von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:48

Thomas Kriebaum: Kleiner Tod

22.02.2012

Memento Mori

Er ist höflich, zuverlässig und stets korrekt gekleidet – doch ein gern gesehner Gast ist er nicht. Der Protagonist in Thomas Kriebaums neuem Werk Kleiner Tod hat nun wirklich keinen leichten Job. SEBASTIAN DAHM hat ihn bei der Arbeit begleitet.

 

Auf das Leben folgt der Tod – auch bei Thomas Kriebaum. Nach Leben – Ein Leitfaden widmet sich der Österreicher nun dem Kleinen Tod. Der ist, wie Cover und Titel bereits verraten, nicht nur von eher geringer Körpergröße, nein, der Herr mit dem Knochenschädel kommt bei Kriebaum auch ganz ohne barockes Weltuntergangs-Pathos, Mähutensil und Kutte aus. Mit Hut, Anzug, Sonnenbrille – alles selbstverständlich in zeitlosem Schwarz – wird der Tod hier zum Außendienstler der makabren Art.

 

Makaber und minimalistisch

Die Grundidee des bei Luftschacht erschienenen Büchleins ist schnell auf den Punkt gebracht: Der Arbeitsalltag des Gevatters wird in kurzen Strips vor dem Leser ausgebreitet. Mit sardonisch-freundlichem Lächeln und sinistrer Höflichkeit sucht der kleine Knochenmann seine »Kunden« auf, die wiederum ganz unterschiedlich, aber selten erfreut auf den Gast reagieren. Gesprochen wird dabei so gut wie  nichts und wenn, dann in Piktogramm-Sprechblasen. Ein Minimalismus, der sich in der Bildsprache fortsetzt: Nur das Notwendigste packt Kriebaum in seine Bilder, die zudem wirken, als sei die Farbe aus ihnen herausgesaugt worden. Sie sind nicht einfach in schwarz-weiß gehalten, sondern von einem fahl-grauen Schimmer durchzogen, der an einen besonders ungemütlichen Novembertag erinnert.

 

Hintergründiger Humor

Man ahnt es schon: Hier werden die eher finsteren Gefilde der Komik betreten. Dabei ist es gerade die Reduktion, die den Cartoons ihren Biss verleiht und die knochentrockenen Pointen ins rechte Licht rückt. Dennoch lohnt es sich, die Bilder etwas genauer zu betrachten, da sich einige schräge Details erst beim zweiten Hinsehen offenbaren. Beständiger Quell des schwarzhumorigen Vergnügens ist dabei der Kleine Tod selbst, der trotz des latenten Hangs zur Boshaftigkeit irgendwie sympathisch wirkt. Ob Chirurg, Schauspielerin, oder »Selbsthilfegruppe zur Trauerbewältigung« – auch die renitentesten Kunden werden zuverlässig in Jenseits befördert.

 

Zugegeben: Jedermanns Sache sind die bösen Bildergeschichten sicher nicht. Wer sich aber von dem makabren Sujet nicht abschrecken lässt, wird mit einer wahren Perle des hintergründigen Humors belohnt. Mit stilistischer Raffinesse und visueller Kreativität sticht Kleiner Tod wohltuend aus der Welle an mittelmäßigen bis unkomischen Cartoonbänden heraus, die derzeit den Büchermarkt überschwemmt. Uneingeschränkt empfehlenswert!

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Galgenmännchen auf Finnisch

Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...