Die Umgangsformen sind roh und direkt, Einer trage des anderen Last orientiert sich am amerikanischen Gangsterfilm, die Ganoven treten folglich ganovenmäßig auf: Fred Hansen (Hans Löw), »Lackaffe im Armani-Anzug«, und Mirco Lewandowski (Gerdy Zint) sind heftig miese Typen. Und selbstverständlich fahren sie eine sündhaft teure Mercedeskarosse, weiß. Im Boxring sind sie aufgewachsen, das Prostituiertenmilieu ist ihre zweite Heimat, und sie setzen die Schwester des Opfers, Jessica Schulz (Maria Kwiatkowsky), eine verängstigte, abgemagerte junge Frau, massiv unter Druck. All das in Rostock, wo sonst – klischeegesättigt, dass es schmerzt.
Dieser Polizeiruf110 hat mal spannende Momente, die Ermittler ergänzen einander, wie Männer, die unter sich sind, einander ergänzen. Im Übrigen führt man uns vor, was für minderbemittelte Lebewesen die Nutten und die Gangster sind. Nein, amüsant ist das alles nicht und auch nicht unterhaltsam.
Der Film ist ein Ärgernis. Er zeigt eine einfältige und abstoßende Art, die Welt in Schwarz und Weiß zu denken (Buch: Eckhard Theophil, Regie: Christian von Castelberg). Wir erinnern uns, dass von Castelberg bereits bei Donna-Leon-Verfilmungen Regie führte, doch auch das kann er nicht. Donna Leons geistreiche, ironisch verspielte Romanvorlagen mutieren im deutschen Fernsehen zu armseligen Streifen, Rosamunde Pilcher in Sichtweite.
Gewiss, das Fernsehen bietet auch für niveaulose Filme hinreichend Raum. Doch solcher Schrott gehört nicht auf den Sonntagabend. Noch den Tukur-TATORT Das Dorf trennen Welten von diesem Polizeiruf 110. Ulrich Tukur war mutig, er riskierte etwas. Dass das dann nicht schnurrt, ist kein Beinbruch, das kommt vor. Aber dieser, der riskiert gar nichts, er mag nicht mal originell sein. So etwas gehört montags ins Programm, am besten weit nach Mitternacht!
Foto: NDR / Christine Schroeder