Von den ernsten Westerncomics fallen einem spontan drei großartige frankobelgische Serien ein: Jerry Spring von Jijé, Leutnant Blueberry von Jean-Michel Charlier und Jean Giraud und Comanche aus der Feder Gregs und Hermanns. Während sich Jijé stärker an seinen eigenen Erfahrungen einer Amerikareise als an Filmklischees orientierte, sind bei Comanche und Leutnant Blueberry die Einflüsse der bewegten Bilder nicht von der Hand zu weisen. Gerade Blueberry nähert sich beispielsweise in der Episode Die vergessene Goldmine unübersehbar dem Italo-Western an. Der Rückgriff auf das Bild- und Figureninventar dieses Filmgenres hat sich in der Neunten Kunst seither etabliert – so auch in einem frankobelgischen Comic etwas jüngeren Datums. Mit Durango startete der Brüsseler Yves Swolfs 1981 in kompletter Eigenregie eine Serie, deren direkter Verweis auf einen Klassiker des Spaghettiwesterns deutlicher kaum sein könnte.
Ein Mann, eine Mauser
Zwar erinnert der Titelheld in seinen Gesichtszügen eher an den jungen Clint Eastwood als an Jean-Louis Trintignant in Sergio Corbuccis Leichen pflastern seinen Weg, Setting, Kleidung, Ehrenkodex und Waffe des Protagonisten sind aber direkt Corbuccis Todesballade aus dem Jahr 1968 entnommen. Im fünfzehnten Album bekommen es der wortkarge Durango und seine Mauser C96 mit dem südamerikanischen Kopfgeldjäger El Cobra zu tun. Während der verschwiegene Cowboy seinem Kodex gemäß niemals zuerst zieht, ist El Cobra recht vorschnell mit seinen Schießeisen. Seine Spur aus Blei kratzt Durango bei der Ehre. Obwohl er hinter dem gleichen Mann wie die argentinische Schlange her ist, nimmt er sein Ziel in Schutz und es mit dem Kopfgeldjäger auf. Im Showdown trifft Durango nicht nur auf einen würdigen Gegner, sondern auch auf dessen automatische 45er Colts, die den Protagonisten nicht aus der Ruhe, den Leser jedoch gehörig ins Schwitzen bringen.
Flach ist schwach
Nachdem die ersten 13 Alben der deutschen Ausgabe bei vier verschiedenen Verlagen publiziert wurden, ist Durango mittlerweile bei Kult Editionen angekommen. Diese nahmen sich 2006 zunächst des vierzehnten Bandes und dann der gesamten Serie an. Seit August 2008 bringen die Wuppertaler den Comic in einer Neuauflage als Hardcover heraus. Veränderungen gab es auch bei der Produktion. Seit Band 14 hält Thierry Girod den Zeichenstift in der Hand. Swolfs’ Bilder, deren Figuren- und Farbgestaltung stets als eine Hommage an Jijé und Co. verstanden werden musste, wurden so auf einen Schlag entstaubt. Die Serie wirkt nun zwar moderner, Girods einfarbige Hintergründe und detailarme Gesichter machen die Panels aber auch sehr flach. Nostalgikern des Genres und Fans von Yves Swolfs’ Zeichenstil sei daher abgeraten. Neueinsteigern kann El Cobra mit interessanten Schauplätzen und zwei markanten Hauptfiguren dennoch einen unterhaltsamen Spätwestern bieten.