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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 13:36

Posy Simmonds: Tamara Drewe

01.04.2010

In Wessex geht die Post ab

Posy Simmonds ist 1945 geboren, im selben Jahr wie Wim Wenders, Bette Midler, Priscilla Presley und Rod Stewart, den eine britische Website als „ageing musician“ beschreibt. Entsprechend könnte man Simmonds als „ageing cartoonist“ kennzeichnen. Immerhin ist sie schon seit über 40 Jahren im Geschäft - anders als Stewart mit kontinuierlich steigendem Erfolg. Von BRIGITTE HELBLING

 

Jeder in England kennt Posy Simmonds, deren Comics seit 1969 in diversen Zeitungen erscheinen, feine Geschichten über die Nöte im Mittelstand der Literaturliebhaber. In Deutschland gilt Simmonds in erster Linie als Kinderbuchautorin (Fred, Die Katze des Bäckers). Mit Tamara Drewe dürfte sich das ändern. Der Comic-Roman, eins der Werke, mit denen die Cartoonistin Anfang der 1990er den Übergang von Strips zur ausgereiften Erzählung vollzog, erschien in Fortsetzungen im Guardian und brachte Simmonds 2009 in Angoulême den Prix de la critique.

 

Nichts Aufregendes, denkt man beim Einstieg in die Geschichte dann doch. Ein Schriftstellerrefugium auf dem Land, eine ältere Wirtin, die von ihrem erfolgreichen Schreibergatten betrogen wird, eine junge Journalistin, die allen den Kopf verdreht ... und dass sich Tamara Drewe an Far from the Madding Crowd, Thomas Hardys Erfolgsroman aus dem 19. Jahrhundert, orientieren soll, macht die Sache nicht unbedingt prickelnder. Aber dann taucht im Gefolge der schönen Tamara ein urbaner Musikstar auf. Zwei Teenager im Dorf verlieren den Kopf. Die Bestsellergattin beschließt, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen. Und mit einem Mal geht in dem gezeichneten Dorf in Wessex die Post ab.

 

Mix ohne Murks

Das ist die höhere List der Briten - geben sich erst so, als sei da nicht viel, und dann kann man nicht mehr aufhören zu lesen. Ein bürgerlich-solides Vergnügen? Das bleibt die Lektüre natürlich. Was sie im deutschsprachigen Comic-Angebot zu einer relativen Ausnahme macht. Für diesen Comic muss der Leser weder Habitué noch unter 30 sein - Tamara Drewe kann man getrost seiner Tante Julia auf den Gabentisch legen. Genau. Die aus Peru. Die wird sich freuen.

 

Und über der ganzen Unterhaltung könnte man beinah übersehen, dass Posy Simmonds hier gelingt, was kaum einer vor ihr geschafft hat, nämlich Prosa und Bilderzählung auf eine Weise zu kombinieren, die sich vollkommen eingängig liest. Es gab im Comic schon diverse Ansätze zu solcher Mix-Kunst, Watchmen zum Beispiel, der damit eine Art höheren Ehrgeiz verband, und einiges von Bilal, der ganz einfach Franzose ist. Aber eine Prosa-Bild-Lektüre, die ohne jeden Murks dahinflutscht?

 

Auf, auf, ihr Thomas-Hardy-Fans. Dies ist nicht nur ein Comic für euch. Und wenn ihr euch nicht beeilt, ist das schöne Teil auch schon gleich wieder vergriffen!

 

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