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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 16:32

Das Sandmännchen - ab heute im Kino!

30.09.2010

Es hat uns keinen Spaß gemacht

„Manche Träume sind so ruhig, dass man sie sofort wieder vergisst.“ Dies gilt auch für Sinem Sakaoglus und Jesper Möllers Kinderfilm Das Sandmännchen. In ihrer abendfüllenden Puppentrick-Animation besteht die populäre Fernsehfigur ihre Abenteuer im Traumland erstmals im Kino. Von LIDA BACH

 

„Nicht so lebhaft, Leute, langweiliger! Das muss eintöniger werden!“, werden in einer frühen Filmszene die Schlafschafe des Traumlandes aufgefordert. Inszenierung und Handlung des ersten Kinoabenteuers vom Sandmännchen strafen den Untertitel der deutsch-französischen Co-Produktion Lüge. Abenteuer im Traumland erleben weder Hauptfigur noch Publikum. Statt mit Traumsand schläfert Das Sandmännchen mit Ereignislosigkeit ein.

 

„Das hält man ja im Traum nicht aus!“, denkt sich das ungestüme Schlafschaf Nepomuk, dass sich wie die Zuschauer nach einem spannenden Zeitvertreib sehnt. Durch Nepomuks Unachtsamkeit konnte der böse Sturmwind Habumar (Sprecher: Ilja Richter) den Traumsand stehlen, den er in Alptraumsand verwandeln möchte. Um Habumar aufzuhalten, bevor er allen Kindern Alpträume beschert, benötigt das Sandmännchen Hilfe aus dem Wachland. Doch Nepomuk bringt statt des geforderten furchtlosen Seemanns versehentlich den wasserscheuen Miko (Bruno Renne) ins Traumland. Nur der Sandmann glaubt an Miko, der seine Ängste besiegen muss, um Traumland und Wachwelt zu retten.

 

Zuckersüße Pracht

Ankunft und Abreise des Sandmanns sind in der Fernsehserie nur Rahmenhandlung für die eigentliche Gute-Nacht-Geschichte, den Abendgruß. Den sehen die Filmfiguren jedoch nie. Ein Fernsehgerät scheint den auf Angepasstheit bedachten Filmproduzenten schon pädagogisch fragwürdig. Nicht einmal der Sandmann, Meister darin, die Mattscheibe in Alltagsgegenständen zu verbergen, konnte sie in die brave Filmwelt schmuggeln. Der hervorgezauberte Bildschirm ist nur eines der fehlenden Seriencharakteristika. Das Leinwand-Sandmännchen wechselt nie sein Kostüm, reist ausschließlich in seinem Sandmännchen-Mobil statt in wechselnden Vehikeln und begegnet keinen Kindern aus fernen Ländern.

 

Alles zu verwirrend, aufregend und konfliktreich. Ohne diese originellen Serienmerkmale bleibt von dem Charme der Fernsehepisoden wenig übrig. Dieses wenige Charmante findet sich in der verspielten Puppentrick-Szenerie des Traumlandes. Die Liebe zum Detail geht bei den Set Designern dabei vor allem durch den Magen. Das Traumland erinnert an ein Schlaraffenland, wo dem Hauptfiguren-Trio Kirschen zufliegen wie gebratene Tauben, wo sprechende Torten-Damen Sahnehauben-Turmfrisuren balancieren und Eiscreme-Berge aus dem Boden ragen – laut Nepomuk der beste Ort im Traumland. Die zuckersüße Pracht übersättigt jedoch schnell in ihrer übermäßigen Possierlichkeit.

 

Müde Traumnovelle

Origineller sieht es nur in der Düster-Bar aus. Hier regieren Habumar und die Alpträume. Sie müssen exorziert werden, damit das Traumland noch „trantütiger“ und „eintöniger“ wird, wie es das Leitschaf von Nepomuks Herde zu Filmbeginn fordert. Wie der am endlosen Hürdenspringen wenig interessierte Nepomuk zukünftig mit seinem Temperament umgeht, verraten die „Abenteuer im Traumland“ nicht. Nepomuk wird wohl domestiziert werden, wie der schließlich auf Wurmgröße geschrumpfte Habumar und Mikos von Habumars Sprecher Ilja Richter verkörperter Vater.

 

Der Ansatz zu Tiefgang, der sich in Mikos Dämonisierung seines strengen Vaters im Traum andeutet, wird übergangen. Der kühle Vater, der sagt, Seefahrt sei nichts für Kinder, ist zum Filmende urplötzlich in einen Seebären mit Kapitänsmütze verwandelt, der Miko ermutigt, statt zu ermahnen. Nachdem Miko ausgeträumt hat, scheint die eigentliche Traumreise erst zu beginnen. Die idealisierte Realwelt ist zum wirklichkeitsfernen Paradies geworden.

 

Unter der Hülle hübscher Animationen verbirgt Das Sandmännchen biedere Nostalgie, zugeschnitten auf konfliktscheue Erwachsene, denen das Prädikat „besonders wertvoll“ wichtiger ist als filmischer Anspruch. Ein Erwachsenenfilm, der vorgibt, ein Kinderfilm zu sein. Das Sandmännchen zeigt nicht, wie Ängste überwunden und Konflikte gelöst werden können. Die minimalen Probleme, welche das Drehbuch zulässt, lösen sich von selbst oder werden ignoriert. Ohne Spannung, Witz und Anspruch ist das Werk auch für die jüngsten Zuschauer dröge. Anders als ihre Eltern werden sie sich nicht so leicht Sand in die Augen streuen lassen.


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