Der Beginn, ein verstörender Kontrast: Eine halbe Idylle, ein Haus in den Südstaaten, vom Wind geschaukelte Äste eines riesigen alten Baums, ein paar Wagen stehen bereit zur Abfahrt, ein Schwarzer lädt noch eine große Kiste auf. Der Text sagt: „Mitten im Frühling 1862 passierte die USS Essex die Red Church und legte einen kurzen Zwischenstopp vor der Plantage Murrait ein.“
In einem kleinen, einmontierten Bild läuft eine Schwarze mit langem Rock und Haube, ein blondes Kind auf dem Arm, über die Veranda – direkt auf den Betrachter zu. Große Eile.
Dann blättert man um: „Die Plantagenbesitzer, die sich geweigert hatten, den Treueid auf die Unionsstaaten abzulegen, rechneten mit Repressalien.“ Und da sieht man auf der linken Seite das hereinbrechende Grauen, und auf der rechten brennende Häuser, blutverschmierte und zerfetzte Körper, eine schreiende Frau, die ihr totes, blutüberströmtes Kind in den Armen hält, und unten die Beerdigung von „Émile Murrait in seinem fünften Lebensjahr“.
Es ist eine brutale Zeit, und ein brutaler Anfang. In komprimierten, springenden Bildern zeigt Bourgeon uns, womit man damals, ob schuldig oder unschuldig, ständig rechnen musste.
Eine Geschichte aus dem Louisiana des Jahres 1862: Isabeau Murrait, genannt Zabo, macht sich auf den Weg, um ihren Bruder Nano wiederzufinden. Unterwegs begegnet sie dem Fotografen Coustans, mit dem sie weiterreist. Sie erlebt Schreckliches, entkommt manchmal nur mit knapper Not und trifft am Ende ihre Urgroßmutter Isabeau de Marnaye, die beginnt, ihre ganz und gar außergewöhnliche Geschichte zu erzählen.
Bourgeons erzählt von Kolonialismus, Sklaverei, Barbarei und nur manchmal aufflackernder Menschlichkeit. Denn der Mensch ist nur noch Ware, wird erbarmungslos hin- und hergeworfen und überlebt alles nur mit Glück und nur selten ohne Verstümmelungen oder Verletzungen.