Frankie Chavez: Family Tree Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Kennzeichen T - 28.04.2012
Donnerstag, 24. Mai 2012 | 11:53

Interview mit Rigmor Gustafsson

16.10.2011

»Jazz ist Freiheit!«

Die schwedische Jazz-Sängerin und Grammy-Preisträgerin Rigmor Gustafsson war mit ihrem Trio zu Gast im Burghauser Jazzkeller. Sie präsentierte zum Auftakt ihrer Deutschland-Tour zusammen mit Jonas Holgersson (Drums), Christian Spering (Bass) und Daniel Karlsson (Piano) ein fulminantes Konzert. Danach sprach sie mit JÖRG ESCHENFELDER über ihr aktuelles Programm und die Bedeutung des Jazz für sie. Ihr Tenor: »Jazz macht mich zum Menschen.«

 

Wie würden Sie das Programm ihrer Deutschland-Tour beschreiben?

 

Es wird wohl von Abend zu Abend wechseln. Es ist eine Mischung aus meinen bisherigen acht CDs und der neuesten Compilation-CD. Diese CD und die Tour sind eine Mischung aus allem, was ich so mache. Es ist teilweise sehr traditionell, teilweise sehr frei und spontan. Es ist viel Spaß dabei.

Wie wählen Sie die Titel aus?

 

Das hängt von der Tagesform ab. Wir entscheiden jeden Abend neu, was wir machen. Daniel Karlsson ist neu in meiner Band. Ich denke bei der Auswahl der Stücke auch viel an ihn und denke mir: Oh, das könnte ihm liegen! Mit Jonas und Christian spiele ich schon sehr lange zusammen. Ich bin auch schon öfters mit Daniel aufgetreten. Aber es ist das erste Mal, dass er Teil meiner Band ist und wir zusammen auf Tour sind.

Was haben Sie in den vergangenen Jahren gemacht?


2008 habe ich den Grammy gewonnen. Danach habe ich sehr viel mit dem radio.string.quartet.vienna gearbeitet. Wir haben viele, viele Konzerte gegeben. Ich arbeite so viel wie immer.

Welche Pläne haben Sie nach der Deutschland-Tour?


Danach touren wir durch Schweden. Anschließend werde ich dort andere Sachen machen und nächstes Jahr auch eine neue CD aufnehmen, eventuell auch mit eigenen Stücken, wenn ich Zeit zum Schreiben habe. Und dann werde ich auch wieder mit dem String-Quartet unterwegs sein.

 

Fotos: Jörg Eschenfelder Fotos: Jörg Eschenfelder

»Schweden interessieren sich mehr für Sport und Computer«

Was bedeutet Jazz für Sie?


Freiheit. Daher mache ich Jazz. Ich habe die Freiheit zu improvisieren, wann immer ich möchte. Das bedeutet mir sehr viel.

Sie sind Schwedin. Sie haben in den USA gelebt und Sie stehen bei einem deutschen Label unter Vertrag. Gibt es Unterschiede zwischen den Ländern?


Die Unterschiede sind nicht so groß. Entscheidend ist vielmehr, ob wir in einer Konzerthalle spielen oder in einem Jazz-Club. Das ist ein größerer Unterschied. Ich mag Deutschland sehr gerne. Die Deutschen mögen Kultur und sind interessiert. Schweden ist auch schön. Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass da das Interesse nachlässt. Sie interessieren sich mehr für Sport und Computer. Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen neugierig sind. Selbst wenn sie mich nicht kennen, kommen sie in die Konzerte. Sie denken sich: Wer ist das? Kommt, lasst es uns herausfinden. In Schweden ist es umgekehrt: Wer ist das? Kenne ich nicht. Ok, dann bleibe ich daheim.


Das sieht man auch beim Nachwuchswettbewerb der Burghauser Jazzwoche. Da kommen viele, auch junge Zuhörer zum Konzert.


Fantastisch! Das ist gut. Ich habe extrem Glück gehabt. Ich habe ein gutes Label gefunden, bevor der Markt einbrach. Ich kann auf Tour gehen und meine Sachen machen. Inzwischen ist es leider so schwer geworden. Das ist so schade für die fantastischen Musiker, die es heute gibt. Das ist nicht fair. Meine Kollegen bekommen immer weniger Auftritte. Es ist hart.

Aber die Leute sind immer noch an Jazz interessiert?

 

Ich denke, deswegen wird Jazz auch überleben. Ich habe wirklich extremes Glück gehabt. Aber selbst wenn es mir nicht so gut ginge, ich würde immer noch Jazz machen. Ich würde immer noch singen. Ich muss das machen, um ein Mensch zu sein. Ich bin privilegiert und glücklich. Aber ich würde auf jeden Fall Jazz machen, weil es mein Leben besser macht.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Galgenmännchen auf Finnisch

Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...