Schema F als roter Faden
Mercy Thompson spielt in den USA der Gegenwart – einer Gegenwart, in der wie bei Harry Potter oder Twilight Menschen mit übernatürlichen Eigenschaften und Fähigkeiten neben Normalsterblichen existieren. Die Heldin der Reihe ist ein sogenannter Walker – ein Mensch, der sich bei Bedarf in einen Kojoten verwandeln kann. Die Suche nach Arbeit verschlägt Mercy Thompson in die Gegend um Washington, wo sie gleich zu Beginn von einer Horde Werwölfe attackiert wird. Nachdem sie den Angriff überstanden hat, nimmt sie einen Posten als Mechaniker in einer Autowerkstatt an – bei einem Mann, der Angehöriger des Feen-Volkes ist – und freundet sich mit einem Vampir an, der scheinbar immer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, um ihr aus der Patsche zu helfen. Und obwohl ihr im Verlauf der Geschichte von allen Seiten geraten wird, die Gegend zu verlassen, beschließt sie – wie sollte es auch anders sein – zu bleiben, um innerhalb des Kampfes zweier verfeindeter Werwolfsrudel Partei zu beziehen.
Der erste Eindruck trügt nicht: Man muss schon ein waschechter Fantasy-Jünger sein, um der ganz und gar unoriginellen Story etwas abgewinnen zu können. Die innere Zerrissenheit, unter der die Figuren wohl leiden, wird an keiner Stelle thematisiert, und auch das Dasein als Fremde unter vermeintlich Gleichen, vor denen sie ihre besonderen Eigenschaften unterdrücken und verstecken müssen, scheint keine Rolle zu spielen. Stattdessen sollen Momente, in denen dem Leser beigebracht wird, dass sich die Titelheldin als Walker schneller in einen Kojoten verwandeln kann als ein Werwolf in seine tierische Gestalt, oder dass man Werwölfe, aufgrund ihrer besonderen Sinneswahrnehmung, nur schwer hinters Licht führen kann, den Plot organisieren und für Spannung sorgen. Sie bezeugen allerdings nur die Einfallslosigkeit der Autoren.
Man merkt es dem Band an, dass hier lediglich das Fundament für eine möglichst lange Reihe geschaffen werden soll, die es scheinbar nicht nötig hat, um die Gunst der Leserschaft zu buhlen. Mit Gothic Horror-Elementen spielende Teenieschmonzetten sind angesagt und rekrutieren ihre Fans mit Leichtigkeit aus den Reihen unverstandener Jugendlicher, die in den andersartigen Fantasy-Helden Identifikationsfiguren suchen und finden.
Passend zum ideenarmen Plot glänzen die Arbeiten der beiden Zeichner von Mercy Thompson, Francis Tsai und Amelia Woa, auch nicht gerade durch besondere Innovation. Trotzdem haben die Bilder der Story etwas voraus: Sie sind im Grunde gar nicht mal so übel.