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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:00

Interview mit Michael Beyer (Berliner Philharmoniker in Singapur - A Musical Journey in 3D)

10.11.2011

»Es war sehr viel Adrenalin in dieser Produktion.«

LIDA BACH traf Regisseur Michael Beyer, der mit seinem Konzertfilm in 3D filmisches Neuland betritt.

 

Ein Konzertfilm kann sehr statisch sein, während 3D für Action steht ...

 

Das war genau die Frage, die ich mir gestellt habe. Braucht man 3D für so was? 3D hat man bisher nur auf Effekte abgeklopft, wie man Technicolor am Anfang nur gedreht hat, um den Leuten schreiende Farben um die Ohren zu hauen. Wir haben es als Einladung gesehen; nicht, dass den Leuten ständig etwas in die Augen fällt, sondern dass man unterschiedliche Schichten wahrnimmt. Es wird ein Gimmick bleiben, wenn man es reduziert.

 

Sehen Sie darin die Relevanz: dass der Film etwas leistet, was das Konzert nicht kann?

 

Der Film überführt das in ein anderes Medium. Es kann ein Konzert nicht ersetzen, denn die Wahrnehmungsebenen sind unterschiedlich. Aber ich glaube, dass diese filmischen Möglichkeiten - im Orchester drin sein, mit Schnitt-Gegenschnitt arbeiten - zu einem intensiveren Musikerleben führen.

 

Liegt darin die Chance, das Nischengenre Klassikfilm einer größeren Zuschauerschaft zu öffnen?

 

Ich habe versucht, nicht die Berliner Philharmoniker für die 3D-Technik zu benutzen, sondern das Konzert in den Mittelpunkt gestellt. Ein Konzert hat für viele eine Hemmschwelle. Das Kino öffnet die Tür für Leute, die nicht oft ins Konzert gehen.

 

Was im Film als ein einziges Konzert erscheint, sind tatsächlich zwei.

 

Das ist im Fernsehen auch üblich. Wenn die Philharmoniker das Europakonzert spielen, live, haben sie es für die Kameras schon geprobt. Es hat eine Generalprobe gegeben und natürlich werden unter Umständen Sachen, wo es technische Probleme gab, aus der Generalprobe genommen. Das ist ein legitimer und üblicher Vorgang.

 

Empfinden Sie die Musikstücke als eher schwierig oder sind sie Ihnen besonders nahe?

 

Ich hab zu Rachmaninov eine enge Beziehung, weil ich ursprünglich Pianist bin, die Musik gespielt und geliebt habe. Mahler ist mir später begegnet. Mir gefällt der Reichtum an Orchesterfarben bei Mahler. Das Einbinden von Vogelstimmen, von fernen Klängen, wo er fast postmodern ist, seine ungewöhnlichen Instrumente, seine Schlagzeug-Effekte, die gerade für die Kamera schön sind.

 

Was war für Sie spannender: die Konzertsaal-Aufnahme oder die Straßenszenen?

 

 Ich war beim Stadtdreh viel entspannter, denn wir hatten den Konzertdreh schon im Kasten. Der Spaßfaktor war eindeutig höher. Der Aufregungsfaktor war im Konzert höher.

 

Man sieht fast nichts von den Schattenseiten der Stadt.

 

Bernd Helthaler hat gesagt, es ist faszinierend, wie in dieser Stadt Moderne und Tradition zusammenfließt. Es ist ein erstaunliches Miteinander unterschiedlicher Ethnien, die einander unglaublich respektvoll und fast liebevoll begegnen. Das Zusammenleben ist so, wie man es sich für den amerikanischen Süden wünscht. Da ist nichts von Diskriminierung und Ausgrenzung zu spüren. Gut, das ist keine echte Demokratie, sondern ein sehr autokratischer Staat. Ich habe nicht versucht Drogen mit reinzunehmen; die strenge Rechtsprechung ist mir daher erspart geblieben. Da Rachmaninov ein Russe war, der in Amerika lebte und schnelle Autos liebte, aber trotzdem dem zaristischen Russland hinterhertrauerte, fand ich Parallelen zwischen der Figur Rachmaninov und der Stadt.

 

Waren die Vorbereitungen schwieriger oder die Ausführung?

 

Die Vorbereitung! Da stelle ich mir als Pessimist alle möglichen Katastrophen vor und bin ein nervliches Wrack (lacht). Wenn ich in Produktion gehe, bin ich zu müde, um mich aufzuregen. Außerdem ist es nie so schlimm, wie ich es mir am Schreibtisch vorgestellt habe.

 

Hat die Arbeit Ihre Neugier auf 3D angestachelt oder vorerst gestillt?

 

In New York habe ich das Konzert zu 9/11 gemacht, mache in Los Angeles ein Projekt, das live in die Kinos übertragen wird; noch nicht geplant ist 3D. Ich würde mich aber freuen, wieder etwas zu machen. Jetzt bin ich kein nervliches Wrack mehr. All diese Geschichten, die wir unter Schmerzen gelernt haben.

 

Sie sprechen soviel von Schmerzen und Wrack, jetzt müssen Sie darüber auch ein bisschen erzählen!

 

Es gab einen Haufen Knackpunkte bei den Stadtdrehs. Da haben wir geblutet. Es waren Kameraleute dabei, die nie an einer 3D-Kamera gestanden haben. Ich brauche meine Kameraleute, die ein Gefühl für die Musik haben. Die haben natürlich nicht immer 3D-Erfahrung. Das waren viele unbekannte Faktoren. Es war sehr viel Adrenalin in dieser Produktion.

 

Wie ist die Gewinnspanne bei solch einem kostspieligen Nischenfilm?

 

Meine Erfahrung als Besucher? Das ist rappelvoll, nicht nur Alte, sondern auch Junge. Es gibt dieses Publikum für Klassik, Oper und Theater. Es ist ein Wachstumsmarkt.

 

Können Sie sich vorstellen eine Oper in 3D zu inszenieren?

 

Das ist noch immer sehr teuer. Wie die Etats für Kultur sind, brauche ich nicht zu erzählen. Um Schwertkämpfe und Flugsaurier in 3D zu drehen, wird immer genug Knete da sein. Pina Bausch oder die Berliner Philharmoniker oder Lohengrin wird erst einmal eine ökonomische Frage sein. Wenn die Technik schnell billig wird, wird es sicherlich Standard.

 

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