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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:12

Day is Done - jetzt im Kino!

01.12.2011

Nach dem Signalton

Einer der außergewöhnlichsten deutschsprachigen Kinofilme dieses Jahres kommt aus der Schweiz. Realisiert wurde er von dem in Luzern geborenen und in Zürich lebenden Filmemacher Thomas Imbach, der seine mitunter avantgardistisch anmutende Experimentierfreude beibehielt, nachdem er von seinen Anfängen als Dokumentarfilmer (Well Done, 1994; Ghetto, 1997) zum Spielfilm wechselte (Happiness is a Warm Gun, 2001; Lenz, 2006). Von STEFAN VOLK

 

Mit seinem Forumsbeitrag Day Is Done kehrte Imbach nun nur scheinbar zu seinen Ursprüngen zurück. Der gesamte, fast zweistündige Film basiert auf dokumentarischem Material. Auf der Tonspur versammelt er weitgehend chronologisch geordnete Mitschnitte des Anrufbeantworters in Imbachs Zürcher Atelier. Über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren hat Imbach zwischen 1988 und 2003 die Nachrichten, die ihm dort von Kollegen, Freunden, Familienmitgliedern, seiner Partnerin und später seinem Sohn hinterlassen wurden, archiviert. Zunächst nur mit dem vagen Gespür, dass sich daraus vielleicht irgendwann einmal etwas machen ließe. Jetzt erzählen sie eine umfangreiche Lebensgeschichte von beruflichen Erfolgen und Rückschlägen, vor allem aber vom privaten Glück, von Liebe, Trauer und Tod.

 

Die Partnerin und Mutter des gemeinsamen Sohnes fühlt sich alleine und im Stich gelassen. Anruf für Anruf klingt sie desillusionierter, frustrierter. Dass diese Beziehung keine Zukunft mehr hat, ist bald nicht mehr zu überhören. Besonders aufwühlend aber sind die Anrufe des Vaters, der immer im gleichen liebevoll-zärtlichen Tonfall mit seinem abwesenden Sohn spricht, egal, ob er über seine Urlaubserlebnisse berichtet oder von seiner Krebserkrankung, der Chemotherapie, den Tumoren. Bis am selben Telefon, auf demselben AB nur noch über ihn gesprochen wird, über seinen Tod, sein Begräbnis. Intimere Zeugnisse eines Lebens sind kaum vorstellbar.

 

Dennoch verwahrt sich Imbach entschieden dagegen, »T.«, den Protagonisten seines Filmes, mit ihm selbst gleichzusetzen. Day Is Done will keine Autobiografie sein, sondern im Gegenteil aus biografischem, dokumentarischem, »lebendigem« Material eine Kunstfigur erschaffen. Die Fiktion steckt bereits im Konzept, das nur die Anrufe sammelt, die von Imbach nicht beantwortet wurden und dadurch »T.« als negative Spiegelfigur aus den unerfüllten Wünschen und Erwartungen anderer entstehen lässt. Auf diese Weise gibt sich Imbach als »T.« unerbittlich preis und entzieht sich zugleich.

 

Wie einen Soundtrack aus Bildern legt der Regisseur Filmaufnahmen über die narrative Tonebene, die seit 1994 und verstärkt ab 2008 aus seinem Atelier heraus entstanden sind. Zeitlupe und Zeitraffer, die Imbach bereits bei der Aufnahme an der Kamera einstellte, verfremden den Blick auf eine Baustelle, einen gläsernen Tower, der sich in die Höhe schraubt, Wolken, Flugzeuge, den Fabrikhof, auf dem Kinder spielen, Autos brennen und über den immer wieder und wieder dieselbe junge Frau schreitet, um die Post zu holen.

 

Authentisches Material und träumerischer Blick werden in Day Is Done auf poetische Weise zu Impressionen eines fiktionalisierten Lebens verdichtet, das auf eine Wahrhaftigkeit abzielt, die über Einzelbiografien hinausreicht. Wahrheit um Wahrheit addiert, das lehrt der anspruchsvolle, anstrengende, lyrische, kraftvolle, intensive, mitunter etwas langatmige Film ganz nebenbei auch, kann in der Summe strenggenommen auch eine Lüge ergeben. Oder wie im Fall von Day Is Done künstlerisch verstanden eine andere, allgemeinere Form von Wahrheit.

 

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