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Mittwoch, 08. Februar 2012 | 22:56

Up in the Air

11.02.2010

Jenseits von Genre

George Clooneys Darstellung unterscheidet sich zwar kaum von der aus anderen Filmen, jedoch passt seine beiläufige Lässigkeit ganz hervorragend zu dieser unterhaltsamen Geschichte. Von SASCHA ORMANNS

 

Up in the Air eröffnet mit einem bezaubernden Vorspann: Die Kamera fliegt auf Reisehöhe einer Linienmaschine, durchtaucht dabei wiederholt Wolken und fotografiert aus dieser Vogelperspektive ländliche Umgebungen ebenso wie urbane Räume und Städte; immer wieder schieben sich diese Bilder übereinander, kippen aus der Leinwand heraus, oder lösen sich in Splitscreens auf. Schon dieser Beginn lässt erahnen, wie einfallsreich und gewitzt Eric Steelbergs pittoreske Kinematographie und Dana E. Glaubermans brillante Montage ineinandergreifen, erzeugen sie doch schon in den ersten Filmminuten eine Dynamik, die den Zuschauer galant in den Film hineinzieht.


Eine ähnlich märchenhafte Einführung gelang schon beim Vorgängerfilm Juno; überhaupt ist es beachtlich, dass sich Jason Reitman mit seinem dritten Langspielfilm Up in the Air bereits als ernstzunehmender Regisseur in Hollywood etablieren konnte, und dabei zu keiner Zeit im Schatten seines Vaters Ivan Reitman unterzugehen drohte. Schon mit seinem satirischen Debütfilm Thank You For Smoking wusste der Filmemacher sowohl Kritik als auch Publikum zu überzeugen; mit dem fürwahr liebenswerten Juno konnte er diesen ersten Eindruck noch festigen, auch dank des bemerkenswert stimmigen Drehbuchs von Diablo Cody, das 2008 vollkommen zurecht mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

 

Mit Up in the Air kreiert Reitman nun einen Film, der sich einer Genreeinordnung gänzlich entzieht, oszilliert er doch fröhlich zwischen Komödie, Drama und Liebesgeschichte. Leicht hätte diese Erzählung ins Klischeehafte abrutschen können: Dass es Reitman bei Up in the Air jedoch gelingt, dieser Falle gekonnt auszuweichen und der Film dabei durchweg unterhaltsam daherkommt, ist vor allem der schon erwähnten, ausgefeilten Zusammenarbeit der verschiedenen Mitwirkenden zu verdanken: nicht zuletzt einem erneut famosen Drehbuch sowie der durchgehend überzeugenden Leistungen sämtlicher Darsteller.

 

Perfektes Zusammenspiel zwischen Montage und Sounddesign

George Clooneys Darstellung unterscheidet sich zwar kaum von der aus anderen Filmen (beispielhaft sei hier die Ocean's-Reihe erwähnt), jedoch passt seine ihm anhaftende Lässigkeit hier ganz hervorragend. Er mimt in Up in the Air einen Einzelgänger, der beruflich 322 Tage im Jahr unterwegs ist und „fremden“ Firmen die undankbare Aufgabe abnimmt, ihr Personal zu entlassen.

 

Der Zuschauer begleitet den Protagonisten auf seinen Kündigungsreisen, beobachtet ihn beim Packen, bei der Zollkontrolle, beim Einchecken in Hotels und für Ryan Bingham vielleicht am wichtigsten – beim Sammeln von Bonusmeilen. (Wenn Bingham dann letztlich die 10 Millionen-Bonusmeilen-Grenze überschritten hat, gibt es noch eine schöne Reminisenz an The Big Lebowski, in der Sam Elliott – zwar nicht in Cowboy-Kostüm, dafür aber in adretter Pilotenrobe – dem Protagonisten seine philosophisch wertvollen Lebensweisheiten und die erlesene Bonuskarte mit auf den Weg geben darf, und ja, auch hier trägt er Schnauzbart.)

 

Die Professionalität der Hauptfigur wird dabei teils satirisch vom perfekten Konglomerat Montage und Sounddesign gespiegelt, so zum Beispiel, wenn sie ihren Koffer packt, die Bilder dies in schnellen Schnittfolgen präsentieren, und die Geräusche dabei geradezu comichaft überbordend von der Tonspur hallen: Dieser kluge Einsatz filmischer Mittel verleiht dem Protagonisten quasi den Status eines Superhelden – natürlich durchaus persiflierend.


Die routinierten (Zukunfts-)Gespräche Binghams mit den Gekündigten wurden im übrigen zu großen Teilen mit Laiendarstellern gedreht, die tatsächlich ihren Job verloren haben, und für die, so Jason Reitman, tatsächlich ein kathartischer Effekt durch erneutes Erleben zustande gekommen sein soll. Würde man Up in the Air unbedingt etwas vorwerfen wollen, könnte man die Tatsache erwähnen, dass er wohl etwas zu lapidar mit der Problematik der aufgezwungenen Arbeitslosigkeit umgeht, dann jedoch würde man die eigentliche Intention des Films verkennen; es geht ihm niemals darum, psychologische Hilfestellungen, oder gar Problemlösungen zu liefern, in erster Linie möchte Up in the Air unterhalten. Und das gelingt ihm ganz ausgezeichnet.

 

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