TV-Serie: New Girl
01.12.2011
Adorkable!
Nach mittlerweile sechs Episodes der bald auf ProSieben erscheinenden Erfolgsserie New Girl wird es für ALPER TURFAN Zeit, mit mixed feelings ein erstes Review zu schreiben. Allen Anti-Anglizismisten wird empfohlen, den Browser zu closen. Auch wenn das Wort Anglizismist in der Google-Suche fourhundredfourt. Whatever.
Jess (Zooey Deschanel) ist für ihre durchgeknallte, übersprudelnde und liebenswerte Persönlichkeit bekannt. Sie ist Grundschullehrerin und führt seit sechs Jahren eine harmonische Beziehung. Ihr Leben ändert sich jedoch schlagartig, als sie ihren Freund in flagranti beim Seitensprung ertappt. Sie packt ihre Koffer und zieht in eine Drei-Männer-WG, die sie über craigslist kennengelernt hat. Da wäre Winston (Lamorne Morris), ein arbeitsloser Ex-Basketballer; Schmidt (Max Greenfield), ein Möchtegern-Casanova und waschechter douche bag; und als letzter im Bunde der ruhige Nick (Jake Johnson), ein Barkeeper in seinen Dreißigern, der vor einigen Monaten von seiner großen Liebe verlassen wurde und noch immer darunter leidet. Diese Viererbeziehung ist die Grundsituation der Sitcom.
»We don´t want to be mean, we just don´t want you to be yourself... in any way.«
Ihr fragt euch vielleicht, warum ich derart auf Anglizismen eingehe. Ich möchte mich zunächst voller Ekel von Sprachvergewaltigungen wie Helpdesks, Fashion Shops, Kiss-and-Ride Parking Spaces und dem Großmeister des Schwachsinns, dem Deppenapostroph, distanzieren. Holunder von Blumentopf rappte einst: »Nennen [Sie] sich Service Manager im Chief Executive Office – und Sie werden sehen, dass Kaffeekochen doch ein Super-Job ist.« Von dieser »Anglizismen-machen-mich-cool«-Mentalität abgesehen, gibt es Wörter in der englischen Sprache, für die es im Deutschen keine adäquate Übersetzung gibt (und natürlich vice versa). In diesem Fall treffen erstaunlich viele auf New Girl zu und haben durch den Charakter der Show ihre Existenzberechtigung in meiner Kritik. Denn Jess ist überaus awkward, quirky und goofy, eben ein waschechter dork. Mit ihr steht und fällt die Show. Sicherlich ist Schmidts dümmliche Triebhaftigkeit eine Grundlage für weitere, bisher funktionierende Gags, aber Jess steht im Mittelpunkt. Wer also mit Zooey Deschanels Spiel und ihrer Figur nichts anfangen kann, wird die Show nicht mögen. Ihre Figur läuft allerdings Gefahr, nervig zu werden. Dass es für mich noch nicht passiert ist, betrachte ich als Meisterleistung Deschanels, die man aus Filmen wie (500) Days of Summer, The Good Girl, All The Real Girls und allen anderen Filmen, die das Wort Girl im Titel haben, als bezauberndes sweetheart kennt. Ihr wurde die Figur auf den Leib geschrieben und dementsprechend spielt sie diese auch..
»Live on a sparkly rainbow and drive a unicorn around«
Die Serie ist allerdings nicht nur sunshine und happiness sondern hat Verbesserungspotenzial. Bei all der Liebenswürdigkeit ist New Girl dürftig konstruiert. Hauptautorin ist die hierzulande recht unbekannte Elizabeth Meriwether, die das Drehbuch für die langweilige Schablonenkomödie Freundschaft Plus geschrieben hat. In New Girl wird eine Illusion von Beziehungsentwicklung geschaffen, ohne dass sie tatsächlich stattfindet. Mich interessierte Mitte der ersten Folge vor allem der Anfreundungsprozess, doch leider wurde dieser kaum ausgearbeitet. Eine kurze Chronologie der ersten Folge: Jess zieht ein, Jess nervt Jungs, Jess und Jungs sind Freunde. Diese Entwicklung hätte einen wunderbaren Handlungsrahmen für die gesamte erste Staffel geben können. Es ist zwar offensichtlich, dass es noch zu Reibereien kommen wird, aber für mich fühlt es sich so an, als wäre mir ein Stück Handlung gestohlen worden. Daher ist es für mich ein Rätsel, wie Meriwether auf der einen Seite Unsicherheiten im Schreiben der Plots aufweist und auf der anderen Seite ein derart gutes Gespür für präzise getimte Gags hat.
Mich ärgert zudem, dass die Figur Coach (Marlon Wayans Jr.) in der zweiten Folge dauerhaft vom nicht annähernd so unterhaltsamen Winston ersetzt werden musste. Coach ist ein Fitnesstrainer, der nie gelernt hat, mit Frauen umzugehen. So versucht er zum Beispiel die niedergeschmetterte, weinende Jess zu trösten, indem er sich vor sie setzt und mehrmals »Stop it!« ruft. Vielleicht wäre ein Nebeneinander beider Figuren die optimale Lösung gewesen.
»Did you just make up a theme song for yourself?«
Die Figuren sind typische Sitcomcharaktere. Schmidt (aka »Holy Schmidt« oder »Schmidt happens«) ist der Möchtegern-Casanova, der unter seiner Einfältigkeit und Arroganz ein gutes Herz zu haben scheint. Zwar variiert die Zahl der Eroberungen erheblich, aber den Typus des gutmütigen Womanizers kennt man bereits aus zahlreichen anderen Sitcoms: Zum Beispiel Joey (Friends), Charlie (Two and a Half Men), Cosmo Kramer (Seinfeld) oder etwa Sam Malone (Cheers). Winston hingegen ist etwas individueller. Als ehemaliger Basketballspieler steht er vor dem Problem, sich nun in die reale Berufswelt einzugliedern. Ich bin gespannt, inwieweit seine Figur noch ausgearbeitet wird.
Nick ist der coole thirtysomething guy. Zwischen Jess und ihm herrscht eine sich entwickelnde sexual tension, die im Laufe der Staffel sicherlich noch ausgebaut wird. Es ist offensichtlich, dass der männliche Zuschauer sich mit ihm identifizieren soll. Warum auch nicht? Mir ist er sympathisch.
Die drei Männer spielen unnachahmlich. Sie beleben ihre Figuren, die auf dem Papier etwas gestaltlos und klischeebehaftet wirken, mit viel Humor und Warmherzigkeit.
»I saw Nick´s pipi. And his bubbles.«
Die erste Staffel läuft seit dem 20. September auf FOX und wird uns 24 Folgen mit jeweils 22-minütiger Länge liefern. New Girl kann sich zudem über hohe Einschaltquoten freuen. ProSieben überrascht derweil mit einem Sofortimport und wird die Serie ab dem 11. Januar jeden Mittwoch um 21:15 Uhr ausstrahlen. Zwar muss sich die Sitcom handlungstechnisch noch etwas verbessern, doch trotzdem ist sie sehenswert und schlichtweg hilarious. Ich vergebe 7 von 10 glitzernden Regenbögen.
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