Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Donnerstag, 24. Mai 2012 | 13:37

Greenberg

01.04.2010

Ein wahrhaftiger Verlierer

Es ist das brillanteste Filmplakat der Saison, wenn nicht des gesamten Filmjahres: Unterhalb einer gigantischen Gedankenblase richtet Ben Stiller seinen Blick nach oben, wo sich in einem großen Nichts ein einsames Fragezeichen gebildet hat. Wahrlich eine passende Metapher für den Gemütszustand, für das gesamte Dasein von Roger Greenberg, der Titelfigur des Films, wenngleich er kaum etwas geleistet hat, was einen Film über ihn rechtfertigen würde. Von CARSTEN HAPPE

 

Greenberg hat die 40 längst überschritten, allerdings nichts davon vorzuweisen, was landläufig als Lebensleistungen gilt: keine eigene Familie, keine Karriere, weder Ambitionen noch Perspektiven. Er hat sich bereiterklärt, nach seinem Nervenzusammenbruch für eine Weile auf das Haus seines Bruders in Los Angeles aufzupassen, während der mitsamt Familie in Vietnam weilt. Eine Aufgabe, immerhin. Sinnvoller zumindest als das Verfassen sarkastischer Beschwerdebriefe, die durchaus offenbaren, dass mehr in Greenberg steckt als ein leeres Fragezeichen. Auch Florence, die junge Haushaltshilfe der Greenbergs, mäandert ähnlich orientierungslos durch ihre Existenz – vielleicht fühlt sie sich deswegen zu Roger Greenberg hingezogen, wie ruppig dieser die glücklose Barsängerin auch behandeln mag.

 

Willkommene Abkehr

Eine Romanze mit angezogener Handbremse, eine klare Absage an den amerikanischen Traum und ein grandioses Verliererportrait – Greenberg erreicht so vieles, ohne es zu forcieren, wirkt so leicht und entspannt und kaschiert dabei, welch harte Arbeit es ist, so unangestrengt den richtigen Ton zu treffen. Als Komödie eher leise und unspektakulär, ist es eine sehr willkommene Abkehr vom bisherigen Rollentypus seines Hauptdarstellers Ben Stiller – ich glaube nicht, dass ich ihn schon jemals so gut gesehen habe. Noch erstaunlicher allerdings sein weibliches Pendant, mit dem Roger Greenberg die zarte, verzettelte (Anti-)Romanze beginnt: die völlig unbekannte Greta Gerwig, die so herrlich normal daherkommt, auf sehr süße Art und Weise uneitel, verschnupft und hinreißend – gäbe es die Europäische Initiative „Shooting Stars“ auch in den USA, die Suche wäre beendet.

Nach 107 Minuten muss man das Leben von Roger Greenberg leider schon wieder verlassen, auch wenn man ihm noch locker zwei Stunden länger hätte zuschauen können. Mit seiner Oscar-nominierten New Yorker Dramödie Der Tintenfisch und der Wal hatte Noah Baumbach die erste Kostprobe seines Talents abgegeben, mit Greenberg liefert der mehrfache Co-Autor von Wes Anderson sein bisheriges Meisterstück ab, das kaum etwas anderes sein will außer echt und wahrhaftig.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Galgenmännchen auf Finnisch

Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...