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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:08

TV-Serie: The Office (U.S.)

17.11.2011

Im Büro wird die Luft knapp

Die preisgekrönte Comedy-Serie The Office (U.S.), die auf demselben Original wie Stromberg basiert, verliert in der achten Staffel ihren Reiz. ALPER TURFAN liefert einen Überblick und versucht die stetig sinkende Qualität zu begründen.

 

The Office (U.S.) ist eine von vier Remakes der von Ricky Gervais und Stephen Merchant produzierten britischen Serie The Office (U.K.), die Porno-Parodie The Office – A XXX Parody nicht migezählt. Sie ist die mit Abstand erfolgreichste und stellt die Kollegen aus Frankreich, Deutschland und Kanada locker in den Schatten. Obwohl das englische Original von Kritikern mit Lob überhäuft wurde, beschlossen Gervais und Merchant, die Serie nach der zweiten Staffel zu beenden. Der us-amerikanische Ableger läuft nun seit 2005 auf NBC und hat in der achten Staffel mit sinkenden Einschaltquoten zu kämpfen. Von ihren Fans wird die Show für ihre liebenswürdigen Figuren und urkomischen One-Liner geliebt. Nicht umsonst hat sie bereits 20 Preise gewonnen, darunter drei Emmys und einen Golden Globe.

 

The Office wird im Stil einer Mockumentary inszeniert. Dabei wechseln sich Szenen aus dem alltäglichen Leben im Büro, Eskapaden außerhalb der Firma und Interviews mit den Figuren ab. Dass die fiktive Dokumentation innerhalb der Serie bereits seit acht Jahren gedreht wird, wird von der Figur Michael Scott (Steve Carell) passend kommentiert mit: »Will you guys let me know if this ever airs?«

 

Inspirierend

Seit dem Ende des Originals fungieren Ricky Gervais und Stephen Merchant als Produzenten der US-amerikanischen Version, die von Kritikern mit derselben Hochachtung geschätzt wird wie The Office (U.K.). Doch in Deutschland konnte sich keine der beiden Versionen durchsetzen. Wohingegen die überraschend schmerzlose Kopie Stromberg Kultstatus erreicht hat.

 

Als Stromberg anlief kam es jedoch schnell zu urheberrechtlichen Problemen. Die Produzenten von Brainpool und ProSieben gaben The Office nie als Quelle an, obwohl die Parallelen offensichtlich sind: Figuren sind zum Teil eins zu eins übernommen worden. Ein Armutszeugnis großen Medienausmaßes! BBC drohte mit einem juristischen Verfahren, der Streit konnte aber außergerichtlich geklärt werden. Seit der zweiten Staffel von Stromberg ist in den Credits der Zusatz »Inspired by the UK BBC series ›The Office‹ […]« zu sehen. Sehr wahrscheinlich hat eine finanzielle Einigung stattgefunden, die offiziell nie bestätigt wurde.

 

Was bisher geschah ...

Als Büroarbeiter kann man sich seine Kollegen nicht aussuchen. So ergeht es Jim Halpert (John Krasinski) in seinem Job als Verkäufer bei Dunder-Mifflin, einer kleinen Firma aus Scranton, die sich auf den Verkauf von Papier spezialisiert hat.

 

Sein Boss Michael Scott (Steve Carell) ist ein unreifer, taktloser, ständig in Fettnäpfchen tretender Nervtöter. Zum Überfluss ist Jims direkter Sitznachbar Dwight Schrute (Rainn Wilson), Topverkäufer der Firma und militanter Nerd, der über keinerlei soziale Kompetenz verfügt. Zwischen Jim und Dwight herrscht schon seit Jahren eine Rivalität, die vor allem durch Jims alltägliche Streiche aufrechterhalten wird.

 

Dabei wird er unterstüzt von der süßen, sarkastischen Rezeptionistin Pam Beesley (Jenna Fischer), in die er sich hoffnungslos verliebt. Doch Pam ist schon seit drei Jahren mit Roy Anderson (David Denman) verlobt, einem gemeinsamen Kollegen aus dem Warenlager.

 

Acht Jahre später...

…geht Dunder-Mifflin bankrott, einzig Michaels Abteilung wird von der großen Elektronikfirma Sabre aufgekauft und bleibt bestehen. Pam und Jim sind mittlerweile glücklich verheiratet, haben eine Tochter namens Cecilia und erwarten ein weiteres Kind. Sie arbeiten immer noch Seite an Seite für Dunder-Mifflin.

 

Michaels große Liebe und ehemalige Arbeitskollegin Holly Flax (Amy Ryan), mit der er in Season 5 seine einzige erfüllende Beziehung führte, kehrt nach Scranton zurück. Er schafft es ein weiteres Mal, ihr Herz zu erobern und macht ihr nur wenige Zeit später einen romantischen Heiratsantrag, den sie annimmt. Sie ziehen nach Colorado, was Steve Carells Abschied von der Serie bedeutet.

 

Michael wird ersetzt durch Deangelo Vickers (Will Ferrell), aber nicht wegen dessen Berufserfahrung, sondern weil er den Hund der Hauptgeschäftsführerin vor einem Kidnapping gerettet hat. Er ist ein ehemals fettleibiger Familienvater mit schlechtem Draht zu seinen Kindern, bei dem sich alle im Büro – mit Ausnahme von Dwight – einschleimen. Er hasst Skifahren, weil jeder Hobbyskifahrer, den er kennt, tot ist. Deangelo ist ein klassischer Phrasendrescher, der nach der Lüge, er könne slam-dunken (beim Basketball), von Jim aufgefordert wird, es zu beweisen. Dabei verletzt er sich schwer, landet im Koma und zwingt Dunder-Mifflin, einen neuen Manager zu suchen.

 

Ein Bewerber für den Posten ist der eloquente, manipulative und einschüchternd-selbstbewusste Robert California (James Spader). Er soll Michaels und Deangelos Nachfolger werden. Doch Robert fährt stattdessen nach Florida und überredet die Firmenchefin von Sabre, Jo Bennett (Cathy Bates), ihm ihren Job zu überlassen. Die Wahl fällt letztendlich auf den gutherzigen, aber unsicheren  Andy Bernard (Ed Helms), der schon seit Season 3 im Büro von Dunder-Mifflin arbeitet.

 

Steve Carells Abschied

Michael Scott war vor seinem Job als Boss der beste Verkäufer, den Dunder-Mifflin je hatte und wurde in eine führende Managerposition befördert, für die er aufgrund seiner Faulheit und seiner mangelnden Fachkenntnisse nicht geeignet zu sein scheint. Doch wegen seines persönlichen Interesses am Wohlergehen seiner Mitarbeiter und der Firma, schafft es seine Abteilung als einzige für Dunder-Mifflin schwarze Zahlen zu schreiben.

 

Steve Carrells Abschied war ein großer Wendepunkt für The Office. Die Serie lebte von seiner schrulligen  Art, seinen Abenteuern, One-Linern und Fettnäpfchen. Michael Scott ist ein Boss, über den man sich in Season 1 noch wundert, wie er es schafft, seine Untergebenen nicht dazu zu bringen, ihm einen Dolch in die Brust zu rammen. Doch im Laufe der nächsten beiden Staffeln schließt man ihn für seine Gutmütigkeit ins Herz.

 

Das Loch, das Carell hinterließ, war immens. So stellte er die Autoren vor die schwierige Aufgabe, einen würdigen Nachfolger zu finden. Als in Episode 20 der siebten Staffel Will Ferrell vor die Kamera trat, war ich voller Vorfreude. Leider wurde schnell klar, dass Will Ferrells Figur Deangelo Vickers zu ambivalent und gestaltlos ist und über zu wenig humoristisches Potential verfügt, um die Serie an sich zu binden. Deshalb können Fans der Serie aufatmen, dass der sonst sympathische und urkomische Will Ferrell kein Interesse daran hatte, länger als geplant für The Office zu arbeiten.

 

So trafen die Autoren dann die gute Entscheidung, Andy Bernard zum neuen Manager zu ernennen. Andy nimmt Michaels Platz tadellos ein und hinkt in puncto Sympathie und Tollpatschigkeit zu keinem Zeitpunkt hinterdrein.  

 

Das Problem der Problemlosigkeit

Doch auf der anderen Seite leidet die Serie an einem großen Problem: Sie schafft es zwar immer noch mit guten Gags zu unterhalten, doch ihr fehlen wichtige Konflikte.

 

Als die Serie anfing, war Jim der Sympathieträger, an dessen auswegloser Situation man Anteil nahm. Die große Frage war, ob und wie Pam und Jim zueinanderfinden. Die Nordamerikaner nennen das im fernsehspezifischen Jargon »will they or won’t they?« oder auch Unresolved Sexual Tension (UST). Die Handlung war in sich bedeutsam und nicht nur Transporteur für die vielen Witze. Dieses Interesse ist verschwunden. Jim und Pam teilen nun denselben Nachnamen, haben ein Kind und sind restlos glücklich. Dieser große Handlungsbogen ist abgeschlossen - und es ist in Staffel 8 kein neuer in Sicht.

 

Es scheint, als hätte die Charakterentwicklung von Jim und Pam für eine Comedy-Serie ihr Ende gefunden. Pam hat sich damit abgefunden, als Verkäuferin und Künstlerin versagt zu haben und fühlt sich in ihrer Mutterrolle wohl. Jim ist schon lange nicht mehr der Streiche spielende, witzige Eulenspiegel, sondern ein reifer, fürsorglicher Familienvater.

 

Doch zu welchem Mittel könnten die Autoren greifen, damit die Serie ihre Einschaltquoten wieder in die Höhe treibt? In der letzten Folge »Pams Replacement« (S8 E7, Stand: 15.11.2011) deutete sich bei Jim eine Krankheit an, an der man ansetzen könnte. Wobei es über den Weg schwierig wird, die Drama- und Comedyelemente in einem gesunden Verhältnis zu halten. Eine Figur, die Opfer eines tragischen Ereignisses wird, kann nicht durch Witze aufgeladen werden. Das Ausnutzen von Jims Krankheit wäre hier vermutlich der falsche Weg.

 

Die Autoren sollten sich auf jeden Fall so schnell wie möglich einen folgenübergreifenden Konflikt einfallen lassen, damit die Serie nicht ins Leere läuft und im achten Jahr ihr Ende findet. Warten wir also ab. Ich jedenfalls bleibe optimistisch und hoffe, dass das Loch wieder gefüllt wird. That’s what she said.

 

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hehe, classy Ende für den Artikel. Kann Dir in fast allen Punkten nur zustimmen eigentlich. Wobei ich finde, dass die Serie auch so gut funktioniert, weil das Ensemble einfach einmalig toll ist. Aber ja: Dieses romantische Geschichte zwischem Jim und Pam hat viel getragen und auch Michael Scott fehlt. Dennoch funktioniert die Serie noch ganz gut, WEIL einfach alle Charaktere super ausgearbeitet sind. Ich bin mir sicher, dass die Autoren (die ja zum Teil auch mitspielen) einen Weg finden werden. Übrigens finde ich Stromberg auch gut. Auch wenn die Grundidee natürlich geklaut war, aber es hat sich eigenständig genug entwickelt und dank der fantastischen Schreibe von Ralf Husmann und dem genialen Schauspiel von Christoph Maria Herbst verzeihe ich sogar, dass sie nicht "offiziell" waren von Anfang an. Der Vorteil an Stromberg ist halt, dass es sehr viele typisch-deutschen Büro-Sachen aufnimmt. Das ist zum Beispiel eine Adaption, die sich ohne Stromberg nicht tragen würde... Die Serie lebt viel stärker (wie die britische Version auch) von dem Arschloch-Chef.
| von Manu, 17.11.2011
Absolut, dem kann ich zustimmen. Dass die Serie an Qualität verliert und immer noch gut ist, liegt natürlich daran, dass sie gerade in den ersten Staffeln auf einem extrem hohen Niveau war :) Nichts desto trotz kann man sich von der Serie immer noch gut unterhalten lassen. Und Stromberg ist auf jeden Fall eine gute Serie. Sie hat sich in ihre eigene Richtung entwickelt. Genau so wie Michael Scott erst eine Kopie vom englischen Pendant David Brent werden sollte und dann aber eine ganz eigene Figur wurde, entwickelt sich auch Bernd Stromberg. Das Fremdschäm-Element ist in Stromberg viel größer und ist ein ganz besonderes Charakteristikum der deutschen Serie. Aber den deutschen Lesern den peinlichen Ursprung der Serie zu erklären, war mir schon wichtig. Im Prinzip hast du aber vollkommen Recht. Sag mal, du heißt nicht zufällig Lutz mit Nachnamen? :)
| von Alper Turfan, 17.11.2011
Na gut, ich habe gerade erfahren, dass du ein anderer Manu bist... Ich dachte du wärst ein Bekannter von mir, der den Link zum Artikel auf facebook gefunden hat :)
| von Alper Turfan, 17.11.2011

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