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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 16:44

Calle Claus: Galáo to go - Das Schanzen Babes Album

18.11.2010

Kalter Kaffee

Seit nunmehr vier Jahren treiben die Schanzen Babes im Stadtmagazin Hamburg Pur ihr Unwesen. Nun liegen die gesammelten Strips der hippen Hamburger Deern im Albumformat vor – und gewinnen CHRISTIAN NEUBERT kaum mehr als ein müdes Lächeln ab.

 

Einzeln heißen sie Elisabeth Plaumann und Susanne Stefani. Im Duo allerdings kennt sie jeder in der Hansestadt als Liz und Gwen – als die Schanzen Babes. Gwen und Liz sind Anfang 20 und bewegen sich zielsicher zwischen FC St. Pauli-Merchandiseartikeln und Bier in Bügelflaschen. Sie hängen in der Schanze beim Portugiesen oder in Pauli im Pudel ab, erkennen ihre Feinde an den blau-weißen Rauten des HSV und sorgen sich hin und wieder um das Volumen ihrer Ärsche. Dazwischen ist kaum ein Indie-Knabe zwischen Eimsbüttel und Altona vor den liebestollen und launenhaften Mädels sicher.

 

Wieder einmal sind Frauen die Helden im aktuellen Band von Calle Claus, der u.a. mit Findrella oder Zuckerkick auf sich aufmerksam gemacht hat. Seine weiche Federführung scheint sich für feminine Figuren auch besonders anzubieten. Außerdem legt der Zeichner besonderen Wert auf die Garderobe seiner Heldinnen: In jedem Strip seines neuen Albums präsentieren sich die Babes in einem anderen Outfit, was für hippe Großstadtgirls natürlich eine Selbstverständlichkeit ist – für die Protagonisten einer langfristig angelegten Comicstrip-Reihe dagegen überhaupt nicht.

 

Todschick ...

Aus diesem Grund ist die Detailverliebtheit bei der zeichnerischen Umsetzung der urbanen Outfits auch lobend hervorzuheben. Dass trotz der poppig-bunten Farbgebung die Panels nie unübersichtlich wirken, ist ebenfalls positiv zu bewerten – auch, wenn die oft an Tiere erinnernden und nicht von besonderer Innovation zeugenden Gesichtszüge der Protagonisten sicher nicht jedermanns Sache sind. Die Schanzen Babes sind stark vereinfachte Strichmädchen mit Stubs- bzw. Schweinsnase, die – trotz ihrer Ausdrucksstärke – ihre auffallenden Klamotten in gleichem Maße nötig haben wie die gesichtslos bleibenden Menschen, denen man im realen Alltag begegnet.

 

So gesehen könnte man in die Strips ein klein wenig Kritik am oberflächlichen Lifestyle, der durch die beiden Mädels verkörpert wird, interpretieren – in einer Episode ist dies auch tatsächlich der Fall. Doch dies wäre eine Unterstellung: Calle Claus zeichnet eben gerade deswegen gerne Mädchen, weil er ihnen schöne Gewänder verpassen kann.

 

... aber leider auch todlangweilig

Außer stets zeitgemäßen und immer der Jahreszeit entsprechenden Klamotten bieten die Schanzen Babes leider eher wenig. Die Gags sind vorhersehbar und haben keinen Knalleffekt – sie verpuffen, da in den kurzen Strips kein Zündstoff steckt. Der Band ist fast ausnahmslos harmlos und langweilig.

 

Eventuell für Lokalpatrioten

Man muss dazu sagen, dass ich weder aus Hamburg komme noch großer Fan von Comic-Strips im allgemeinen bin. Außerdem habe ich noch nie einen Galáo beim Portugiesen bestellt. Sogar das „to go“ geht mir nach wie vor schwer über die Lippen, weswegen ich meinen Kaffee immer noch „zum Mitnehmen“ bestelle. Bewohner der Hansestadt allerdings fühlen sich eventuell mehr von den beiden Lokalmatadorinnen angesprochen – immerhin gewährleisten Adressen wie die Mutter, der Jenisch-Park oder die Rote Flora ein bisschen heimatliche Verbundenheit. Aber genauso wenig, wie z.B. Hägar einen echten Wikinger-Way of Life vermittelt, lassen einen die Schanzen Babes an einer besonderen Hamburger Lebensart teilhaben. Ein paar Änderungen im Lokalkolorit würden genügen, um anderen Stadtmagazinen so etwas wie die Friedrichshain Tussis oder die Maxvorstadt Luder zu bescheren.

 

Ansonsten ist man meiner Ansicht nach, wenn es um  Comic-Strips geht, mit den Arbeiten von Mahler, Thomas Gilkes´ Leroy&Dexter oder den im groove-Magazin erscheinenden Hotze-Comics besser beraten. Oder, um bei der Edition 52, dem Verlag der Schanzen Babes zu bleiben, bei den Arbeiten von Jamiri.

Diese Beispiele zeigen, dass der Charme von Comic-Strips auch in direkter Folge gelesen gut zur Entfaltung kommen und sich vor allem auch langfristig halten kann. Dazu bedarf es allerdings guter Ideen – und nicht zuletzt gelungener Nebenfiguren. Wenn dies gewährleistet ist, verzeiht man dem Autor auch den einen oder anderen Sparwitz. Die Schanzen Babes dagegen entpuppen sich leider als kompletter Reinfall – daran kann auch ein kurzes Gastspiel von Didi&Stulle nichts ändern. So traurig es klingt: Die wenigen Lichtblicke sind fast ausschließlich den Gastzeichnern Klaus Cornfield, Wittek, Olli Ferreira und Jule K. zu verdanken.


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