Digitaler Appetithappen - Der Herr der Ringe: Krieg im Norden
17.01.2012
»If by my life or death I can protect you, I will.«
Endlich! Die Snowblind Studios sind zurück – und dazu mit einem Action-Rollenspiel, wie sie auf der PlayStation 2 geradezu legendär waren! Mit einem der größten fiktiven Universen im Rücken hackt and slayt man sich nun durch Mittelerde. RUDOLF INDERST riskierte einen flotten Dreier.
Auf Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden habe ich lange gewartet. Noch länger warte ich mit diesem Text. Ich wollte wirklich in diesem Spiel aufgehen, es ausführlich spielen, kurzum: dieselbe Anzahl von Stunden in das Spiel versenken, die ich auch in Titel wie Baldur's Gate: Dark Alliance oder Champions of Norrath steckte. Leider kam ich nur durch das erste Drittel im Splitscreen. Dann flog mein Spielpartner wieder zurück nach Mittelamerika, und ich steckte Zeit in den Online-Multiplayer. Beide Varianten steckten voller Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen.
Das vermochte im Übrigen auch die internationale Presse in dem Spiel erkennen, in dem Spielerinnen in Tolkiens erdachter Welt unterwegs sind und immer wieder auf die Figuren aus den Romanen und Filmen treffen und mit diesen interagieren. Der Publisher dazu: »Obwohl das Hauptaugenmerk aller lange auf der Reise des Einen Rings lag, wurde der Krieg gegen Mittelerde überall im Land ausgetragen. Der Krieg im Norden lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen integralen Bestandteil der Geschichte, der auf in der Trilogie sowie in den verschiedenen Zusatzbänden erwähnten Details basiert.« Und tatsächlich, obgleich die Masche leicht zu durchschauen ist, ist es doch beim ersten Mal irgendwie aufregend, auf die bekannten Charaktere zu stoßen und von diesen mit einer Agenda beauftragt zu werden – immersionssteigernd fürwahr.
Während Der Herr der Ringe schamlos Aussehen der Figuren an deren Charaktereigenschaften koppelt (Etienne Balibar lässt grüßen!) und Frauen oftmals als reine, schmückende Ornamente auftauchen (während Jackson eher die Rettung der Welt ironiefrei durch den gemeinen Kleinbürger mit Pfeife und offenen Kamin zelebriert), reduziert das Spiel die Welt Tolkiens auf eine Action-Einbahnstraße, in der es reichlich Beute zu machen gilt. Dass der Titel von einer gewissen grafischen Grobschlächtigkeit durchdrungen ist, kratzt Freunde des Franchise natürlich nicht, allerdings dürften diese, wenn auf die AI der Mitkämpferinnen zurückgeworfen, mehr weiße Haare als Gandalf bekommen. Diese ist taktisch wie strategisch leider fast durchgehend zweitklassig. Allerdings ist das nichts, was angesichts einer satten Zeitlupe zur rechten Zeit schwer wiegen würde.
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