Auf der Haut das Hakenkreuz
Marisas Clique hängt fast täglich an einem Badesee ab. Sie saufen, hören Hasslieder, tragen Mjöllnir-Anhänger und schlagen Ausländer. Jede wertvolle Szene wird mit der Handykamera festgehalten, um sie später auf YouTube zu posten. Kurzerhand werden zwei junge Asylanten vom »eigenen« See vertrieben, die sich jedoch zur Wehr setzen und den Seitenspiegel von Marisas Auto abschlagen. Wutentbrannt und mit dröhnendem Holocaust-Reloaded-Refrain verfolgt sie die Beiden und rammt sie auf ihrem Mofa. Tage später trifft sie einen der beiden Jugendlichen in dem Supermarkt, in dem sie arbeitet, wieder. Hier merkt man Marisa bereits ihre innere Zerrissenheit an. Zwischen Schuldgefühlen und Trotz hilft sie dem jungen Rasul (Sayed Ahmed Wasil Mrowat) etwas zu essen zu bekommen. Dass diese Handlung eine Menge Konsequenzen nach sich ziehen wird, ahnt sie in diesem Moment noch nicht. Denn Rasul will nach Schweden zu seinem Onkel und dafür braucht er Geld.
Der Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt findet mit seinem Film Kriegerin verschiedene Ansätze, sich diesem brisanten Thema, der Rechte Szene in Deutschland und vor allem in den Neuen Bundesländern, zu nähern. Lange Recherchen und ausgiebige Gespräche mit den Schauspielern haben die Figuren so echt werden lassen, so ambivalent und so greifbar. Aus zwei Richtungen zeigt der Film den Zugang zu diesen Gruppen, die nach außen geschlossen auftreten, doch innerlich jegliche Solidarität vermissen lassen. Einerseits mit Marisa, der Vollblut-Nazibraut, die lange dabei ist. Bei der sich jedoch durch ein zufälliges Ereignis ein Schalter umlegt, woraufhin sie beschließt, die Szene zu verlassen. Andererseits mit Svenja, der 15-Jährigen, die es Zuhause nicht mehr aushält, weil ihr Stiefvater sie erbarmungslos kontrolliert und ihre Mutter nur noch ein »Schatten« ist.
Der Film ist eine Gratwanderung geworden zwischen der Brutalität, dem Abstoßenden der Szene und der Faszination für die jugendliche Energie, die in Kriegerin zu genüge offenbart wird. Wenn die Clique durch einen Zug läuft, erst wahllos Passagiere anschreit, einem Jugendlichen seinen Döner ins Gesicht drückt und schließlich ein asiatisches Pärchen zusammenschlägt, fesseln und beängstigen die Bilder zugleich.