Die Preisträger 2010
1) Dokumentar:Filmpreis:2010 des Bayerischen Rundfunks und der Telepool GmbH (dotiert mit 10.000 EUR):
Les Arrivants von Claudine Bories und Patrice Chagnard
In einer Pariser Amtsstube werden die ersten Entscheidungen über die Zukunft von ganzen Familien gefällt, die nach Frankreich kommen, um hier Asyl zu beantragen. Mit viel Anteilnahme und Genauigkeit beobachtet der Film das dramatische Geschehen. Die beiden Filmemacher Claudine Bories und Patrice Chagnard widmen sich in ihrem Film Les Arrivants einem gesellschaftlich wie politisch hochaktuellen Thema, ohne jeglichen moralischen Zeigefinger.
2) Der Horizonte Preis 2010 des DOK.fest München (dotiert mit 3.000 EUR):
El Ambulamte von Eduardo de la Serna, Adriana Yurcovich und Lucas Marcheggiano
Ein alter Mann zieht durch argentinische Dörfer, und dreht Spielfilme mit den jeweiligen Dorfbewohnern. Dabei macht er sich und andere glücklich. 61 Filme hat er schon gemacht, mit minimalsten Mitteln. Mit seinen Filmen hinterlässt er Spuren bei den Menschen, und in der Chronik des Dorfes. Durch die gemeinsame Arbeit wird ein Erlebnis geschaffen, das die Menschen verbindet. Frei nach dem Motto: Von Dir handelt die Geschichte. Dieser Film ist eine charmante Parabel auf die Kunst des Filmemachens und die Wirkung des Geschichtenerzählens.
3) Der BLM Filmpreis 2010 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (dotiert mit 5.000 Euro):
Sergej in der Urne von Boris Hars-Tschachotin
Der Film beginnt, scheinbar vertraut, wie ein gängiges Sub-Genre: die Suche nach entfernten Verwandten. Doch die Recherche bekommt unerwartete Ausmaße: der Urgroßvater war ein in vieler Hinsicht höchst aktiver Intellektueller, der nicht nur zahlreiche Nachfahren zeugte, sondern sich vor allem frühzeitig im Widerstand gegen die Nazis und später gegen die Atombombe engagierte. Auf der Suche nach den auf dem ganzen Kontinent verstreuten Söhnen dieses Urgroßvaters entwickelt Hars-Tschachotin beiläufig nicht weniger als einen Spiegel der europäischen Geschichte.
4) Der FFF-Förderpreis Dokumentarfilm 2010 des FilmFernsehFonds Bayern (dotiert mit 5.000 EUR, für Filme von Regisseur/innen, die in Bayern leben) wird geteilt und geht zu gleichen Teilen an:
Was wird bleiben von Knut Karger
Knut Karger gelingt ein nachdenklicher essayistischer Konzeptfilm, der trotzdem guten Humor beweist und Fragen stellt, die beim Zuschauer weiterarbeiten. Zu sehen sind die geradezu rührend mühseligen Anstrengungen der Menschheit, sich der eigenen Vergänglichkeit entgegenzustemmen. Ohne bestimmte Erwartungen zu erzeugen oder zu bedienen, konturiert der Film den spekulativen Grund jeder Sachlichkeit.
On the other side of life von Stefanie Brockhaus & Andy Wolff
Zwei junge Filmemacher, die sich auf offensichtlich extreme Bedingungen eingelassen haben, schildern in großer dokumentarischer Zurückhaltung den Weg von zwei jugendlichen mutmaßlichen Mördern - in einem Township in Südafrika, eine Gegend in schockierendem Zustand, in der Mord scheinbar zum Alltag gehört. Beeindruckend die intime Innenansicht von Menschen und Strukturen, beispielhaft die Schilderung der brutalen Hierarchie im Gefängnis
5) Der mimikri media Förderpreis (Untertitelungssachpreis):
La Isla – archivos de una tragedia von Uli Stelzner
Die Opfer von Unrecht brauchen Aufmerksamkeit und eine Stimme. Die Verursacher und die Fakten des Unrechts sind zu nennen. Dafür eine Form zu finden, die uns als Zuschauer teilhaben lässt und in die Pflicht nimmt, ist eine große Kunst. Die Jury für den mimikri media Förderpreis hat sich einstimmig für den Film LA ISLA von Uli Stelzner entschieden. Seinem Film gelingt es den Zuschauer über die Ereignisse in Guatemala zu informieren.