TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:19

Tom Wait´s Jukebox

08.12.2011

Der Erbe von Jack Kerouac und Captain Beefheart

Pop ist eine polytheistische Religion. Sie hat viele Götter. Tom Waits ist mit Sicherheit einer davon. Wie er sich auf dem Olymp mit Elvis Presley und John Lennon, mit Bob Dylan und Janis Joplin, mit Frank Zappa und Patti Smith verträgt, wissen wir nicht, aber dass er dort residiert, steht fest. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Tom Wait's Jukebox ist nicht, wie der Serientitel suggeriert, eine Sammlung von Lieblingssongs des Musikers, Dichters und Sängers, sondern ein Film von knapp zweieinhalb Stunden Länge über die literarischen, musikalischen und stilistischen Einflüsse, die ihn geformt haben. Das reicht von Jack Kerouac und Charles Bukowski bis zu Hoagy Carmichael, Captain Beefheart, Keith Richards, Kurt Weill und den bei uns wenig bekannten Ken Nordine und Harry Partch. Die Dokumentation ist formal schlicht und schematisch. Es handelt sich um eine Folge von Interviews, die durch kurze Beispiele illustriert werden, wobei die Macher ihrem amerikanischen Publikum offenbar keine Sekunde ohne Bewegung mehr zumuten wollen. Wenn Fotos gezeigt werden, dann müssen sie von einem idiotischen Lichtspiel überdeckt werden. Da äußert sich eine Unterhaltungsästhetik, gegen die Tom Waits mit seinem Werk ankämpft.

 

Da stets Spezialisten der einzelnen Persönlichkeiten befragt werden, neigen sie dazu, deren Bedeutung für Tom Waits herauszustreichen und womöglich zu überschätzen. So wird die Verwendung des Marimbaphons einerseits dem Einfluss von Captain Beefheart, andererseits jenem von Harry Partch zugeschrieben. Und die Ausführungen über Brecht und Weills Dreigroschenoper unterschreiten das Niveau, das man bei Europäern voraussetzen darf. Sie zielen offenbar auf Zuschauer, die Brecht für ein Waschmittel halten. Trotzdem ist diese DVD ein unverzichtbares Dokument für alle Tom Waits-Fans sowieso, aber auch für all jene, die sich für die Geschichte der nordamerikanischen Gegenkultur zwischen den vierziger Jahren und der Gegenwart interessieren. Denn nicht aus jedem, der diese gegen den Kommerz anrennende Musik und Literatur rezipierte, wurde ein Tom Waits, aber er befindet sich mit seinen Vorlieben durchaus innerhalb einer Strömung, die zahlreiche Generationskollegen geprägt hat. Man muss für diesen Film allerdings gut Englisch verstehen: es gibt keine Untertitelung. Irritierend, dass die Aussagen gegen Ende nicht lippensynchron sind.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Galgenmännchen auf Finnisch

Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...