Kishi Torajiro: Maka-Maka I
27.05.2010
Liebe, Sex und Zärtlichkeit
Maka-Maka erzählt mit freizügigen Darstellungen und in ungenierter Sprache die Geschichte zweier Studentinnen, die Sex als ein Mittel der Kommunikation betrachten – vorwiegend untereinander. CHRISTIAN NEUBERT hat ihnen dabei gerne zugeschaut.
Pornografisches in Comicform? Da fällt mir zuerst Lost Girls von Alan Moore und Melinda Gebbie ein. Und diese eine Seite in Squeak the Mouse, bei der es ordentlich zur Sache geht. Außerdem kann ich mich dunkel daran erinnern, mal Die Geschichte der O. als Comic gesehen zu haben.
Teenagerliebe
Doch um hier niemanden abzuschrecken oder vielleicht falsche Hoffnungen zu wecken: Kishi Torajiros zweiteilige Manga-Serie Maka-Maka ist aufgrund ihrer Thematik und der eindeutigen Darstellungen zwar dem japanischen Genre des Yuri zuzuordnen, aber keineswegs ein Porno. Einblicke in die weibliche Anatomie bleiben dem Leser verwehrt, und da Yuris von der gleichgeschlechtlichen Liebe unter Frauen handeln, ragen hier auch keine erigierten Penisse in die Panels. Somit richtet sich dieser Manga bereits an ein Publikum ab 16 Jahren – wie diese albernen Soft-Erotikstreifen, die hin und wieder im Privatfernsehen laufen. Doch Maka-Maka bietet genau, was diesen Machwerken im Allgemeinen abgeht: Titten und Ärsche von Anfang bis Ende und eine Handlung, bei der man sich nicht ständig die Hände über dem Kopf zusammenschlagen muss.
Beide Augen auf´s Wesentliche
Maka-Maka erzählt die Geschichte der Freundinnen Nele und Jun, die sich, enttäuscht von den Liebhaberqualitäten ihrer männlichen Geschlechtspartner, auch körperlich näherkommen. Reduziert auf nicht viel mehr als diesen Aspekt ihres Alltags wird in dem Comic auf 104 Seiten ausgebreitet, wie sich aus der normalen Freundschaft der beiden ungleichen Studentinnen, angefangen vom ersten schüchternen Kuss bis zum leidenschaftlichen Cunnilingus, nach und nach eine ordentliche Fickbeziehung entwickelt. Und obwohl es während der ganzen Zeit meistens mehr als weniger textilfrei zugeht, muss man den beiden Protagonistinnen, die während der Geschichte auf jeweils zwei Seiten kurz vorgestellt werden, durchaus charakterliche Tiefe zusprechen.
Das macht Maka-Maka zwar längst nicht zu einem überaus anspruchsvollen Lesevergnügen, aber das wird angesichts der Thematik wohl auch niemand einfordern wollen. Nein, was viel wichtiger ist: Torajiro ist das Kunststück geglückt, durch die textliche Inszenierung des Bandes, die fast ausschließlich aus Dialogen besteht, in Verbindung mit den frivolen Zeichnungen etwas zu schaffen, das tatsächlich das Prädikat „erotisch“ verdient – und nicht in erster Linie plump und seicht vor sich hin dümpelt wie viele Vertreter des Genres.
Yuris richten sich zwar im Allgemeinen an eine Leserschaft beiden Geschlechts, doch bei Maka-Maka hat man das Gefühl, dass der Comic eher für ein männliches Publikum bestimmt ist – obwohl hier ein Bild vermittelt wird, dass vielleicht in starkem Gegensatz zum typischen männlichen Selbstbild steht.
Ein Manga von Format
Zwei Aspekte sind bei Maka-Maka, da es sich ja um einen Manga handelt, recht ungewöhnlich: Zum einen ist der Band durchgängig koloriert, was definitiv ein Vorteil ist, da durch die Farbverläufe und gut gesetzten Lichteffekte die weiblichen Formen schön plastisch zur Geltung kommen. Zum anderen präsentiert er sich im Albumformat und nicht etwa, wie bei Mangas üblich, in der Größe eines Taschenbuchs, was ebenfalls eine gute Entscheidung der Verleger war. Schließlich mutet der voyeuristische Blick des Lesers auf diese Weise nicht wie durch ein Schlüsselloch an.
Nach der Lektüre des ersten Bandes gilt abzuwarten, wie es mit Nele und Jun weitergeht. Vielleicht entwickelt sich aus der Geschichte einer Freundschaft im zweiten, abschließenden Band ja noch die Geschichte einer Liebe ... Auf welche Pfade werden die beiden ihre Leser noch führen? Und welche Arten der Kommunikation noch für sich entdecken? Man darf lustvoll gespannt sein!
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