Ross / Krueger / Sadowski u. a.: Project Superpowers
29.10.2009
Aus den Tiefen des Golden Age
Superman und Batman, die zugkräftigsten Superhelden der frühen Comic Book-Ära, hatten um 1940 viele weit weniger bekannte Kollegen. Deren Publikationsgeschichte war häufig schon vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu Ende, in dem sie immerhin eine Aufgabe hatten: die Nazis in Schach zu halten. Die meisten von ihnen gerieten rasch in Vergessenheit. Skurrile Charaktere wie The Fighting Yank, The Dynamic Man oder The Death-Defying Devil sind aber seit kurzem wieder interessant geworden – ihr Copyright ist nach mehr als 50 Jahren abgelaufen. Wie der Versuch ausschaut, die Helden als Project Superpowers wiederzubeleben, hat sich ANDREAS ALT angesehen.
Die klassischen Cover der Superheldenhefte aus den frühen 40er Jahren sind auf den Internetseiten amerikanischer Comichändler und Fans zu besichtigen. Sie strahlen nichts als pure Action und Naivität aus. Dahin scheint für die Autoren von Project Superpowers kein Weg zurückzuführen. Fighting Yank ist ein alter Mann, der in einen Morgenmantel gehüllt im Lehnstuhl sitzt, seinen „Beruf“ seit Jahrzehnten an den Nagel gehängt hat und nun unversehens mit etwas konfrontiert wird, das er in seiner aktiven Zeit nicht im Entferntesten gekannt haben dürfte: Schuld. Im Kampf gegen Adolf Hitler hatte er zahlreiche andere Superhelden geopfert, die er zusammen mit dem entfesselten Bösen in der Büchse der Pandora einfing. Nun kehren sie zurück, um ihn dafür zur Verantwortung zu ziehen. Die Kulisse bildet eine Parallelwelt, in der sich die USA inzwischen zu einem totalitären Staat gewandelt haben.
Belanglos bei aller Bedeutungsschwere
Die Geschichte von Alex Ross und Jim Krueger erhält einen gewaltigen philosophischen Überbau, angereichert mit religiös-esoterischen Motiven, und dahinter tritt das Superhelden-Spezifische völlig zurück. Vielleicht sollten die Genre-Klischees bewusst vermieden werden. Von den Kräften der Figuren erfährt man damit jedoch sehr wenig, geschweige denn von ihrer Entstehungsgeschichte, obwohl das Wissen darüber auch bei US-Lesern wohl kaum vorausgesetzt werden kann. Da die Helden gesichtslos bleiben und die Story sich bei aller Bedeutungsschwere eher belanglos liest, überschreitet das Projekt allzu oft die Grenze zum hohlen Pathos. Der beste Beleg dafür sind die Titel der ersten vier Ausgaben, die der deutsche Verlag in diesem Band versammelt hat: Wenn sie nicht aus der amerikanischen Nationalhymne oder aus dem Unabhängigkeitskrieg zitieren, muss zumindest ein Diktum von Literaturheroe Mark Twain herhalten.
Warum kehren die Superhelden zurück?
Ähnlich sieht es bei der Grafik aus. Alle Comics sind penibel gemalt – wie heute üblich freilich mit Computerunterstützung. Alex Ross, der in diesem Stil mit Marvels Maßstäbe gesetzt hat, steuert die Cover bei. Die Superhelden-Oldtimer wirken damit realistischer, aber werden als Charaktere auch so nicht lebendig. Der Leser wird das Gefühl nicht los, dass der grafische Aufwand vergeblich getrieben wird. Die Gesamtausstattung des Bandes ist dagegen lobenswert reichhaltig. In einem 22-seitigen Anhang werden Skizzen, Studien, Phasen der Kolorierung und Alternativ-Cover gezeigt. Über die hier noch einmal vorgestellten Superhelden erfährt man jedoch wiederum praktisch nichts, ebenso wenig wie in einem kurzen Vorwort zum Golden Age der Comic Books. Das Project Su-perpowers-Team hatte offenbar keine Idee, warum eigentlich es die antiquierte Superhelden-Garde wiederbelebt hat.
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