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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:26

Der Comic-Jahresrückblick 2011

21.12.2011

10 + 5

Die Comic-Crew wünscht wunderschöne Festtage! Vor der Weihnachtspause gibt’s keine Kritiken, sondern gleich zwei Listen: eine mit den besten Neuerscheinungen, eine mit den besten Wiederveröffentlichungen des Jahres 2011. Von CHRISTOPH HAAS

 

Die 10 besten Neuerscheinungen 2011

1. Manuele Fior: 5.000 Kilometer in der Sekunde (Avant Verlag)

Eine Frau, zwei Männer, die Sehnsucht nach der Ferne und die Unmöglichkeit, der Heimat zu entkommen: Mit dieser Graphic Novel bestätigt Manuele Fior das große Talent, das er bereits in seiner Adaptation von Arthur Schnitzlers Fräulein Else bewiesen hat.

 

2. Baru: Hau die Bässe rein, Bruno! (Edition 52)

Eine Hommage an die französische Gangsterkomödie der Sechziger, außerordentlich dynamisch erzählt und gezeichnet, dazu mit einem Schuss aktueller Sozialkritik versehen.

 

3. Pierre Dragon/Frederik Peeters: RG – Verdeckter Einsatz in Paris 2: Bangkok – Belleville (Carlsen)

Keine Serienkiller, keine Top-Terroristen, sondern der Alltag des Verbrechens – wohl noch nie wurde Polizeiarbeit in einem Comic so realistisch gezeigt wie hier.

 

4. James Sturm: Markttag (Reprodukt)

Kann ein Comic schlüssig von ökonomischen Krisen und Umbrüchen erzählen? James Sturm beweist es mit dieser Geschichte eines Teppichwebers, der sich im Osteuropa der Zeit um 1900 plötzlich mit moderner Massenproduktion konfrontiert sieht.

 

5. Bastien Vivès: Polina (Reprodukt)

Der Geschmack von Chlor, Mit meinen Augen, Für das Imperium und jetzt Polina, die Geschichte einer Balletttänzerin – jeder Comic von Bastien Vivès ist ein Ereignis!

 

6. V.A.: Wednesday Comics (Panini)

Noch eine Hommage, diesmal an die farbigen, großformatigen Comic-Beilagen, die früher in den amerikanischen Zeitungen zu finden waren. So prachtvoll kommen Batman, Superman und die übrigen Helden des DC-Universums selten daher!

 

7. Sarah Glidden: Israel verstehen – in 60 Tagen oder weniger (Panini) / Joe Sacco: Gaza (Edition Moderne)

Zwei unterschiedliche Perspektiven auf den Nahostkonflikt, die einander perfekt ergänzen: Sarah Glidden schildert ihr problematisches Verhältnis zu Israel; Joe Sacco ergreift die Sache der Palästinenser.

 

8. David Mazzucchelli: Asterios Polyp (Eichborn)

Vor rund 25 Jahren war David Mazzucchelli das Wunderkind der amerikanischen Mainstream-Comics. Jetzt, mit rund 50, hat er seine erste Graphic Novel veröffentlicht. Das überambitionierte Szenario von Asterios Polyp hat seine Mängel, aber die Zeichnungen sind phantastisch.

 

9. Jean-Patrick Manchette/Jacques Tardi: Im Visier (Edition Moderne)

Mit seinen kalten, lakonischen Thrillern hat J.-P. Manchette in den Siebzigern den französischen Roman Noir revolutioniert. Jacques Tardis Adaptation von „Im Visier“ ist dem Original ebenbürtig, setzt aber auch eigene Akzente.

 

10. Jochen Schmidt/Line Hoven: Dudenbrooks – Geschichten aus dem Wörterbuch (Jacoby & Stuart)

Im Jahr 2007 hat Line Hoven mit ihrem tollen Debüt Liebe schaut weg Aufsehen erregt. Jetzt gibt es endlich wieder eine größere Arbeit von ihr.

 

Die 5 besten Wiederveröffentlichungen 2011

1. Howard Cruse: Stuck Rubber Baby (Cross Cult)

Der amerikanische Süden in den Sechzigern, das Coming Out eines jungen Mannes und die Kämpfe der Bürgerrechtsbewegung: Howard Cruses semiautobiographische Graphic Novel ist einer wichtigsten US-Comics der letzten 20 Jahre.

 

2. Yvan Delporte/Peyo: Die Schlümpfe (Toonfish)

Mehr als nur Kinderkram: Die ersten fünf, sechs Alben der Schlümpfe zählen zu den großen Klassikern der frankobelgischen Comics, auf einer Höhe mit Tim und Struppi, Spirou und Gaston.

 

3. Craig Thompson: Tagebuch einer Reise (Reprodukt)

Ein Reportage-Comic, ein Zwischendurch-Werk, das nicht den Anspruch der reichlich gehypten Graphic Novel Habibi besitzt, gerade daher aber sehr sympathisch ist.

 

4. Jijé: Jerry Spring Gesamtausgabe (Ehapa)

Joseph Gillain – alias Jijé – war der Lehrmeister von André Franquin und Jean Giraud. Diese Schwarzweiß-Ausgabe seiner klassischen Westernserie ist eine Augenweide!

 

5. Peyo: Johann und Pfiffikus Gesamtausgabe (Toonfish)

Mit den Schlümpfen ist Peyo weltberühmt geworden; zuvor zeichnete er diese humoristische Variation von Prinz Eisenherz – in der die Schlümpfe ihren ersten Auftritt hatten!

 

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