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THE EXPANDABLES - neu im Kino!

26.08.2010

Das dreckige Halbdutzend

Filme „in denen Männer noch Männer sind, die ihre Konflikte im Nahkampf lösen“ hätten Sylvester Stallone zu seinem Action-Reißer „The Expandables“ inspiriert, verkündet das Pressematerial. Das klingt nach martialischer Gewaltverherrlichung und Machismo. Doch der Begriff Inspiration ist bei Stallones jüngstem Werk wörtlich zu nehmen. Seine Einfälle sind kein Neuaufguss bekannter Klischees und plumper Stereotypen, sondern deren genüssliche Ironisierung. Von LIDA BACH

 

The Expandables“ ist Stallones Loblied und Abgesang auf das Genre, dessen Veteran er ist. Eine bombastische Grabhymne, das Krächzen eines Totenvogels, wie er auf dem Filmplakat und den Tätowierungen der Hauptcharaktere auf einem Schädel hockt. Für seinen hochkarätigen Thriller trommelte Stallone die Elite des klassischen Action-Kinos zusammen. Deren Namen  liefern die beste Vorstellung der Protagonisten, allesamt Archetypen des Genres: Jason Statham ist der Messerexperte, Dolph Lundgren der Scharfschütze, Jet Li der Nahkampf-Spezialist. Randy Couture ist für Sprengstoff zuständig und Terry Crews für Feuerwaffen. Die erwähnten Tattoos sticht dem höllischen Himmelfahrtskommando der als Tätowierer auftretende Mickey Rourke. Sein grinsender Auftritt auf einem heißen Ofen mit heißer Braut ist schon den Kinobesuch wert. Ebenso ironisch und gelassen spielt Stallone, Anführer und Stratege der Söldner, die sich mit lebensgefährlichen Kampfeinsätzen verdingen. Der undurchsichtige Kontaktmann Church (noch ein Action-Veteran, doch wer, soll hier nicht verraten werden) beauftragt Stallone, den Diktator eines Inselstaats zu beseitigen. Der wahre Gegner der Truppe ist jedoch ein anderer.

 

Der Filmtitel zitiert die Bezeichnung für jemanden, der zugunsten eines militärischen Ziels geopfert werden kann. Menschlicher „Kollateralschaden“, das sind nicht nur die sechs Anti-Helden, sondern  alle Figuren des Ensembles, gute wie schlechte. Niemand ist so wichtig, dass er nicht als Bauernopfer enden könnte. Dies ist das bittere Fazit der zynischen Satire, das selbst der Erzschurke Munroe (Eric Roberts) erkennen muss. Munroe trägt Anzug und macht sich nie die Finger schmutzig. Dazu sind seine Handlanger da. Deren Familien aus unterprivilegierten Kleinstaaten mögen leiden, der Munroes geht es bestens, wie er eiskalt versichert. Schauplatz der Haupthandlung ist eine beliebige lateinamerikanische Insel, die treibende Kraft aber hinter dem Bösen ist Geld, amerikanisches Geld. „Being wealthy is very good.“, weiß Munroe: „It allows people to be the real assholes nature intended them to be.“

 

Hell is for heroes

„The Expandable“ ist Stallones ehrgeizigstes Filmprojekt seit „Rocky“. Wie bei dem Oscar nominierten Drehbuch des legendären Boxer-Films, der ihm den Durchbruch bescherte, schrieb Stallone an „The Expandables“ mit und führte zudem Regie. Vermischt „Rocky“ Action mit Dramatik, paart sie „The Expandables“ mit Satire. In den Jahrzehnten seiner von darstellerischen Höhenflügen und Tiefschlägen gezeichneten Karriere ist Stallones anfänglicher Idealismus, so scheint es, selbstkritischer Abgeklärtheit gewichen. Die „amerikanischen Invasoren“, für die er in „Rambo II“ und „Rambo III“ noch als Ein-Mann-Armee kämpft, sind die eigentlichen Widersacher der „Expandables“. Ein Dialogsatz wie „We will kill this american disease!“ wird zur heroischen Aufforderung zur Rebellion. Stallones sarkastische Seitenhiebe gegen amerikanische Institutionen wie Kirche und Weihnachten macht „The Expandables“ selbst für Verächter des Actionkinos unterhaltsam. Er weiß, was für Helden und Schurken das Publikum erwartet, und dass eine zu gewaltige Explosion lächerlich wird.

 

Diese Kenntnisse könnten „The Expandables“ kalkuliert erscheinen lassen. Doch statt die Zuschauerwartungen vorbehaltlos zu erfüllen, spielt der Regisseur mit ihnen, übertrifft oder frustriert sie gezielt. Gegner werden nicht nur niedergeschossen, sondern in ihre Einzelteile zerfetzt. Die exzessive Gewalt wirkt durch dieses Überspitzen fast wie aus einem harmlosen Cartoon. Kampfflieger steuern die harten Jungs wie Spielzeug-Flugzeuge. Kein lässiger Spruch fehlt, und das Herz eines Kriegers berührt nur der Tod eines Freundes – oder eine Frau. „The Expandables“ ist gewiss kein Meisterwerk, dafür aber eine Perle seines Genres. Ein Beweis, dass der klassische Actionfilm so lebendig ist wie seine Ikonen. „The Boys are back in Town“, verkündet der Schlusssong. Oder wie es Stallone formuliert: „That was a statement.“


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