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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 16:18

Comic-Heft: Perry

10.06.2010

Perry kämpft um die schwarze Null

Der Hamburger Kleinverlag Alligator Farm gibt seit 2006 ein Comic-Heft heraus, das auf der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan beruht. Im Gespräch mit ANDREAS ALT erläutert Verlagssprecher Kai Hirdt das mühsame Ringen um einen Platz am Kiosk und in den Comic-Läden.

 

Es war der Traum von Karl Nagel, Gründer des Verlags Alligator Farm in Hamburg: Ein deutsches Comic-Studio, in dem arbeitsteilig Storys entstehen, die dazu beitragen, das Heftangebot am Kiosk und im Comic-Laden wiederzubeleben. 2008 musste Nagel diesen Traum begraben, weil trotz Selbstausbeutung und ebenfalls unbezahlter Mitarbeiter die Raummiete nicht mehr aufzubringen war. Inzwischen hat Nagel der Alligator Farm den Rücken gekehrt, und doch hat sich sein Traum nun ein Stück weit erfüllt: Perry, unser Mann im All, das bisher erfolgreichste seiner Heftprojekte, hat mit der aktuellen Ausgabe Nr. 138 die Gewinnschwelle erreicht, wie Verlagsmitgründer Kai Hirdt beim Comic-Salon bekannt gab.

 

Perry war von Nagel eigentlich nur zum Üben gedacht gewesen. Es gab 129 Ausgaben aus der Zeit zwischen 1968 und 1975, die Zeichnern als Vorlagen und Referenzmaterial dienen konnten. Im Gegensatz zu neu kreierten Publikationen wie Elbschock hat sich Perry aber im Verkauf gehalten. Zielgruppe sind laut Hirdt sowohl Leser der alten Comics als auch der zu Grunde liegenden langlebigsten Science-Fiction-Serie der Welt.

 

Hoffnung auf Lottogewinn

Alligator Farm druckt laut Hirdt pro Ausgabe 4000 Stück; 800 bis 1000 davon verkaufen sich relativ stabil in Comic-Läden, weitere etwa 1000 an Kiosken, wobei dort der Verkauf von Ausgabe zu Ausgabe schwankt. Dieser Absatz reicht noch immer nicht, um die Macher zu bezahlen, wie Hirdt einräumt. Aber auf dieser Basis will der Verlag weitermachen. Der Druck wurde jetzt nach Polen vergeben; die Druckerei dort ist genau um die 2000 Euro billiger, die bisher als Minus übrig geblieben waren.

 

Den Studiozeiten trauert Hirdt nach, denn da seien einige Zeichner durch die konzentrierte Arbeit und den Austausch untereinander richtig gut geworden: „Wenn wir im Lotto gewinnen sollten, machen wir das sofort wieder.“ Da die Bedingungen aber nicht wirklich professionell waren und die ehrenamtlichen Mitarbeiter meist einen Brotberuf hatten, war die Comicproduktion zu langsam.

 

Leserinnen gesucht!

Hirdt würde Perry gern vierteljährlich statt halbjährlich erscheinen lassen. Aber die Arbeitsteilung zwischen Autoren, Szenaristen, Zeichnern und Coloristen hat sich bisher nicht richtig eingespielt. Leute wie Laska, Michael Vogt oder Stephan Hagenow haben sporadisch mitgemacht, hauptsächlich deshalb, weil sie sich gern einmal in einem solchen Heft gedruckt sehen. Dünnere Hefte zu produzieren, ist für den Verlag keine Alternative (derzeit hat Perry regulär 68 Seiten). Sie könnten dann etwa für 1,95 statt 4,95 Euro angeboten werden, wären aber damit für den Comicfachhandel wegen zu geringer Gewinnspannen uninteressant.

 

Ein weiteres Problem könnte die Zusammenarbeit mit der Rastätter Redaktion der Perry Rhodan-Heftromanserien werden. Sie hat bei den Comics ein Mitspracherecht und achtet darauf, dass die Marke Perry Rhodan nicht durch zu frei ans PR-Universum angelehnte Comic-Storys oder Plots, die PR-Fans vor den Kopf stoßen könnten, beschädigt wird. Tatsächlich folgen die Comics nicht immer genau den Vorgaben der Heftromane und bringen etwa Figuren zusammen, die sich dort niemals begegnen könnten. Jedoch hat die Redaktion, wie Hirdt versichert, noch nie ernsthaft eingegriffen. Stolz ist er dagegen darauf, dass Perry Rhodan-Erstauflagenautoren inzwischen hin und wieder Comic-Episoden schreiben.

 

Nachgedacht wird auch über eine Verjüngung der Leserschaft und daran, für Leserinnen attraktiver zu werden. Während die Rastätter die Serie zunehmend multimedial und interaktiv werden lassen, ist der Alligator Farm da allerdings noch nichts Zündendes eingefallen. Auch der Stand beim Comic-Salon brachte wenig. Die Möglichkeiten, neue Lesergruppen auf sich aufmerksam zu machen, seien bei dem großen Festival begrenzt. Etwas enttäuscht war Hirdt, dass der Comic-Salon nicht auf sein Angebot einging, einen Perry-Vortrag zum Programm beizusteuern. Zufrieden hat er immerhin registriert, dass einige der langjährigen, treuen Leser dem Verlag in Erlangen einen Besuch abgestattet haben.

 

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