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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 13:04

Thomas Gilke: Leroy & Dexter

10.12.2009

Mikroskopisch groß

Der Avant-Verlag hat erneut Großes geleistet und sämtliche Strips der einzigen bekannten Helden des Nanokosmos, Leroy & Dexter, in einem ausgesprochen liebevoll editierten Büchlein versammelt. Großartig, findet CHRISTIAN NEUBERT

 

Die Abenteuer des wohl kleinsten Duos der Comicgeschichte konnte man hierzulande in den Jahren 2006 bis 2008 wöchentlich bei electrocomics.com verfolgen. Ihre Premiere feierten die beiden ungleichen Strichmännchen jedoch bereits in den Wirren des kalten Krieges – Leroy & Dexter waren, das verrät das Nachwort, ursprünglich die witzigen Helden in den Comicstrips eines russischen Jugendmagazins der späten Siebziger. Anfang der Achtziger gaben sich die inzwischen auf „Hämmerchen und Sichelchen“ umgetauften Nanokosmonauten dagegen eher systemtreu. Mittlerweile ist der eiserne Vorhang gefallen und das Magazin längst eingestellt worden, doch anno 2005 widerfuhr dem Comiczeichner Thomas Gilke ein kleines Wunder, als er die possierlichen Gestalten in einigen ausgelagerten Exemplaren jener Zeitschrift, auf die er über Umwege gestoßen ist, entdecken durfte – vielleicht nur reiner Zufall, für uns jedoch das reinste Vergnügen, denn Gilke hat nach dem Kollaps von Mütterchen Russland beschlossen, den beiden Kriegswaisen ein neues Zuhause zu geben und ihre schier unglaublichen Geschichten fortzuführen.

Immer das gleiche Prinzip, doch prinzipiell verschieden

Wer sich zunächst voreingenommen zeigt und zu erahnen glaubt, welchem Schema die Strips vom cholerischen, ewig schlaumeiernden Leroy und seinem gutmütig-kleingeistigen Gegenpart Dexter folgen, wird angenehm überrascht werden – das beliebte Buddy-Thema findet freilich in jedem beliebigen Medium mehr als genug Entsprechungen, ein Schema F zeichnet sich hier erfreulicherweise trotzdem nicht ab. Denn Gilke schafft Großes bei den Geschichten der nicht mal eine Haaresbreite messenden Kreaturen, sein Einfallsreichtum macht praktisch jede der insgesamt 111 Episoden zu einem erwähnenswerten Highlight. Natürlich ist der erzählerische Rahmen bei einer Seite pro Episode eng gestrickt und, was die Darstellung betrifft, auch immer gleich gesteckt, doch man kann oft nur staunen, wie variantenreich die zeichnerisch sehr einfachen Strips in ihrer graphischen Aufmachung sind; man verliert sich leicht und gern in den puristischen bis chaotischen, surrealen bis psychedelischen Farbenfluten von Gilkes Nanokosmos, der von Ideen geradezu überschäumt.

Endlose Weiten einer winzigen Welt

Bei ihren auf Atomebene stattfindenden Abenteuern sehen sich die beiden Protagonisten mit Freuden und Schrecken konfrontiert, die wir abgestumpften Menschen mit unserer grobschlächtigen Sinneswahrnehmung übersehen oder gar nicht erst erahnen können; was sich in den Weiten von Leroy & Dexters winziger Welt so alles abspielt, im Kleinen wie im Großen, hinterlässt bei uns daher fast zwangsläufig offene Münder. Die ungleichen Helden erklimmen die Abgründe eines menschlichen Fingerabdrucks, geraten an gierige Fresszellen, monströs erscheinende Mikroben und systemzersetzende freie Radikale, verketten eigenhändig DNA-Stränge und müssen erkennen, dass sogar von ihrem Nanokosmos eine Parallelwelt existiert. Dass sich der Lesegenuss auf die Dauer nicht verbraucht und die kurzen Strips nach und nach nicht zu Schenkelklopfern verkommen, ist neben Gilkes Gabe, in acht Panels manchmal erstaunlich vielschichtig und hintergründig zu werden, auch den Gastauftritten anderer Zeichner zuzurechnen, die einige Episoden der Serie beigesteuert haben. Und wer sich an Leroy & Dexter schon im Netz sattgesehen hat, dem seien die tolle Aufmachung des Bandes mit Vorwort, abschließenden Informationen zur Rezeptionsgeschichte und den bisher unveröffentlichten Bonusepisoden 0 und 112 auf den Innenseiten der Buchdeckel als zusätzlicher Anreiz zur Anschaffung genannt.

 

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