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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:49

Gefährten (War Horse) - jetzt im Kino!

16.02.2012

Große, kinoalte Sehnsüchte

Steven Spielbergs Gefährten ist episches Gefühlskino der alten Schule: kitschig, überwältigend, behäbig, bombastisch und je nach Geschmack zum Dahinschmelzen oder Rausrennen. Von STEFAN VOLK

 

Mein Gott, wie das schon klingt: ein Film über die Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Pferd, die sogar die Widrigkeiten des 1. Weltkrieges überwindet. Sentimentaler geht’s wohl kaum. Und vielleicht wäre das sogar Steven Spielberg, dem Altmeister des Kinopathos, eine Spur zu rührselig erschienen, hätte er nicht die Bühnenadaption von Michael Morpurgos Jugendroman War Horse (so auch der Originaltitel des Films) gesehen und erkannt, dass genau das der Stoff ist, aus dem früher einmal Kinoträume gestrickt waren. Und wer, wenn nicht Spielberg könnte den Versuch wagen, solche Schiwago-Zeiten noch einmal auf der Leinwand wiederzubeleben.

 

Gefährten ist »bigger-than-life«-Kino in einem längst überholten Sinne, ein bisschen wunderbarer, sinnvoller, magischer als der Alltag. Und trotzdem kein Kinderfilm. Gefährten entfaltet seine Kinomagie vielmehr gerade aus einem Elend heraus, auf den Spielberg einen durchaus nüchternen, erwachsenen Blick wirft.

 

Der erste Weltkrieg steht kurz bevor, als der englische Farmer Ted Naracott (Peter Mullan) auf einer Auktion ein Pferd ersteigert und sich dabei praktisch in den Ruin handelt, nur weil er unbedingt seinen Verpächter überbieten will. Teds Sohn Albert (Jeremy Irvine) liebt das edle Tier, das er Joey tauft, von Anfang an. Obwohl Joey alles andere als ein Ackergaul ist, bringt Albert ihm bei, den Pflug zu ziehen. Gemeinsam gelingt es den Gefährten, das Land zu bestellen.

 

Doch dann bricht der Krieg aus, Joey wird verkauft, und Spielberg folgt ihm zwischen die Fronten, begleitet von der epochalen Filmmusik John Williams’ (Indiana Jones, Star Wars) spannt er epische Landschaftsaufnahmen auf, stürzt sich ins Schlachtengetümmel oder streicht Joey mit einem sanften Kameraschwenk über die Flanke. Dass es für Joey überhaupt keinen Unterschied macht, auf welcher Seite der Front er sich gerade befindet, ist ein ebenso naives wie stimmiges Sinnbild des Krieges.

 

Gefährten ist ein Film der einfachen Wahrheiten, der großen, kinoalten Sehnsüchte; im Grunde ein Western, auch in der Art wie er moralische Werte mit einem gesetzlosen Umfeld konfrontiert; selbst wenn er in Europa spielt inmitten eines modernen Krieges. Als Albert schließlich selbst in den Krieg zieht, tut er dies auch in der Hoffnung, Joey wiederzufinden. Wer Spielbergs Filme kennt, ahnt, wohin das führt. Ach, was ist das kitschig! So altmodisch erzählt, so ruhig und breit, so ganz und gar Kino. Und ach, was ist das schön.

 

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