Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Kennzeichen T - 28.04.2012
Donnerstag, 24. Mai 2012 | 16:14

Briggs / Lawrence: Mercy Thompson I. Heimkehr

17.06.2010

Gewöhnlich phantastisch

Durch die Verschränkung von Text und Bild sind Comics bestens dafür geeignet, phantastische Inhalte zu transportieren. Dass dabei jedoch nicht immer auch phantastische Ergebnisse erzielt werden, ist eine andere Sache. Von CHRISTIAN NEUBERT

 

Was einem momentan bei all den angesagten Indie-Bands fast ausnahmslos so unangenehm aufstößt, ist die Tatsache, dass das "Independent" in der Gattungsbezeichnung sich doch, neben der Do-It-Yourself-Attitüde und einem Vertriebsweg über entsprechende Labels, auch auf das musikalische Endprodukt beziehen sollte – eine Forderung, die Indie eigentlich zu einem Kategorisierungsversuch macht für Musik, die sich nicht so einfach kategorisieren lässt. Stattdessen ist der Sound von Bands, die freiwillig oder unfreiwillig als Indie firmieren, viel zu oft vorhersehbar. Komisch, dass eine Gattung, die Unabhängigkeit verspricht, lediglich Einheitsbrei abliefert.

 

Uniformierte Einfallslosigkeit

Genauso verhält es sich mit der literarischen Gattung "Fantasy". Der Begriff impliziert doch, so sollte man meinen, ungeahnte Möglichkeiten und ein Höchstmaß an Freiheit bei der Auswahl des Sujets und seiner künstlerischen Umsetzung. Was beim Großteil der Publikationen diesen Bereichs allerdings am erstaunlichsten ist, das sind nicht etwa die Ideen der Autoren, sondern der Umstand, dass scheinbar auch die Phantasie der Mode unterliegt – was gestern im Fantasy-Bereich noch Elfen, Zwerge und Hobbits waren, sind heute Vampire und Werwölfe. Merkwürdig, dass immer dasselbe dabei herauskommt, wenn Fantasy-Autoren ihre Phantasie spielen lassen.

 

Doch hier sollen keine kompletten Genres diffamiert werden – natürlich gibt es sowohl Indie-Bands als auch Fantasy-Autoren, die Großartiges schaffen. Eine Fantasy-Autorin der eher klassischen Sorte ist die US-Amerikanerin Patricia Briggs. Bis in die New York Times-Bestsellerliste haben einige Bände ihrer Mercy Thompson-Reihe es geschafft. Deren Heldin und Namensgeberin besteht ab sofort auch Abenteuer in Comic-Form, die die Autorin – im ersten Band gemeinsam mit dem Szenaristen David Lawrence – neu ersonnen hat und die unabhängig von den Romanen funktionieren.

 

Schema F als roter Faden

Mercy Thompson spielt in den USA der Gegenwart – einer Gegenwart, in der wie bei Harry Potter oder Twilight Menschen mit übernatürlichen Eigenschaften und Fähigkeiten neben Normalsterblichen existieren. Die Heldin der Reihe ist ein sogenannter Walker – ein Mensch, der sich bei Bedarf in einen Kojoten verwandeln kann. Die Suche nach Arbeit verschlägt Mercy Thompson in die Gegend um Washington, wo sie gleich zu Beginn von einer Horde Werwölfe attackiert wird. Nachdem sie den Angriff überstanden hat, nimmt sie einen Posten als Mechaniker in einer Autowerkstatt an – bei einem Mann, der Angehöriger des Feen-Volkes ist – und freundet sich mit einem Vampir an, der scheinbar immer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, um ihr aus der Patsche zu helfen. Und obwohl ihr im Verlauf der Geschichte von allen Seiten geraten wird, die Gegend zu verlassen, beschließt sie – wie sollte es auch anders sein – zu bleiben, um innerhalb des Kampfes zweier verfeindeter Werwolfsrudel Partei zu beziehen.

 

Der erste Eindruck trügt nicht: Man muss schon ein waschechter Fantasy-Jünger sein, um der ganz und gar unoriginellen Story etwas abgewinnen zu können. Die innere Zerrissenheit, unter der die Figuren wohl leiden, wird an keiner Stelle thematisiert, und auch das Dasein als Fremde unter vermeintlich Gleichen, vor denen sie ihre besonderen Eigenschaften unterdrücken und verstecken müssen, scheint keine Rolle zu spielen. Stattdessen sollen Momente, in denen dem Leser beigebracht wird, dass sich die Titelheldin als Walker schneller in einen Kojoten verwandeln kann als ein Werwolf in seine tierische Gestalt, oder dass man Werwölfe, aufgrund ihrer besonderen Sinneswahrnehmung, nur schwer hinters Licht führen kann, den Plot organisieren und für Spannung sorgen. Sie bezeugen allerdings nur die Einfallslosigkeit der Autoren.

 

Man merkt es dem Band an, dass hier lediglich das Fundament für eine möglichst lange Reihe geschaffen werden soll, die es scheinbar nicht nötig hat, um die Gunst der Leserschaft zu buhlen. Mit Gothic Horror-Elementen spielende Teenieschmonzetten sind angesagt und rekrutieren ihre Fans mit Leichtigkeit aus den Reihen unverstandener Jugendlicher, die in den andersartigen Fantasy-Helden Identifikationsfiguren suchen und finden.

 

Passend zum ideenarmen Plot glänzen die Arbeiten der beiden Zeichner von Mercy Thompson, Francis Tsai und Amelia Woa, auch nicht gerade durch besondere Innovation. Trotzdem haben die Bilder der Story etwas voraus: Sie sind im Grunde gar nicht mal so übel.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:
Das spricht mir aus der Seele.
| von Rudolf Inderst, 17.06.2010

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Galgenmännchen auf Finnisch

Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...