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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 12:51

Crippa/Mutti/Bussachhini: Nero Gesamtausgabe

22.02.2012

Konventionelle Krimikost

In der All in One-Reihe des Ehapa-Verlags sind die drei Bände der Krimireihe Nero als Gesamtausgabe erschienen. CHRISTIAN NEUBERT hat dem gleichnamigen Detektiv beim Ermitteln über die Schulter geschaut.

 

Giuliano Nero ist ein Detektiv, wie er im Buche (in jedem Buche?) steht: desillusioniert, abgehalftert, offener Hemdkragen, Kippe im Mundwinkel. Und er ist ein Meister seines Fachs. Er sieht stets genau hin, hört aufmerksam zu – und er versteht es, sich in den jeweiligen Täter hineinzuversetzen.

 

Im ersten Fall, Das fünfte Opfer, wird Nero im lombardischen Brescia darauf angesetzt, eine Mordserie aufzuklären, die von einem Täter begangen wurde, den man den "Totengräber" getauft hat. Ein psychopathischer Killer, der seine Opfer auf dem Friedhof tötet und die Wunden, die er ihnen dabei zugefügt hat, sorgfältig vernäht. Man begleitet Nero bei seiner Ermittlungsarbeit und dabei, wie er den Killer schließlich dingfest macht.

 

Doch der "Totengräber" kann bei einem Gefangenentransport entkommen, weswegen es Nero, den die Aufklärung des Falls traumatisiert zurückgelassen hat, in Archangelsk, dem zweiten Band der Reihe, in die Kälte Russlands verschlägt. Im letzten Band, Copy-Killer, ermittelt Nero, der inzwischen für eine Organisation arbeitet und dem eine Kollegin an die Seite gestellt wurde, in einer Mordserie, bei der die Vorgehensweise bereits verübter Morde kopiert wird.

 

Schon in Ordnung

Nero ist konventionelle Krimikost, die durchaus vielversprechend beginnt. Der erste Fall bietet dem Leser einen nachvollziehbaren Ermittlungsverlauf inklusive gelungenem Finale, wobei die Spuren, die zur Auflösung führen, geschickt in die Handlung eingewoben wurden – ohne sie dem Leser allzu sehr auf´s Auge zu drücken.

 

Der zweite Band konzentriert sich auf Neros Seelenleben, weswegen er weniger in einem Krimigewand als vielmehr in der Art eines Psychothrillers daherkommt. Leider werden einem die Einblicke in Neros Gedankenwelt etwas hölzern geschildert. Außerdem wirkt der Fall recht konstruiert, was insgesamt auf Kosten der Spannung geht. So bleibt dieser Band in Sachen Nervenkitzel ein Stück weit hinter dem ersten zurück, obwohl gerade hier versucht wurde, eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Im dritten Fall wird wieder klassische Ermittlungsarbeit geleistet, aber so richtig fesseln will einen hier kaum noch etwas. Dies ist zur Hauptsache dem Umstand geschuldet, dass der dritte Band wie an etwas drangekleistert wirkt, zu dem er eigentlich nicht gehört.

 

Die Bilder, mit denen die Krimireihe inszeniert ist, sind ein wenig wie die Erzählung, die sie illustrieren: Sie gehen auf alle Fälle klar, allerdings ohne besondere Innovationen erkennen zu lassen. Hervorzuheben sind jedoch die aquarellhaften Kolorierungen Bussachinis, die Muttis realistischen Figurenzeichnungen Leben einhauchen und das eine oder andere Landschaftspanorama wirklich gut aussehen lassen – letzteres gilt besonders für den dritten Band, also ausgerechnet dem, der inhaltlich am wenigsten überzeugen kann. Doch auch die Stationen Brescia und das russische Archangelsk sind schön eingefangen. Daneben war es eine gute Idee, die Panels in den Bänden 2 und 3 mit einem etwas feineren Strich als noch im ersten Band zu umranden, denn so wirken die Zeichnungen weniger statisch.

 

Für Fans des Genres

Insgesamt ist Nero also ein solider Crime-Comic mit Stärken und Schwächen. Kurzweilige Unterhaltung bietet er schon. Die schnell konsumierte Gesamtausgabe hat man allerdings auch schnell wieder vergessen, weswegen sie lediglich dem eingefleischten Krimifan empfohlen werden kann.

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