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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:30

Interview mit Paul Laverty (Und dann der Regen - MEX/SP/FR 2010)

12.01.2012

»Ich war echt besorgt!«

LIDA BACH im Interview mit Drehbuchautor Paul Laverty. Sein Spielfilm También la lluvia wurde auf der BERLINALE 2011 in der Sektion Panorama gezeigt und gewann dort den Publikumspreis. In die deutschen Kinos kam der Film am 29. Dezember letzten Jahres.

 

  Wann kamst Du auf die Idee verschiedene historische Ereignisse in einem Film zu verbinden?

 

 Das ist eine lange Geschichte. Tatsächlich habe ich die gesamte historische Geschichte zuerst als ein Drehbuch verfasst. Ich wurde von dem wundervollen Historiker Harold Zinn kontaktiert, dem Autor von The People´s History of the United States. Das ist in den Staaten ein Buchikone, die authentisch amerikanische Geschichte beschreibt. Er hatte Bread and Roses gesehen und fragte mich, ob ich interessiert sei eine vom ersten Kapitel inspirierte Geschichte zu schreiben. Ich liebte das Buch, daher fühlte ich eine Riesenverantwortung. Also arbeitete ich hart an der historischen Erzählung und das Script stand kurz davor, von HBO produziert zu werden, wurde aber aus welchem Grund auch immer nicht gemacht. Allerdings war ich immer besorgt eine Geschichte zu verfassen, die vor 500 Jahren spielte. Es gab vieles zu überwinden, weil es falsch und entrückt schien, nachdem die ganze Bevölkerung ausgelöscht worden war, die Sprache sich verändert hatte.

 

Ist das Sentiment, das in der historischen Erzählung auftritt, notwendig, damit das heutige Publikum sich darin wiederfindet?

 

 Du hast Recht, es war absichtlich. Geschichte kann auf dem Papier tot aussehen. Aber wenn man versteht, wenn man diese Frauen sieht, die sich weigern ihre eigenen Kinder zu ertränken, spielen wir mit dem Verständnis der menschlichen Psychologie. Der Regisseur weiß, dass dies in der Realität wirklich passiert ist. Dieses Frauen - sie können nicht einmal den Gedanken ertragen und dann denken die Zuschauer: Mein Gott, die Frauen, deren Kinder damals wirklich ertränkt und den Hunden vorgeworfen wurden!

 

Der Regisseur im Film ist sehr idealistisch bezüglich seines Films, muss aber kämpfen, diesen Idealismus aufrecht zu erhalten.

 

Filmemacher könne leicht von ihrem eigenen Größenwahn verschlungen werden. Glaubt man so fest daran, etwas zu erreichen, wenn alles gegen einen steht, kann es passieren, dass man vergisst, was tatsächlich um einen herum geschieht. Costa hingegen hat eine andere Perspektive: »Ich scheiß drauf, was gestern war und erst Recht, was vor 500 Jahren war.« Er ist ein Zyniker, er ist daran gewohnt, Dinge zu kaufen, aber jemand wie er braucht jemanden hinter sich, der daran glaubt, den Film hinzukriegen. Sogar zynische Charaktere, die sich nicht darum kümmern, was in anderen Ecken der Welt vor sich geht, werden neugierig auf Menschen, wenn sie ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Das reflektiert die Komplexität unseres menschlichen Wesens.

 

Warst Du so stark in den Dreh involviert wie bei der Arbeit mit Ken Loach?

 

Sehr ähnlich. Das erste, was ich tat, war, nach Bolivien zu gehen. Ich traf die Leute, die darin involviert waren, sprach mit ihnen, versuchte nachzufühlen, wie es gewesen war. Von Anfang wollte ich, dass sie sich einbezogen fühlen, denn es war ihre Geschichte. Sie waren fantastisch. Es war der einzige Grund, das wir den Film hinbekommen haben. Wir haben miteinander gesprochen, uns geeinigt, wie hoch die Leuten bezahlt werden. Jede Gemeinde entschied, was sie wollte.

 

Warst Du während der Dreharbeiten dort?

 

Ich war zum Teil dort. Das Problem war, dass ich bei Ken normalerweise beim gesamten Dreh dabei bin. Zehn Tage war ich da und ein paar Kleinigkeiten wurden geschnitten und geändert.

 

Hast Du den Film in Lateinamerika gezeigt?

 

Wir wollten den Film immer den Leuten wiederbringen, die ihn an erster Stelle gemacht haben. Darum haben wir ihn in Cochabamba gezeigt. Das war sehr schön. Es war mir wichtig, dass diese Leute, die ihn gemacht hatten, ihn liebten. Sie fühlten, dass er ihnen gehörte und waren unheimlich enthusiastisch.

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Iciar Bollain?

 

Das hier klingt wie eine Hollywood-Story. Nach Bread and Roses hat Iciar ein Buch über den Film geschrieben und wir beide wurden ein Paar. Daher wusste Iciar von dieser Odyssee, die lange Zeit ging. Schließlich kam der Punkt, an dem sie sich vorbereitet fühlte und tauchte darin ein. Sie hat großartige Arbeit geleistet, da es sehr schwierig war, diesen Film zu inszenieren. Für manche war es ein potentielles Desaster. Es hätte die Karrieren von einer Menge Leute versauen können. Darüber war ich echt besorgt. (lacht)

 

Im Film hat die Gewalt einen kathartischen Effekt, gerade auf die üblen Charaktere. Siehst Du Konflikt als etwas, das auch Gutes in den Schlechtesten hervorbringen kann?

 

Auseinandersetzungen tun das oft, denn Konflikt bedeutet, Entscheidungen zu treffen. Diejenigen, die auf die Straße gehen, ändern vielleicht etwas. Vielleicht wird ihnen auch der Kopf weggeknallt Unglücklicherweise denken die Menschen oft, dass sie Dinge nicht friedfertiger ändern können, weil sie mit Gewalt konfrontiert sind. So war es für die Bevölkerung in Cochabamba. Darum verdienen sie so ungeheuren Respekt.

 

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