Kleiner Staat mit großen Problemen
Die Motive des nicht einmal Fünfzigjährigen für sein Resümee sind jedoch handfester, wie der Titel bereits verrät. Seit dem Zusammenbruch Afghanistans und des Irak und seit dem Abbruch des Nahost-Friedensprozesses durch Israel 2000 sind die Spannungen im Nahen Osten ins Unerträgliche gewachsen und – weniger bekannt – auch der »islamische« Terror in Jordanien. In dieser Situation fürchten die konservativen arabischen Regimes zunehmend um ihre Stellung (das Buch wurde vor den Aufständen in Tunesien und Ägypten beendet). Abdullah knüpft bei seinen Bemühungen um eine friedliche Lösung des Palästinaproblems, die den Hauptteil des Buches ausmachen, zudem an die jahrelangen Anstrengungen seines Vaters Husein an. Wie dieser sucht er den Schlüssel zum Nahostproblem in Washington – und nur dort (die EU wird kaum einmal erwähnt). Und wie sein Vater hat auch er unzählige Plädoyers vor den tauben Ohren der Clintons, Bushs und Obamas gehalten.
Dabei ist nicht zu übersehen, dass Abdullah persönliche Beziehungen zwischen Staatsmännern bei weitem überschätzt. Denn trotz bester privater Beziehungen zu den drei genannten Präsidenten ist er mit seinem nahöstlichen Anliegen keinen Fuß breit weiter gekommen. Politische Interessendivergenzen oder -identitäten nimmt er deutlich schwächer wahr, selbst wenn man berücksichtigt, dass das Buch für ein US-Publikum geschrieben ist (und in den USA lektoriert wurde), also Politik an sich schon personalisiert und Kritik an Politikern höheren Rangs meidet. Insofern ist ihm wohl der niedrige Stellenwert nicht klar, den eine gerechte Nahostfriedenslösung (nicht das Nahost-Problem selbst) für die US-Außenpolitik besitzt. Und auch nicht der niedrige Stellenwert des stets loyalen, aber eben auch politisch und wirtschaftlich abhängigen Kleinstaats Jordanien mit seiner Dynastie. Solche Unzulänglichkeiten des Staatsmanns Abdullah liegen nicht zuletzt in der fast rein militärischen Ausbildung begründet, die er genossen hat.
Behält man diese Einschränkungen im Auge, erwartet einen eine zumindest ungewöhnliche Lektüre. Es ist die Sicht des halb-autokratischen Monarchen eines bei uns wenig bekannten Landes, des letzten regierenden Sprosses der Profetenfamilie und frommen Mekkapilgers, der sich zusammen mit 500 muslimischen Rechtslehrern ehrlich um eine theologisch-juristisch begründete Absage an den islamistischen Terror bemüht hat. Es ist zugleich die Sicht eines durch und durch westlich denkenden Arabers, des Sohnes einer Engländerin, die seinen Vater auf dem Set von Lawrence of Arabia kennen gelernt hat, dessen Namen ein britisches Regiment trägt und der sich viel auf die Gründung einer Kopie seiner eigenen US-High School inklusive Schulkrawatten und Fahnenappell in der jordanischen Wüste zugute tut.
Die Wiedergabe arabischer Namen ist, bei ansonsten guter Übersetzung, völlig chaotisch (dsch, tsch und j für denselben Laut u.ä.)
