Drei Schatten, das Vorgängerwerk zu Pedrosas Autobio, konnte auf dem Comicfestival Angoulême im Jahre 2008 den Preis für das Beste Album für sich entscheiden. Und für sein neues Werk, das übrigens den Grünen von Vesoul gewidmet ist, hat man den Franzosen abermals mit einer Auszeichnung bedacht – dem Prix Tournesol, ein von den französischen Grünen seit 1987 ausgeschriebener Preis für besonderes Engagement in Umweltfragen und sozialen Belangen.
Biologisch abbaubar?
Entgegen den Erwartungen, die man als ökologisch engagierter oder auch komplett ignoranter Endverbraucher jenem Autor und dessen aktuellem Werk gegenüber haben könnte, hält man mit Pedrosas Autobio kein Produkt in den Händen, das auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt worden ist. Zu allem Überfluss bzw. glücklicherweise wurde auch auf einen mit Sicherheit stark das Grundwasser belastenden Vierfarbdruck nicht verzichtet. Entsprechend hübsch ist Pedrosas Bioschinken daher auch anzusehen. Man sieht es den stilisierten Charakteren an, dass der Franzose seine Brötchen unter anderem als Animationszeichner für die Disneyproduktionen Der Glöckner von Notre Dame und Herkules verdient hat. Wer das wesentlich umfangreichere Drei Schatten kennt, wird Pedrosas Zeichenstil sofort wieder erkennen, auch wenn die ausdrucksstarken Figuren diesmal ein wenig differenzierter ausfallen – obwohl oder gerade weil hier vornehmlich stereotypische Klischeefiguren dargestellt werden – und man das ganze hinterher wenig filigran in den Farbkessel getaucht hat, was dem optischen Gesamteindruck übrigens sehr gut zu Gesicht steht.
Autobiographisches und Automatismen
Aufgrund der mit persönlichen Details spielenden und kaum übertrieben wirkenden Erzählweise der Autobio fällt es einem nicht schwer, den Titel für bare Münze zu nehmen – die häppchenweise servierten Anekdoten aus dem Leben des Autors sind glaubwürdig und decken viele Bereiche des Alltag eines gemeinen Ökos ab. So sind Fragen nach der Wahl des richtigen Schulsystems für die Kleinen von Belang oder auch inwiefern der Einkauf auf dem Markt praktische Politik ist – und ob in der Debatte offen darüber abzustimmen ist, ob geheim abgestimmt werden soll. Pedrosa ist dabei klug (oder auch ehrlich) genug, sich an keiner Stelle allzu weit aus dem Fenster zu lehnen; er stilisiert sich nie als Ökomessias. Stattdessen stellt er sich selbstironisch als Moralist bloß, der ständig nach Ausreden und Rechtfertigungen für seine Fehltritte und Entgleisungen sucht. Eine Eigenschaft, die durchaus symptomatisch für Hardliner jeglicher Couleur ist, weswegen man den Titel des Comics auch auf andere Weise lesen kann – mit Autobio lässt uns Pedrosa nämlich nicht nur an einem Abschnitt seines Lebens teilhaben, er zeigt daneben auch die in ihrer Schrulligkeit meist liebenswerten Automatismen im oftmals doppelmoralischen Handeln von Bios auf.
Kurz – und leider recht schmerzlos
Autobio ist in lose verknüpfte, eine oder zwei Seiten umfassende Episoden aufgeteilt und macht aus diesem Grund hin und wieder einen ziemlich cartoonhaften Eindruck, was durch das zwischenzeitliche Aufbrechen einer herkömmlichen Panelstruktur noch verstärkt wird. Daher verwundert es auch nicht, dass es immer nur einzelne Bilder sind, aus denen Autobio seine starken Momente schöpft – diese sind allerdings eher spärlich gesät. Der Protagonist der Geschichte ist weder Rockstar noch Auftragskiller, er gehört keinem Milieu und keiner Berufsgruppe an, die gemeinhin dafür bekannt ist, besonders eventvoll oder dramenreich zu sein, weswegen der Autor seine Autobio als Komödie verkaufen will. Natürlich ist dies prinzipiell kein Manko. Pedrosa beweist subtilen Humor, und er hat es auch verstanden, sich selbst und die anderen Figuren des Werks charmant und witzig in Szene zu setzen. Doch abgesehen von einer guten Handvoll richtig gelungener Gags plätschern die kurzen Strips die meiste Zeit eher seicht und höhepunktarm vor sich hin. Obwohl man die Charaktere schnell lieb gewinnt, fehlt dem Werk über weite Strecken der Biss, um dem Leser mehr als ein gelegentliches Schmunzeln abzugewinnen und über die gesamte Albumlänge fesseln zu können. So ist Autobio eher ein Comic für zwischendurch und wird am besten so konsumiert, wie die ökologische Revolution marschiert – in kleinen Schritten.