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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:42

Crush3D für Nintendo 3DS

31.01.2012

Eine Frage der Perspektive

Das kann gedreht und gewendet werden, wie es beliebt: In Crush3d kommt nur weiter, wer mehrdimensional denkt. VOLKER BONACKER hat auf der Suche nach dem Levelausgang Blöcke und Hindernisse verschoben und fordert, dass das Remake nun doch bitte die verdiente Würdigung erfahren möge.

 

Der Prototyp des formal gebildeten (Viel-)Spielers im Alter zwischen 25 und 35 Jahren ist ein komischer Kauz: Einerseits beständig Innovation fordernd und den Mainstream in seinem alljährlich erscheinenden Auswüchsen von Call of Duty bis Fifa unablässig kritisierend, greift er doch viel zu häufig nicht zum Neuartigen, wo es sich ihm darbietet. Während einzelnes davon den Sprung in die Popularität schafft, vergammelt vieles trotz wohlwollender Wertungen, ehe es den Grabbeltisch-Sonderangebots-Tod erleidet. Oder eine zweite Chance bekommt. Wie Crush.

 

Die Geschichte in Kurzform: Sega veröffentlicht den Puzzle-Plattformer Crush im Mai 2007 für die Playstation Portable und keine weiteren Systeme. Der ungewöhnliche Titel findet bei Kritikern Gefallen und steht beim goldenen Kalb der Branche, dem Bewertungs-Sammelportal Metacritic, mit 83 von 100 Punkten auf sicherem Grund. Nur die Verkäufe wollen dem keine Rechnung tragen. Bereits im August 2007 merkt der Produzent im Gespräch mit dem Magazin Gamasutra frustriert an: »It’s such a competitive industry and you always hope that review scores will always be matched with sales but that is not always the case and we end up with some rubbish title shifting millions and some brilliant pieces of entertainment sinking without a trace.«
Ein Schicksal, das auch Crush erleidet.

 

Kein Fingerpointing. Mangels PSP hat auch der TITEL-Rezensent bis vor wenigen Tagen noch nichts von Crush gehört. Ehe der Innovationsunwillen anderer kritisiert wird, sollte zunächst einmal vor dem eigenen Spieleregal gekehrt werden. Glücklicherweise bewahrt Sega uns vor allzu viel Selbstkritik und veröffentlicht das Spiel neu, dieses mal für Nintendos 3DS. Mit zwei großen Änderungen: Die Level sind nicht mehr in jenen düsteren Farben des Originals gehalten und kommen, den Fähigkeiten der Hardware entsprechend, in stereoskopischem 3D daher. Deshalb auch der neue Titel: Crush 3D.

 

Ansonsten alles beim Alten: Ziel des Spiels ist es, die Spielwelt mit Hilfe der »Crush«-Mechanik so zu verändern, dass zuvor unerreichbare Stellen in Reichweite gelangen. Denn dort liegen Murmeln, die zu sammeln Pflicht ist, so man den Level-Ausgang öffnen will. Nach Sichtung der Lage wählt der Spieler die Perspektive, aus der Danny (so der Name des Helden) betrachtet werden soll: Per Knopfdruck sieht man ihn von vorne, hinten, links, rechts oder oben. Wird »gecrushed«, stampft der in Bademantel gewandte Danny kurz auf, woraufhin sich die Spielwelt gemäß der zuvor gewählten Richtung wandelt. Ein Beispiel: Nach Auslösen des Crush-Mechanismus aus der Draufsicht saust er samt dem Grund, auf dem er steht, in die Höhe. Betrachtet man ihn dagegen von vorne und löst den Crush aus, rast er auf die Umgebung zu, die eben noch der Hintergrund war. Die Spielwelt wechselt dabei munter von der dritten in die zweite Dimension, was die Sache nochmals komplexer macht. Denn so wird Crush 3D plötzlich zum 2D-Plattformer oder Puzzler, der aus der Draufsicht gespielt wird – alte Gameboy-Tage lassen grüßen.

 

Das Spiel mit den Dimensionen und Perspektiven ist recht bald verinnerlicht und gewinnt durch das Hinzukommen von Hindernissen wie nicht-crushbaren Blöcken, Gegnern oder herumliegenden Objekten, die Danny verschieben muss, an Tiefgang. Was recht harmlos beginnt, entwickelt sich im Laufe der 40 Level zu einer unterhaltsamen Kopfnuss. Besonders für Spieler, die nicht nur die Murmeln, sondern auch noch die in jedem Level gut versteckten Extras auffinden wollen, um so neue Bademäntel als Belohnung freizuschalten. Genug zu tun und dank kurzer Level durchaus unterwegs-geeignet. Quasi ein Casual-Titel mit Anspruch. Es bleibt eine in steter Regelmäßigkeit auftauchende Hoffnung: Möge das Spiel die verdiente Würdigung nicht erneut nur in den Medien, sondern auch an den Kassen erfahren.

 

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07.06. Hannover, Musiktheater Bad
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