Hal Fosters Mammutprojekt vom kampferprobten Prinzen feierte am 13.02.1937 seinen Einstand. An jenem denkwürdigen Datum wurde die erste Folge der Fortsetzungsreihe in der Wochenendausgabe der New York Times veröffentlicht. Bis 1978 sollten 1 787 weitere Seiten aus seiner Feder folgen. Dem Bocola Verlag dürfen nun all jene danken, die, weil sie später geboren wurden, die Entwicklung des Prinzen nicht parallel zu ihrem eigenen Heranwachsen verfolgen konnten. Zwar haben sich in der Vergangenheit diverse andere Verlage an einer Gesamtausgabe versucht, diese allerdings nie zu Ende geführt, zumindest nicht in der vorliegenden, bibliophilen Qualität, die der historischen Vorgabe endlich gerecht wird.
Rostfreier Edelstahl, fein geschliffen
Die Abenteuer von Prinz Eisenherz haben bis heute keinen Rost angesetzt; nicht umsonst steht der androgyne Prinz für den Abenteuercomic Pate – und für den nach ihm benannten Haarschnitt. Die episch angelegte Rittergeschichte will bei aller Detailfülle übrigens kein authentisches Abbild der Ära wiedergeben, in der sie spielt. Die eigentlich zur Zeit des sagenhaften König Artus, also dem 5. Jahrhundert, angelegte Story ist dem Interieur nach eher dem Mittelalter entlehnt; Kleidung, Waffen und Architektur entsprechen in etwa dem 12. Jahrhundert. Foster wusste zwar von diesen Widersprüchen, er wollte seinen Prinzen jedoch nicht in Felle gehüllt auftreten lassen und bediente sich bei seinen Schilderungen den Bildern, die durch die französische Hofdichtung während der Blüte der Rezeption der Artussage im 12. Jahrhundert vermittelt wurden.
Eine Besonderheit von Prinz Eisenherz ist, dass durchgängig auf die in Comics üblichen Sprechblasen verzichtet wird. Der Text ist den einzelnen Panels jeweils am unteren Rand nachgeordnet. Und weil die Saga als Fortsetzungsreihe konzipiert war, von der stets eine Seite pro Woche erschienen ist, wird jede neue Seite mit einer Zusammenfassung der letzten Ereignisse eröffnet, was dem fortlaufenden Lesegenuss zwar nicht unbedingt dienlich ist, aber auch nicht besonders stört.
Hauen und Stechen, Ranküne und Romantik
Im vorliegenden neunten Band wird zunächst die in Band 8 unvollendet gelassene Geschichte von der Verteidigung des Christentums, das sich durch heidnische Gottheiten bedroht sieht, zum Abschluss gebracht, bevor Eisenherz von seinem König nach Irland geschickt wird, wo er als Vermittler in Stammesfehden fungieren soll. Später unternimmt er an der Seite von Sir Gawain eine Reise nach Jerusalem, wo er die heiligen Stätten des Christentums besucht und sich in gefährlichen Auseinandersetzungen mit Arabern und Syrern bewährt, während seine Frau Aleta, die Königin der Nebelinseln, den Frieden in ihrer Heimat wiederherstellt.
Fosters Fähigkeit, den Verlauf seines Epos über Jahrzehnte hinweg zu konzipieren, das dem jeweiligen Ereignis der Geschichte angepasste Erzähltempo und der stimmungsvolle Wechsel von Schlachtengemälden, romantischen Eskapaden und humorvollen Einlagen machen Prinz Eisenherz zu einem lebendigen und spannenden Lesevergnügen. Doch neben Fosters Erzählkunst verdankt Prinz Eisenherz seine Beliebtheit nicht zuletzt der berechtigterweise viel gerühmten Zeichenkunst seines Autors. Die werkgetreue farbliche Umsetzung der Fortsetzungsreihe erschafft in den einzelnen Panels eine erstaunliche Tiefenwirkung, die insofern Zeugnis für Fosters herausragendes Können abliefert, als dieser bereits bei der Anfertigung der ausgesprochen feinen und detaillierten Schwarzweißzeichnungen die Wirkung der nachträglichen Kolorierung bedacht haben muss, um den entsprechenden Effekt räumlicher Tiefe zu erhalten.
Weil die Gesamtausgabe der historisch korrekten Seitennummerierung folgt, beginnt Band 9, der die Episoden der Jahrgänge 1953 und 1954 enthält, übrigens auf Seite 830 der Saga. Komplettiert wird der Band durch ein vierseitiges Vorwort seines Übersetzers.