und auch hat man keine Musikschulform nach München benannt. Aber es gab Zeiten, in denen sich Künstler ohne allzu große Sorgen in der Stadt tummeln konnten - was dem kreativen Output der Szene gut getan hat. Leider wird heute jeder Schuppen, in dem mal ’ne Gitarre oder eine Staffelei geparkt war im Gentrifizierungswahn luxussaniert und für Fantasiesummen an halbglatzige Osnabrücker Ollis verscherbelt. Die faseln dann was von wegen In-Viertel, drohen aber jedem Kneipenbesucher mit Platzverbot, der auf dem Heimweg lauter redet als Hunde, die tot über Ostwestfalens Zäunen hängen.