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DIE LEGENDE VON AANG

19.08.2010

Wie ich den Krieg gewann

M. Night Shyamalan versucht mit seiner Verfilmung der erfolgreichen US-Zeichentrickserie Avatar: Die Legende von Aang einen Actionfilm für Kinder zu inszenieren. Doch sein Fantasy-Spektakel um stereotype Figuren in computergenerierter Kulisse ist mehr als fragwürdig. Von LIDA BACH

 

„Es war, als hätte ich eine Erscheinung gehabt.“ (M. Night Shyamalan)

 

Vermutlich überkam sie den Regisseur vor dem Fernseher. In den USA flackert dort regelmäßig die Fantasy-Serie „Avatar: The legend of Aang“ über den Bildschirm. Shyamalans Töchter seien von der Reihe um die Naturgewalten kontrollierende Kinder-Krieger begeistert, wirbt der Pressetext. Können die Kinder von Hollywoodstars irren? Nach der wachsenden Fan-Gemeinde von „Avatar: Die Legende von Aang“ zu urteilen nicht. Nachdem Shyamalans Filme nach „The Sixth Sense“ bei Publikum und Kritikern immer weniger Erfolg genossen, war seine Erscheinung wohl  mehr kommerzieller als künstlerischer Natur. Sein jüngster Film ist augenscheinlich als Auftakt einer Filmreihe im Stil von „Twilight“ und „Harry Potter“ konzipiert.

 

Das Zuschauerinteresse in den USA, wo „The Legend of Aang“ bereits angelief, ist allerdings keineswegs stürmisch. Anders die Windstöße, die der zwölfjährige Hauptcharakter Aang (Noah Ringer) entfesselt. In der mythischen Filmwelt, wo „Bändiger“ genannte Menschen einzelne Elemente kontrollieren können, ist Aang der Avatar, die jüngste Reinkarnation eines Bändigers, der alle Elemente beherrscht. Unterstützt von der Wasser-Bändigerin Katara (Nicola Peltz) und deren Bruder Sokka (Jackson Rathbone) zieht Aang  durch eine von Schaueffekten strotzende Filmwelt. Dieses Fantasiereich wollen die Freunde von der Unterdrückung durch die kriegerischen Feuer-Nation zu befreien, deren Feuer-Prinz Zuko (Dev Patel) sie verfolgt. Ein Kinderspiel für Nachwuchs-Erlöser Aang, den zu töten sinnlos wäre, wie ein Filmschurke bemerkt: „Du würdest doch nur wiedergeboren werden.“

 

Dass Aangs Wiedergeburt im Kino in Form einer Fortsetzung erfolgt, ist zweifelhaft. Shyamalans Werk bleibt ein seelenloser Effekt-Reigen. Die jungen Schauspieler werden erstickt von den gewaltigen Kulissen. In den artifiziell wirkenden Sets schrumpfen die Charaktere zu den winzige Marionetten, die sie aus dramaturgischer Perspektive sind. Die Figuren sollen Archetypen sein; zu mehr als Stereotypen hat es nicht gereicht. Als Persönlichkeiten lassen sich die schablonenhaften Gestalten nur bezeichnen, wenn man Esoterik-Typologie zur Individualität erhebt: Die Prinzessin, der Beschützer, der dunkle Prinz, der Erlöser. Spirituell ist dieses Konzept so tiefgründig wie das Gummibärchen-Orakel. Vermutlich gehen die Produzenten davon aus, dass das Zielpublikum der Fernsehserien-Fans automatisch die in mehreren Staffeln entwickelten Charaktere der Serienfiguren  auf die Leinwand projiziert.

 

,,Vor hundert Jahren war alles in Ordnung in unserer Welt" (Aang)

Shyamalans Stärke ist das kreieren schleichender Spannung mittels subtiler Andeutungen. Die ausführliche Handlung der ersten Serien-Episode zu transportieren  macht dem Film jedoch sichtlich zu schaffen. So müssen langwierige Entwicklungen wie Sokkas erste Liebe  in einem Satz erklärt werden. Da das Bändigen der Elemente nicht allein durch Willenskraft, sondern Ausführung von Gesten funktioniert, jagen die Figuren wie losgelassene Gummibänder durch die Handlung. Bändigen sie nicht, verwenden sie asiatisch anmutende Kampftechniken. Verletzt wird dabei niemand. Ist ja alles für Kinder.

 

Dass sich an diese auch der krude Jesus-Subplot richtete, wirkt allerdings bedenklich. Mit teuflischem Feuer und Höllenmaschinen knechten die düster gekleideten Bösen, vertreten durch den ähnlich Luzifer „gefallenen“ Prinzen Zuko die farbenfroh gewandten übrigen Nationen und Bändiger. Die Luft-Bändiger, deren letzter Aang ist, symbolisieren das  Himmlische. Dieses ätherische Reine im Kampf gegen die rauchenden Feuer-Maschinen verkörpern auf der Leinwand nahezu ausschließlich weiße Schauspieler. Negative Rollen fallen Farbigen zu, wie Zukos einer indischen Königsdynastie nachempfundene Gefolgschaft.

 

Der unterschwellige Rassismus macht „Die Legende von Aang“ selbst als anspruchslose Unterhaltung für die Jüngsten untauglich. Vielleicht wählt Shyamalan für sein nächstes Werk eine anspruchsvollere Inspiration, vielleicht sehen seine Töchter dann bessere Serien. Ansonsten bietet sein Schaffen Anlass für Erscheinungen der unliebsamen Art: „I see a dead artistic career.“


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