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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:13

Interview mit Jazzsaxofonist Johannes Enders

01.12.2011

Manchmal hebt er ab

Johannes Enders gilt in Jazzkreisen als einer der wichtigsten Saxophonisten. Er erhielt schon zahlreiche Preise und überschwängliches Lob seitens der Kritik. Johannes Enders schreibt für Film und Fernsehen, unterrichtet in Leipzig an der Hochschule für Musik, komponiert, arrangiert und experimentiert im Studio. Doch am liebsten ist ihm der Live-Auftritt: sei es im Trio oder in seiner großen Formation Enders Room. Kürzlich war er mit ihr zu Gast im Burghauser Jazzkeller und hatte nach seinem Konzert noch Luft für ein Interview. Von JÖRG ESCHENFELDER

 

Wie würdest du deine Musik beschreiben?

 

Johannes Enders: (zögert) Sie ist eine Momentaufnahme. Sie zeigt, wie ich die Welt sehe oder gerne sehen würde. Sie ist eine Blaupause unserer Zeit. In meiner Musik sind all die Einflüsse, die ich in den vergangenen 30 Jahren aufgesaugt habe … (Johannes Enders sucht nach Worten.) Das ist schwierig zu beschreiben. Deswegen mache ich ja Musik, damit ich das nicht erklären muss.

 

Welchen Stellenwert hat Enders Room in deinem Schaffen?

 

Die Musik ist ursprünglich im Studio entstanden. Ich hatte vor 15 Jahren keinen Bock mehr, auf Tour zu gehen. Damals habe ich mich total zurückgezogen und angefangen, mit Computer zu arbeiten. Ich wollte Musik machen, aber niemanden sehen. Und so habe ich angefangen, im eigenen Studio Musik zu machen. Das fand ich äußerst angenehm. Ich konnte mir Zeit lassen und musste nicht ständig auf die Uhr sehen. Ich war für mich. Mit der Zeit habe ich die verschiedenen Instrumente aufgenommen und auch gesungen. Etwas, was ich mir sonst nie zugetraut hätte. Das hat wahnsinnig Spaß gemacht – und am Ende ist dann vor zehn Jahren die erste Platte von Enders Room entstanden. Enders Room ist mein Alter Ego.

 

Du stammst aus Weilheim, hast dann in Graz und New York Jazz-Saxophon studiert, bist dann aber wieder nach Weilheim zurückgekehrt. Warum?

 

Ich bin wahnsinnig naturverbunden und immer heimatverbundener. Ich brauche die Berge. Immer wenn ich unterwegs war und heimkomme, gehe ich erst einmal ein paar Tage an den See oder auf die Berge. Die Natur kalibrierte mich dann immer wieder. Ich bin kein Stadtmensch. Ich brauche das nicht.


Warum machst du Jazz?

 

Jazz ist die absolute Freiheit, sich auszudrücken. Es ist wahnsinnig direkt. Wenn man zum Beispiel Pop spielt, ist der Rahmen wahnsinnig eng gesteckt. Da sind die Abläufe immer gleich. Es gibt vielleicht mal 16 Takte Solo, das war es aber schon. Im Jazz ist das viel freier. Das hat mich an dieser Musik immer fasziniert.

 

Spielst du deshalb vor allem eigene Kompositionen?

 

Es macht einfach am meisten Spaß, die eigenen Stücke zu spielen. Da fühle ich mich freier und authentischer.

 

Sind bei Enders Room, auch weil die Musik zuerst im Studio entsteht, die Stücke eher durchkomponiert?

 

Ja. Bei meinem Trio habe ich noch mehr Freiheiten. Bei Enders Room stehen immerhin sechs Musiker auf der Bühne. Da ist es mehr Teamarbeit, so als ob man gemeinsam ein Schiff durch das Gewässer manövriert. Und manchmal hebt es dann einfach ab …

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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