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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 16:44

Arcudi / Howard / Irwin: Aliens - Nekropolis

25.11.2010

Blutiges Stillleben

Aliens – Nekropolis wirbt vollmundig damit der Alien-Saga „ein neues erschreckendes Kapitel“ hinzuzufügen. PETER KLEMENT hat sich angesehen, was da aus dem Ei gekrochen ist, und macht einen Ausflug in die Welt des Märchens.

 

Das Märchen lebt von Wiederholung: Man braucht drei Gegenstände, ausgehändigt von drei mehr oder minder mystischen Personen, für drei spezifische Aufgaben. Der Film Alien handelt von der Crew eines Raumfrachters, die auf einem abgelegenen Planeten ein Wrack mit einem toten außerirdischen Piloten findet, der den Aliens zum Opfer fiel. In Aliens – Nekropolis geht es um die Crew eines Forschungsschiffs, dass auf einem ablegenen Planeten Überreste einer fremden Zivilisation findet. Der Rest ist Bekanntes mit einigen neuen Zwischentönen.

 

John Arcudi, der unter anderem bei B.U.A.P. mitwirkt, sowie Zach Howard und Mark Irwin bedienen sich aus dem bereits recht umfangreichen Fundus der vier Alien-Teile und schaffen doch wenig, um ihn zu erweitern, ganz im Gegenteil: Man hört es leise schmatzen aus den filmischen Wirtskörpern. Abgesehen von einer löblichen wissenschaftlichen Abhandlung über Aliens, die einem die Natur dieser Wesen nahe bringen soll, wirkt die Graphic Novel wie ein Stückwerk aus Bekanntem. Wieder landet eine Crew, mitsamt Android, auf einem abgelegenen Planeten und wieder machen Aliens das, was sie am besten können: Embryos in Wirtskörpern unterbringen und die Anatomie der mäßig cleveren Fleischsäcke der Gattung Mensch kreativ neu gestalten.

 

Rekursion, Iteration, Mutation

Auf der Zeitlinie von Aliens – Nekropolis haben die Aliens auf der Erde beinahe die Menschheit ausgerottet. Jedoch besann sich diese in letzter Sekunde auf ihre Kardinaltugenden (überlegene Feuerkraft und Gemeinheit) und exterminierte die tödlichen Wesen. Und im Gegensatz zu den Filmen haust auf dem fremden Planeten ein „namenloses Grauen“, das sich nicht mit schnödem Bodysnatching aufhält, sondern direkt ans Eingemachte geht: Es kontrolliert die Gedanken der glücklosen Glücksritter, die als erste die namensgebende Nekropolis gefunden haben.

 

Wo in den Filmen wieselflinke Aliens über Decken, Wände und durch Lüftungsschächten huschen, herrscht in der Graphic Novel zwar medial verordnete Bewegungslosigkeit, aber die Bilder von Zach Howard und Mark Irivin bauen auch keine Dynamik auf. Die Szenen in den verschiedenen Panels wirken statisch und manchmal sogar unfreiwillig komisch, beispielsweise wenn ein Alien aus seinem Wirt bricht, der den Vorgang anscheinend mit einem Ausdruck milder Überraschung zur Kenntnis nimmt. Die Graphic Novel geizt nicht mit der häufigen und detailreichen Zurschaustellung des Innenlebens von Mensch und Alien, was teilweise fetischartige Züge annimmt. Doch zwischen all dem Gekröse bleiben Plot und der Blick für andere Details, wie die Wahl des angemessenen Gesichtsdrucks, auf der Strecke.

 

Aus dem Brustkorb nichts Neues

Aliens – Nekropolis ist eine Fingerübung, die mit den Motiven des Alien-Universums ein bisschen herum klimpert, ohne jedoch aus den Versatzstücken ein größeres Ganzes zu schaffen: Sowohl Plot als auch Bilder wirken lieblos verfertigt. Der gute Anfang, der versucht, einem die Aliens als Spezies näher zu bringen, wird schnell abgehandelt und später auch nicht mehr aufgegriffen, was schade ist, denn über die unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt erfährt man in den Filmen zwar einiges, aber eben nicht alles. Gerade dadurch, dass durch die Filme schon viel etabliert ist, würde es sich doch anbieten jenseits bekannter Pfade zu wandeln. So bleibt die Graphic Novel lediglich aufgewärmte Restkost.


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