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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 11:22

Mike Jay: High Society

01.04.2011

Drogen nimmt doch jeder

Heute schon Tee getrunken? Kaffee? Zigarette geraucht? Gestern Abend Bier getrunken? Wein? Den letzten Rest Gras aus dem Holland-Urlaub aufgeraucht? Oder darf’s ein bisschen mehr sein? Mike Jay legt mit High Society. Eine Kulturgeschichte der Drogen einen klugen Rundumschlag quer durch die Welt des Rausches vor. Von JAN FISCHER

 

»Keine Gesellschaft dieser Welt kommt ohne Drogen aus«, ist der erste Satz von Mike Jays opulent illustrierter Drogenkulturgeschichte High Society, und dann geht es ab: von der Frühzeit und regionalen Bräuchen bis hin zum globalisierten Drogenhandel. Einmal quer durch die Geschichte, einmal rund um die Welt. Die Geschichte der Drogen, schreibt Mike Jay, ist hauptsächlich die Geschichte ihrer Dynamik innerhalb der Gesellschaft, ihrer Kommerzialisierung, ihrer Glorifizierung, ihrer Legalisierung, Illegalisierung und ihrer sozialen Anschlussfähigkeit innerhalb der Gesellschaft.

 

Warum ist Alkohol bei uns legal, und Marihuana nicht? Welche sozialen Prozesse liegen der Popularisierung und der – in neuerer Zeit – Verdammung des Rauchens zugrunde? Worauf gründet der Erfolg von MDMA? Die Antwort darauf muss in der Gesellschaft gesucht werden, der Begriff »Droge« selbst, die These vertritt Mike Jay, kann nicht medizinisch-chemisch definiert werden. Er muss aus der Gesellschaft, aus dem Gebrauch der Droge heraus definiert werden. Letztendlich aber, schreibt er, »macht nicht der Stoff das Gift – sondern die Dosis.«

 

Vollständiger Rundumschlag

Mike Jay hat sie gelesen, seine Theoretiker: Der Mann ist nicht nur irgendein abgehalfterter Späthippie, der sich gedacht hat, er schreibt mal ein bisschen was über Drogen. Jay ist Kulturwissenschaftler und DER führende britische Experte für Drogengeschichte und hat Bücher über Lachgas, Opium, Kokain quer durch die Geschichte im Portfolio. High Society ist damit eher die gebündelte Zusammenfassung seines Wissens.

 

Einerseits ein Rundumschlag, so vollständig, wie ein Rundumschlag in der Kürze eben sein kann, andererseits aber, und das ist es, was Jays Drogengeschichte von den unzähligen anderen Drogengeschichten unterscheidet, die es gibt, platzt sie nur so vor Empfehlungen zum Weiterlesen. Da gibt es die Querverweise im Text selbst, und es gibt einen akribisch zusammengestellten und nach Themengebieten sortierten Index, der nicht nur Theoretiker umfasst – Mike Jays Buch speist sich auch aus literarischen Quellen, wie Thomas de Quinceys Geständnisse eines englischen Opiumessers

 

Opulent illustriert

High Society ist vollgepackt mit durchdachten, nie glorifizierenden oder verdammenden Thesen zum Thema Drogen und ausgiebig recherchierter Geschichte wie den Verflechtungen des britischen Empires in den Opiumhandel und einem sozusagen überquellenden Index. Noch dazu ist es opulent illustriert – Plakate gegen und für Drogen, Drogenkunst, Buchcover, mittelalterliche Stiche und die Abbildung eines Portraits von Albert Hoffmann in »Löschpapiertechnik«. Kurz: Es stecken viele Gedanken und noch mehr Recherchen in High Society, was es wiederum zu einem Buch macht, das man jedem empfehlen müsste, der schonmal Drogen genommen hat. Also jedem. 

 

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