Kurt Busiek / Mario Alberti: Redhand 2
14.01.2010
Die Götter müssen verrückt sein
Die Waffe der Götter, zweiter Band der Reihe Redhand überrascht mit einer verblüffenden Wandlung des Helden: Aus dem Nihilisten wird ein Sozialist – oder war er das etwa von Anfang an? Von MATTHIAS ROSS
Der zweite Band der auf drei Teile angelegten Reihe Redhand schaltet im Vergleich zum ersten Teil einen Gang herunter; die Gewalt ist nicht mehr so exzessiv und die Actionsequenzen auch nicht mehr ganz so zahlreich wie in Der Preis des Vergessens (vgl. die Titel-Magazin-Rezension vom 23. April 2009). Dafür konzentriert sich Autor Kurt Busiek mehr auf die Charakterentwicklung Redhands und schlägt einen ganz anderen Weg ein, als man erwarten durfte. War Redhands Handeln in Preis des Vergessens noch durch Skrupellosigkeit und Gnadenlosigkeit bestimmt – nicht nur im Umgang mit seinen Feinden, sondern erst recht auch mit seinen Freunden – hat in Die Waffe der Götter ein Umdenken eingesetzt; Redhand zögert zu töten und zeigt Mitleid mit seinen Mitmenschen. Eine große Antipathie hingegen bringt er inzwischen den Göttern entgegen. Redhand ist mit ihrem Management des Planeten ganz und gar nicht einverstanden und beschließt, sie zur Verantwortung zu ziehen.
Roter Stern
Busiek inszeniert den Gegensatz Götter / Menschen als Klassenkampf. Dieses Motiv erscheint nach dem nihilistischen Gemetzel aus Der Preis des Vergessens ziemlich abrupt und unvermittelt, was man zunächst als Bruch gegenüber der bisher eingeschlagenen Linie empfindet. Erst bei der nochmaligen Lektüre des ersten Bandes bemerkt man, dass hier bereits auf die kommende Entwicklung vorbereitet wurde. Nicht zuletzt die Tätowierung auf Redhands Schulter, die einen geflügelten roten Stern zeigt, ergibt plötzlich erstmals Sinn. Redhand hatte mit seinem Gedächtnis wohl auch seine sozialistischen Überzeugungen verloren, besinnt sich nun aber wieder. Vor allem die Entdeckung, dass die Götter identisch sind mit den Herrschern der hoch technologisierten Welt, gegen die er schon früher rebelliert hatte, bringt ihn zurück auf seine alte Bahn. Offensichtlich wurden die Herrscher also durch den mysteriösen Anschlag im Prolog von Der Preis des Vergessens nicht getötet, sondern zu Göttern transsubstantiiert. Redhand beschließt, diesen Umstand zu korrigieren. Wie Redhand das machen will, lässt Busiek aber zunächst noch offen.
To Be Continued...
Der Band Die Waffe der Götter ist einer der wenigen Fälle, wo eine Fortsetzung nicht nur überrascht, sondern sogar den ersten Teil noch besser aussehen lässt, da bisher scheinbar willkürlich eingestreute Elemente sich plötzlich zu einem sinnvollen Ganzen zusammensetzen. Busiek wird dabei gekonnt vom Zeichner Mario Alberti unterstützt. Neben seinem aus dem ersten Band bekannten Talent für unglaublich dynamische Actionszenen beweist Alberti hier, dass er sich auch mit der Darstellung der Feinheiten der menschlichen Mimik auskennt. Der Held muss in Die Waffe der Götter eine weite Bandbreite an Emotionen zeigen – und Alberti gelingt es, diese glaubhaft wiederzugeben. Im Ganzen ist Die Waffe der Götter eine überzeugende, packende Fortsetzung, die den Leser in gespannter Erwartung des dritten Teils zurücklässt. Es bleibt nur zu hoffen, dass der für seine chronisch verspäteten Skripte bekannte Kurt Busiek sich bei Redhand nicht ganz so viel Zeit zur Vervollständigung der Reihe lässt wie bei Astro City.
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